Devisen + Rohstoffe
Intervention am Devisenmarkt - EZB mit Politik der ruhigen Hand

Mit jedem neuen Rekordstand des Euro werden die Rufe nach einem Eingriff der Notenbanken am Devisenmarkt lauter. Die Liste der Befürworter einer Intervention durch die Europäische Zentralbank (EZB) reicht inzwischen von Bundeskanzler Gerhard Schröder bis zu ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

dpa-afx FRANKFURT. Mit jedem neuen Rekordstand des Euro werden die Rufe nach einem Eingriff der Notenbanken am Devisenmarkt lauter. Die Liste der Befürworter einer Intervention durch die Europäische Zentralbank (EZB) reicht inzwischen von Bundeskanzler Gerhard Schröder bis zu ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Obwohl der Euro seit Jahresbeginn um mehr als zehn Cent gestiegen ist und am Montag mit 1,3 640 Dollar ein neues Rekordhoch erreicht hat, widerstand die EZB bislang allen Forderungen aus Politik und Wirtschaft. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beließ es bei verbalen Interventionen, indem er den Kursanstieg zum Dollar wiederholt als "brutal" und die Wechselkursschwankungen als "nicht willkommen" bezeichnete.

Gleichzeitig schloss die EZB einen Eingriff nicht grundsätzlich aus. "Interventionen sind ein Mittel, das Zentralbanken jederzeit zur Verfügung steht", sagte etwa Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Axel Weber. Damit konnten die europäischen Währungshüter aber immer nur kurzzeitig den schwächelnden Dollar stützen, der unter den enormen US-Defiziten in Leistungsbilanz und Staatshaushalt leidet.

'Dauerhafte Manipulation Nicht Möglich'

Mit ihrer Politik der ruhigen Hand ist die EZB nach Einschätzung vieler Experten bislang gut gefahren. "Sterilisierte Interventionen am Devisenmarkt, also Käufe von amerikanischen gegen europäische Staatsanleihen ohne eine Änderung der Zinspolitik, hätten kaum Aussicht auf Erfolg", sagt der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. "Die Dollar- und Euro-Anleihemärkte sind viel zu liquide, als dass sich mit Interventionen der Wechselkurs dauerhaft manipulieren ließe."

Den bislang einzigen Eingriff in den Devisenmarkt in ihrer bald siebenjährigen Geschichte hat die EZB im Herbst 2000 gewagt. In Abstimmung der amerikanischen und japanischen Notenbank trennte sich die EZB von einem Teil ihrer Dollar-Reserven, um die damalige Euro-Abwertung zu stoppen. Wenig später wiederholten die Frankfurter Notenbanker den Vorgang - diesmal aber im Alleingang.

Vornehmen kann einen Eingriff in den Devisenmarkt in den Euroländern nur die EZB. Nach dem Maastricht-Vertrag dürfen die Finanzminister der Euroländer lediglich "allgemeine Orientierungen für die Wechselkurspolitik" aufstellen, wie Artikel 111 (2) festlegt. Und auch dazu müssen die Frankfurter Währungshüter zuvor angehört werden. Aber auch die EZB kann nicht beliebig am Markt eingreifen. Gerechtfertigt ist ein Eingriff vor allem bei einer Gefahr für die Preisstabilität oder die konjunkturelle Entwicklung.

'EZB IST Kein Vollkaskoinstitut'

Diese Gefahren sieht Volkswirt Stephan Rieke von der ING-BHF-Bank derzeit nicht. "Der teure Euro mildert den starken Ölpreisanstieg deutlich ab, und es sieht im Moment auch nicht nach größeren Problemen für die Exportwirtschaft aus". Auch der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, lehnt eine Intervention aus Rücksicht auf die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft ab: "Die EZB ist nicht das Vollkaskoinstitut für europäische Exporteure, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht und sich rechtzeitig gegen Wechselkursschwankungen abgesichert haben".

Experten wie Harvard-Ökonom Rogoff setzen darauf, dass die Dollar-Schwäche mit den erwarteten Zinserhöhungen in den USA auch ohne die direkte Nachhilfe von Notenbanken endet: "Ich sähe es (...) lieber, die Federal Reserve in Amerika erhöhte die Zinsen ein wenig schneller, als sie es derzeit tut". Seit Dezember liegen die Leitzinsen in den USA mit 2,25 Prozent erstmals seit drei Jahre wieder über dem EZB-Niveau (2,00%) und machen damit Dollar-Investitionen attraktiver. Die Schere dürfte im Jahresverlauf weiter auseinander gehen und die US-Währung stützen. Dann dürften auch die Rufe nach Interventionen wieder weniger werden.

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