Interview zu Bitcoin
„Wo ist unser Geld?“

Kolin Burges protestiert vor dem Hauptquartier von Mt. Gox in Tokio. Die einst größte Börse für Bitcoin verwehrt ihm sein Geld. Den Glauben an die Zukunft der virtuellen Währung hat er dennoch nicht verloren.
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TokioKolin Burges hat rote Haare und blaue Hände. Seit dem 13. Februar steht er in Tokio Winter vor dem Hauptquartier von Mt.Gox, der einst größten Börse für die virtuelle Währung Bitcoin. „Wo sind meine Bitcoins?“ , fragt er tagaus, tagein. Denn auslösen konnte er, der seinen Lebensunterhalt durch den Handel mit neuen virtuellen Währungen verdient, seine hart erspekulierten Bitcoins bei Mt.Gox seit Wochen nicht mehr.

Technische Probleme, sagte die Börse. Doch Burges kaufte dem in Tokio beheimateten Unternehmen die Erklärung nicht mehr ab und reiste an, um die Firmenchefs zur Rede zu stellen. Bislang ohne Erfolg. Doch seinen Glauben an die glorreiche Zukunft von Bitcoin und anderen virtuellen Währungen hat er nicht verloren.

Warum sind Sie gekommen?
Sie haben nicht kooperiert. Alle Kunden waren daher sehr besorgt. Ich glaube nicht, dass es eine so unschuldige Ausrede gibt. Ich bin daher mit den Leuten von Coindesk.com hierher gekommen, um Mark Karpeles [Anm.: Firmenchef von MT.Gox] zu sprechen. Die Konfrontation gibt es jetzt auf deren Homepage im Internet zu sehen.

Wie fühlen sich?

Ich bin angewidert von denen und dem Weg, wie die mit dem Geld umgegangen sind, das wir Kunden ihnen anvertraut haben. Es hält sich das sehr starke Gerücht, dass Hacker Bitcoins gestohlen haben. Und Mt.Gox hat Sie offenbar keine Sicherheitsmaßnahmen gehabt, um unsere Konten zu schützen. Und nun kommunizieren sie nicht.

Welche Folgen wird dieser Skandal haben?
Ich glaube, er wird ein Wendepunkt für virtuelle Währungen. Die Kunden werden kritischer die Börsen überwachen, die Börsen müssen daher transparenter werden. Und mehr noch: Viele Leute in der Bitcoin-Gemeinde werden meine Meinung nicht mögen, aber ich würde auch ein gewisses Maß an Regulierung durch die Behörden begrüßen. Ich versuche, mit der japanischen Finanzaufsicht zu sprechen. Es muss aufgeklärt werden, was hier genau passiert ist.

Ist dies jetzt das Ende für Bitcoin?
Der Wert der Bitcoins ist erstmal gefallen. Aber ich glaube, dass es sich nur um ein kurzfristiges Problem handelt. Ich vertraue Bitcoin, weil der Source-Code offen ist und die Währung bisher recht sicher. Niemand war bisher in der Lage, in großem Stil Bitcoins zu fälschen oder die Währung zu zerstören.

Was macht Bitcoin und andere Währungen so interessant?
Die Menschen strömen in die Währungen, weil sie so rasch gewachsen sind. Das ist sehr verlockend. Ich als Trader verdiene recht gut. Und es gibt noch ein großes Potenzial für den Handel. Man muss allerdings die beste Währung identifizieren und die Nachrichten sehr genau verfolgen. Ich handele neben Bitcoins mit MaxCoins, Nextcoins and Dogecoins. Und ich nutze mehrere Börsen, nicht nur Mt.Gox.

Werden auch normale Geschäfte mit Bitcoins abgewickelt oder wird nur spekuliert?
Bisher gibt es kaum Geschäfte, die Bitcoins akzeptieren. Aber es wird immer üblicher werden. Und am Ende werden die meisten Geschäfte Bitcoins akzeptieren. Viel wird schon bis Ende dieses Jahres passieren. Selbst wenn Bitcoins Leben beschränkt sein sollte, ist das Ende noch weit entfernt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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