Investor
George Soros setzt auf Kohle

Der Investor kauft 2,9 Millionen Aktien des US-Unternehmens Arch Cola, dem zweitgrößten Kohleförderer der USA. Soros nutzt damit die günstigsten Bewertungen seit fünf Jahren. Kohle gilt unter Experten als der Rohstoff, bei dem sich der Einstieg am meisten lohnt.

HB NEW YORK. Der Milliardär George Soros, der Hedge-Fonds Citadel Investment Group und der Vermögensverwalter T. Rowe Price Group setzen auf Kohle. Sie haben Aktien von Kohlezechen gekauft und dabei die günstigsten Bewertungen seit fünf Jahre genutzt.

Obwohl der fossile Brennstoff in den vergangenen zwölf Monaten teurer geworden ist, sind die Aktienkurse einiger Kohleförderer mit dem Rest der Rohstoffproduzenten eingebrochen. Soros erwarb im vergangenen Quartal 2,9 Mio. Aktien von Arch Cola, dem zweitgrößten Kohleförderer der USA, wie aus Pflichtmitteilungen an die US-Wertpapieraufsicht SEC hervorgeht. Citadel und Invesco deckten sich mit den Titeln von Peabody Energy ein. T. Rowe kaufte Unternehmenspapiere von Peabody, Arch, Consol Energy und der indonesischen Gesellschaft PT Bumi Resources.

Der Markt handelte die Aktien mit einem gewaltigen Abschlag: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Kohleförderer ist weniger als halb so hoch wie der Durchschnitt der Aktien im MSCI World-Energy-Index. Peabody wurde zeitweise mit dem 3,7-fachen der für 2009 prognostizierten Gewinne bewertet, bei Arch lag das KGV sogar nur bei 2,5. Am vergangenen Freitag kletterte der Aktienkurs von Peabody in der Spitze um 17 Prozent, Arch legten um 18 Prozent zu.

"Kohle ist der Rohstoff, bei dem sich der Einstieg derzeit am meisten lohnt", sagt Daniel Rice, Manager von Blackrock Advisors in Boston. "Der Rohstoff reagiert weit weniger sensibel auf einen Abschwung der Wirtschaft, weil er bei der Stromerzeugung für die Grundlast gebraucht wird. Zudem steigt die Nachfrage."

Die Schweizer Großbank UBS geht davon aus, dass der Bedarf in den großen Volkswirtschaften, in denen 52 Prozent des Stroms durch Kohle erzeugt wird, bis 2010 um 3,3 Prozent zunimmt. Bis 2030 rechnen die Experten der Internationalen Energie-Agentur in Paris mit einem Anstieg der Nachfrage um jährlich zwei Prozent. Vor allem in China und Indien wachse der Bedarf. Analyst Francisco Blanch von Merrill Lynch hingegen sieht den Kohlepreis wegen der Rezession "rapide" sinken. Peabody-Chef Richard Navarre wendet dagegen ein, dass beim Kohlepreis die Auswirkungen eines möglicherweise kurzfristigen Nachfragerückgangs durch sinkende Produktionsmengen ausgeglichen würden. Denn im Zuge der Kreditklemme müssten die Förderer geplante Kapazitätserweiterungen auf Eis legen.

In den vergangenen Monaten, in denen Europa, Japan und die USA gleichzeitig in die Rezession abdrifteten, waren die Aktienkurse der Kohleförderer bereits unter Druck geraten. Peabody verloren seit Jahresbeginn in der Spitze bis zu 79 Prozent, bei Arch und Consol lagen die Verluste zeitweise sogar über 80 Prozent. Während die Aktienkurse dieser drei Gesellschaften einen Teil der Verluste am Freitag wieder wettmachen konnten, beträgt das Minus von Bumi weiterhin fast 90 Prozent. "Anleger verramschen sämtliche Aktien, und bei den Titeln der Kohle-Erzeuger ist dies besonders irrational", sagt Richard Price, Investmentbanker bei Westminster Securities in St. Louis.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%