Investoren flüchten in den Dollar
Jahrestief: Euro fällt unter 1,39 Dollar

Große institutionelle Anleger fliehen vor den Risiken einer sich abschwächenden Weltkonjunktur in den Dollar. Das treibt den Wert der US-Währung nach oben und drückt die Kurse europäischer Wertpapiere.

HB FRANKFURT. „Der US-Dollar hat am meisten von der stark zunehmenden Risikoaversion profitiert, weil sich die amerikanischen Anleger auf ihren Heimatmarkt zurückziehen“, erklären die Währungsstrategen von Morgan Stanley den Höhenflug der US-Währung. Nach dem Ausbruch der amerikanischen Hypothekenkrise im vergangenen Sommer hatte der Euro einen beispiellosen Höhenflug hingelegt und war bis Mitte Juli um fast zwanzig Prozent auf einen Rekordwert von rund 1,60 Dollar gestiegen.

Nun flüchten selbst große europäische Fondsgesellschaften aus Europa und suchen ihr Heil wieder in den USA. So hat ING-IM, einer der 30 weltweit größten Vermögensverwalter, die eigene US-Aktienposition auf „moderat übergewichtet“ angehoben, während er bei europäischen Werten zur maximalen Untergewichtung übergegangen ist. Ähnlich wird das beim europäischen Ableger von Franklin Templeton gesehen, einer der bekanntesten Fondsgesellschaften der Welt. „Der Dollar profitiert von der Überzeugung, dass die US-Politik bereits auf den Konjunkturabschwung reagiert hat“, sagt Fondsmanager Chris Molumphy. Obwohl die Probleme in Wirtschaft und Finanzsystem ihren Ausgang in den USA nahmen, trauen die Investoren offenbar US-Regierung und -Notenbank zu, besser damit fertig zu werden als der Rest der Welt. Die Angst vor einem Bankrott der großen Investmentbank Lehman Brothers hat daran nichts geändert.

Es herrscht die Einschätzung vor, dass Regierung und Notenbank das Institut schon auffangen würden, wie zuvor etwa die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

Die Probleme der US-Banken tragen sogar noch zur Dollar-Aufwertung bei. Da viele der großen US-Banken wegen ihrer Verluste aus der Kreditkrise dringend Kapital brauchen, liquidieren sie zunehmend ihre ausländischen Anlagen oder holen sich Kapitalbeteiligungen von ausländischen Investoren ins Haus. Beides treibt die Dollar-Nachfrage.

Auch die Rezessionsgefahr bekämpfen die Verantwortlichen in den USA mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Die Notenbank hat den Leitzins auf zwei Prozent gesenkt und die Regierung ein milliardenschweres Konjunkturprogramm aufgelegt. Ähnliches vermissen die internationalen Investoren in Europa, wo die EZB noch im Juli ihren Leitzins auf 4,25 Prozent angehoben hat.

So sieht Nick Cowley, Fondsmanager bei der britischen Gesellschaft Henderson, in den USA bereits Licht am Ende des Tunnels. „Anfang 2009 könnte die Talsohle durchschritten sein“, sagt er.

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