Investitionen fließen in tiefe Gewässer
Hart am Limit

In den Geldspeichern der großen Ölkonzerne steigt derzeit der Pegel. Die Gewinne der börsennotierten Multis wie BP, Exxon-Mobil oder Royal Dutch/ Shell kletterten im vergangenen Halbjahr bis zu 40 Prozent im Vergleich zu 2003 – und das war auch schon ein gutes.

HB DÜSSELDORF. Seit dem Streik der venezolanischen Ölarbeiter 2002 kann sich die Industrie über eine Preisrally freuen, die sie auch für ihre Investitionen nutzt – nachdem extrem niedrige Ölpreise in den Jahren der Asienkrise einige Projekte, wie zum Beispiel am Kaspischen Meer, zumindest verzögert hatten.

Ob die Gewinne langfristig helfen, die steigende Nachfrage nach Öl durch die Entwicklung neuer Quellen zu befriedigen, ist keinesfalls sicher. „Es gibt ein physisches Limit beim Geldausgeben“, sagt J.J. Traynor, Analyst bei der Deutschen Bank. Das heißt: Die Industrie steckt nicht automatisch Gewinne in neue Ölfelder, weil sie diese so schnell gar nicht finden kann.

„Die meisten Konzerne haben daher einen Großteil ihres Profits für den Rückkauf von Aktien oder den Abbau von Schulden genutzt“, weiß Traynor. BP gibt in diesem Jahr alleine rund sechs Mrd. Dollar an die Aktionäre zurück. Mehr als rund drei Mrd. Dollar stecken die Konzerne durchschnittlich im Quartal nicht in Investitionen.

„Wenn der Ölpreis ein paar Wochen über 40 Dollar steht, fangen wir nicht gleich an, irgendwo in der Welt zu bohren“, sagt ein Sprecher von Exxon-Mobil, dem Branchenführer. Die Multis müssten „langfristig“ denken: Vom Runterladen seismischer Daten eines Satelliten bis zur ersten Produktionsbohrung vergehen in der Regel bis zu zehn Jahre. Der Planungshorizont beträgt bei den Schwergewichten der Branche gut 20 Jahre.

Für diesen Zeitraum versuchen sie auch, einen Durchschnittspreis für das Barrel Öl (159 Liter) zu errechnen: Die großen Konzerne haben ihre Annahmen inzwischen alle nach oben korrigiert, zuletzt Statoil aus Norwegen. Inzwischen gelten 20 bis 22 Dollar als eine realistische Basis. Dann lohnen sich auch neue Projekte wie die geplanten Anlagen zur Verflüssigung von Gas, in die unter anderen Exxon im Golfscheichtum Katar rund 12 Mrd. Dollar stecken will, um von der steigenden Nachfrage nach Gas vor allem in den USA profitieren zu können.

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