Interventionsschwelle der Regierung hat sich verschoben
Japan sieht stärkeren Yen gelassen

Der japanische Yen nähert sich immer mehr der kritischen Marke von 100 Yen pro Dollar. Damit stöhnen nicht mehr nur Europas Exporteure unter der Stärke des Euros. Denn immer mehr Währungsstrategen in Tokio sehen nun eine Trendwende gekommen: Von nun an könnte die japanische Währung einen erheblichen Teil der Dollar-Schwäche mittragen, meint etwa Satoru Ogasawara von Credit Suisse First Boston in Tokio. In den vergangenen beiden Jahren hatte dagegen der Euro den Hauptteil der weltweiten Dollar-Schwäche auffangen müssen.

HB TOKIO. Die Interventionsschwelle, bei der das japanische Finanzministerium noch vor einem Jahr massiv Dollar gekauft hat, um die US-Währung zu stabilisieren, hat sich verschoben. Seit März dieses Jahres hat das Finanzministerium die japanische Notenbank nicht mehr am Devisenmarkt intervenieren lassen, während sie im Halbjahr zuvor für rund 26 Bill. Yen (193 Mrd. Euro) Dollar aufgekauft hatte. Das lag zum Teil daran, dass der Dollar nicht unter die Schwelle von 105 Yen zu rutschen drohte. Nun jedoch zeigt sich, dass auch darunter nicht interveniert wird.

Lange glaubten Strategen, die Interventionsschwelle der Regierung liege bei 105 Yen je Dollar. Zu Wochenbeginn jedoch rutschte der Dollar auf gut 102 Yen ab – den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. In den vergangenen anderthalb Monaten hat der Yen zum Dollar satte sieben Prozent zugelegt. Dennoch beließen es Regierungssprecher und Finanzministerium bei verbalen Interventionen. Ökonom Richard Jerram von Macquarie Securities geht davon aus, dass die Interventionsschwelle der japanischen Regierung mittlerweile bei Kursen unter 100 Yen je Dollar liegt.

Als Grund für die entspanntere Haltung der japanischen Regierung nennen Ökonomen deren gewachsenes Vertrauen in die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Druck auf die seit Jahren sinkenden Preise nimmt langsam ab. „Die Angst, über die Dollar-Schwäche weiteren Deflationsdruck zu importieren, ist gesunken“, sagt Ogasawara. Zudem sprudeln die Gewinne der japanischen Unternehmen trotz des sinkenden Dollars. Zwar leiden Exporteure wie etwa die Autohersteller unter einem stärkeren Yen, allerdings produzieren sie mittlerweile mehr im Dollar-Raum und senken so ihre Abhängigkeit. Zudem ist der Anteil der japanischen Exporte in den Dollar-Raum über die Jahre auf rund 45 Prozent gesunken.

Tomoko Fujii von der Investmentbank Nikko-Citigroup erwartet, dass sich die enormen Interventionen des Vorjahres nicht wiederholen werden, solange der Dollar nicht abrutscht. Für das laufende Quartal rechnet er damit, dass sich die Kurse im Bereich von 100 Yen je Dollar bewegen werden. Auch auf Jahressicht erwartet Fujii Kurse auf diesem Niveau. Im Verhältnis zum Euro sieht Nikko-Citigroup eine relativ stabile Entwicklung „irgendwo oberhalb von 130 Yen“ zum Euro.

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