Investitionen steigen auch im nächsten Jahr: Ölprofite fließen an die Aktionäre

Investitionen steigen auch im nächsten Jahr
Ölprofite fließen an die Aktionäre

Sie sind so reich wie nie zuvor: Allein die drei größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt Exxon-Mobil, BP und Royal Dutch/Shell haben im vergangenen Jahr zusammen einen Gewinn von fast 60 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Doch nicht nur die großen Ölkonzerne – die gesamte Branche hat von den unerwartet gestiegenen Rohöl- und Gaspreisen profitiert. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgen Investoren und Analysten nun, was die Unternehmen mit ihren Gewinnen anfangen werden.

HB DÜSSELDORF. Vor allem die Aktionäre profitieren. Sie können sich nicht nur über steigende Dividenden freuen, einen großen Teil der Gewinne stecken die Ölkonzerne in den Rückkauf eigener Aktien: Exxon-Mobil hat 2004 Anteile für zehn Mrd. Dollar vom Markt genommen, Shell hat – nach einer Unterbrechung wegen des Skandals um die Fehlbewertung seiner Ölreserven – jetzt wieder ein bis zu fünf Mrd. Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm aufgelegt, und BP hat 2004 rund 13 Mrd. Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Anleger zurückgegeben.

Wegen dieser Programme haben die Ölkonzerne bereits Schelte von der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris bekommen. Die Organisation, die über die Ölreserven der OECD-Industrieländer wacht, sähe es lieber, wenn die Multis das bisweilen knappe Angebot an Rohöl auf der Welt ausbauen würden.

Doch die Aktienrückkäufe machen Sinn. Experten wie Robert Skinner, Direktor des Oxford Institute for Energy Studies, sehen eine ganze Reihe von Gründen: „Die Unternehmen wollen ihre Aktionäre belohnen.“ Man dürfe nicht vergessen, dass sie in den 90er-Jahren, als der Preis für die europäische Ölsorte Brent inflationsbereinigt unter 20 Dollar pro Barrel gesackt war, keine guten Renditen erwirtschafteten.

Hinzu kommt: „Es gibt auch nicht immer ausreichend große und profitable Projekte für die Konzerne“, sagt Skinner. Wegen der schieren Menge ihrer täglichen Produktion können sie sich nicht mit kleineren Projekten zufrieden geben: Am Ende eines Jahres erwarten ihre Anleger, dass sie die verbrauchten Reserven durch neue ersetzen können. „Die Ölmultis müssen daher auf Elefanten schießen“, meint Skinner.

Analysten spekulieren auf weitere Übernahmen

Die Konzerne planen über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren. Vom Sammeln seismischer Daten eines Satelliten bis zur ersten Produktionsbohrung vergehen bis zu zehn Jahre. Für diese Zeiträume gibt es einen klar gesteckten Investitionsfahrplan. Wenn ein unerwarteter Ölpreisanstieg zusätzliche Gewinne in die Kassen spült, hat dies für die Finanzierung der laufenden Projekte meist keine Folgen.

Analysten erkennen daher bei den Großen der Branche ein regelrechtes physisches Limit für Investitionen: „Die Unternehmen können nicht eine unbegrenzte Anzahl von Projekten managen“, sagt Skinner. Einer der Gründe: Es gibt weltweit nicht genug gut ausgebildete Ingenieure und Projektmanager, die eine Milliarden Dollar teure Öl- oder Gasanlage bauen können.

Trotzdem haben sich die hohen Ölpreise und Unternehmensgewinne auch in den Investitionen für Exploration und Förderung niedergeschlagen: Lehman Brothers hat errechnet, dass 2004 die Ausgaben für das Erschließen neuer Vorkommen weltweit um 12,4 Prozent zunahmen – ursprüngliche Schätzungen lagen nur bei einem Plus von vier Prozent.

Nicht wenige, vor allem die mittelgroßen Gesellschaften in den USA, haben angesichts des Höhenflugs der Rohstoffnotierungen sogar ihre Budgets überzogen. Auch im kommenden Jahr werden die 327 Unternehmen, die Lehman Brothers regelmäßig zu ihren Investitionsplänen befragt, diese wieder ausweiten: Die Experten rechnen mit einer Zunahme von 5,7 Prozent auf ein Volumen von 176,8 Mrd. Dollar.

Doch selbst nach Zahlung von Dividenden, Aktienrückkäufen und Investitionen bleibt noch ein Teil des Gewinns übrig. Analysten spekulieren daher auf weitere Übernahmen in der Branche – trotz der hohen Ölpreise, die solche Deals teuer machen. Vor allem die teils staatlichen Ölkonzerne Asiens haben derzeit großen Appetit, dies zeigt schon ihr Interesse an Yuganskneftegaz. BP, Exxon und Total haben es vorgemacht: Die Förderung lässt sich auch steigern, indem man einen Konkurrenten übernimmt.

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