Investmentbanking Eine aussterbende Art an der Wall Street

Nach der Finanzkrise mussten zehntausende Investmentbanker ihre Stellen räumen. Dank cleverer Technologien bedroht die Automatisierung nun eine ganze Sparte von Bankern: Die Devisenhändler.
Ein Bankangestellter einer koreanischen Bank prüft Dollar-Noten. Quelle: ap
Scheine zählen

Ein Bankangestellter einer koreanischen Bank prüft Dollar-Noten.

(Foto: ap)

New YorkCharlie Stenger hat in seinem Büro schon so einiges gesehen. Bei dem ehemaligen Devisenmakler, der inzwischen als Personalvermittler tätig ist, haben Händler geweint. Ein Händler gestand ihm, dass er seiner Frau nicht erzählte, dass er arbeitslos war, und jeden Morgen im Anzug das Haus verließ und in ein Café ging. Manche konnten der Realität nicht ins Auge sehen und lehnten Stellen ab, die weniger gut bezahlt waren als die Arbeitsplätze, die sie gerade verloren hatten.

Stenger, der 2013 beim Internet-Deal-Borker ICAP gekündigt wurde und jetzt für Sheffield Haworth tätig ist, sagt den Männern und Frauen, die er berät: Akzeptieren Sie das niedrigere Gehalt. Und nein, es lohnt sich nicht, auf einen Anruf eines anderen potenziellen Arbeitgebers zu warten. „Es sieht nicht gut aus“, konstatiert er. „Der Teich schrumpft.“

Was Sie über den Devisenhandel wissen müssen
Frankfurter Skyline im Sonnenuntergang
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Weltweiter Riese

Der Devisenmarkt ist der liquideste Markt der Welt. Währungen werden an diesem Foreign Exchange (FX) direkt oder indirekt zwischen den einzelnen Marktteilnehmern gehandelt.

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Wer handelt da?

Dominiert wird der Devisenmarkt von großen, institutionellen Investoren wie Banken, Hedge- oder Investmentfonds. Wichtig sind insbesondere die Zentralbanken, die über Devisenkäufen oder –verkäufe ihre Währungen zu stützen. Vor allem bei asiatischen Zentralbanken sind diese sogenannten Devisenmarktinterventionen üblich. Privatanleger können allerdings auch am Währungsmarkt aktiv werden, wie etwa die Causa Uli Hoeneß gezeigt hat.

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Wie Privatanleger in den Handel einsteigen

Für den direkten Handel am Devisenmarkt wird ein Depot bei einem entsprechenden Broker benötigt. Immer mehr Online-Broker bieten solche Depots an, Anleger müssen genau hinschauen, um seriöse Angebote herauszufiltern. Verbreiteter ist der indirekte Handel über Derivate. Hier bestehen verschiedene Möglichkeiten.

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Mit welchen Derivaten gehandelt werden kann

Wer die einzelnen Währungspaare nicht direkt kaufen oder verkaufen will, muss auf Derivate ausweichen. Das geht beispielsweise mit Hilfe von Devisenoptionen, also strukturierten Produkten. Mit ihnen erwirbt der Anleger das Recht, eine bestimmte Währung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Wert zu kaufen oder zu verkaufen. Er ist allerdings nicht dazu gezwungen. Eine Kaufoption wird als Call bezeichnet, bei einer Verkaufsoption handelt es sich um einen Put. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Wetten auf eine bestimmte Kursentwicklung.

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Was sind Margins?

Eine Margin fordern Banken von ihren Kunden, wenn diese Devisen handeln wollen. Es handelt sich dabei also um Geld, welches zur Absicherung der Geschäfte bei der Bank hinterlegt werden muss. Privatkunden müssen mit Margins von etwa 0,5 bis 2,5 Prozent rechnen. Wer also mit 100.000 Euro Währungen handeln will, muss bei einem Satz von einem Prozent 1000 Euro bei der Depotbank hinterlegen.

Mehrheit fuer Neuregelung der Maklergebuehren in Sicht
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Welche Risiken bestehen?

Wie der Fall Hoeneß gezeigt hat, lassen sich mit Währungsgeschäften zwar sehr schnell viele Millionen erwirtschaften, die Gewinne können sich aber auch genauso schnell wieder in Luft auflösen. Denn oft reichen kleine Kursbewegungen aus, um das Verhältnis zwischen Gewinnen und Verlusten im eigenen Depot zu kippen. Und gerade der Devisenmarkt ist ständig in Bewegung.

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Warum ist der Markt so volatil?

Die starken Schwankungen am Devisenmarkt resultieren aus den zahlreichen Einflussfaktoren, die darauf einwirken. Nicht nur die Zinsen und geldpolitische Entscheidungen können den Wechselkurs beeinflussen, auch politische Ereignisse wie Kriege, die Inflationsrate oder Naturkatastrophen können Währungskurse bewegen.

Seit dem Ende der Finanzkrise sind im Investmentbanking zehntausende von Stellen weggefallen. Besonders betroffen waren die Devisenabteilungen in vielen Banken, darunter Morgan Stanley, Barclays und Societe Generale. Neben den Stellenstreichungen spielt auch die Automatisierung eine Rolle, durch die der Personalbedarf reduziert wird. Sie hat eine neue, kleinere Generation quantitativer Händler hervorgebracht hat, die ihre Entscheidungen auf mathematischen Modellen basieren.

Im Jahr 2014 beschäftigten die weltweit größten Banken 2300 Personen im Front-Office-Bereich am Devisenmarkt, 23 Prozent weniger als vier Jahre zuvor, wie das Analyseunternehmen Coalition Development berichtet.

Und der Stellenabbau am Devisenmarkt dürfte weiter gehen. Die Erträge der Devisensparten haben sich nicht erholt, seit sie 2014 bis auf 6,5 Milliarden Dollar und damit 45 Prozent unter den Wert von 2009 abgerutscht sind. Das Devisenhandelsvolumen in Großbritannien und Nordamerika ist laut Zentralbanken in den Regionen im Oktober 2014 um über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat geschrumpft.

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