Investmentbanking: Eine aussterbende Art an der Wall Street

Investmentbanking
Eine aussterbende Art an der Wall Street

Nach der Finanzkrise mussten zehntausende Investmentbanker ihre Stellen räumen. Dank cleverer Technologien bedroht die Automatisierung nun eine ganze Sparte von Bankern: Die Devisenhändler.

New YorkCharlie Stenger hat in seinem Büro schon so einiges gesehen. Bei dem ehemaligen Devisenmakler, der inzwischen als Personalvermittler tätig ist, haben Händler geweint. Ein Händler gestand ihm, dass er seiner Frau nicht erzählte, dass er arbeitslos war, und jeden Morgen im Anzug das Haus verließ und in ein Café ging. Manche konnten der Realität nicht ins Auge sehen und lehnten Stellen ab, die weniger gut bezahlt waren als die Arbeitsplätze, die sie gerade verloren hatten.

Stenger, der 2013 beim Internet-Deal-Borker ICAP gekündigt wurde und jetzt für Sheffield Haworth tätig ist, sagt den Männern und Frauen, die er berät: Akzeptieren Sie das niedrigere Gehalt. Und nein, es lohnt sich nicht, auf einen Anruf eines anderen potenziellen Arbeitgebers zu warten. „Es sieht nicht gut aus“, konstatiert er. „Der Teich schrumpft.“

Seit dem Ende der Finanzkrise sind im Investmentbanking zehntausende von Stellen weggefallen. Besonders betroffen waren die Devisenabteilungen in vielen Banken, darunter Morgan Stanley, Barclays und Societe Generale. Neben den Stellenstreichungen spielt auch die Automatisierung eine Rolle, durch die der Personalbedarf reduziert wird. Sie hat eine neue, kleinere Generation quantitativer Händler hervorgebracht hat, die ihre Entscheidungen auf mathematischen Modellen basieren.

Im Jahr 2014 beschäftigten die weltweit größten Banken 2300 Personen im Front-Office-Bereich am Devisenmarkt, 23 Prozent weniger als vier Jahre zuvor, wie das Analyseunternehmen Coalition Development berichtet.

Und der Stellenabbau am Devisenmarkt dürfte weiter gehen. Die Erträge der Devisensparten haben sich nicht erholt, seit sie 2014 bis auf 6,5 Milliarden Dollar und damit 45 Prozent unter den Wert von 2009 abgerutscht sind. Das Devisenhandelsvolumen in Großbritannien und Nordamerika ist laut Zentralbanken in den Regionen im Oktober 2014 um über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat geschrumpft.

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