Investoren
Rohstoffe für jedermann

Immer mehr Investoren interessieren sich für Rohstoffe und verstärken damit den Boom. Dabei ist das wirkliche Ausmaß der alarmierenden Versorgungslage bei den meisten Rohstoffen noch gar nicht in das Bewusstsein der Investoren gedrungen.

MÜNCHEN. Der Boom an den Rohstoffmärkten elektrisiert immer mehr Anleger und Banken. Die investierten Summen steigen kontinuierlich, ebenso die Zahl der Produkte, die sich mit Rohstoffen beschäftigen. Dabei ist das wirkliche Ausmaß der alarmierenden Versorgungslage bei den meisten Rohstoffen noch gar nicht in das Bewusstsein der Investoren gedrungen. Dies wird nach Meinung von Philipp Vorndran, Geschäftsführer der Credit Suisse Asset Management, auch erst dann geschehen, wenn die Rohstoffpreise weiter gestiegen sind.

Dass dies geschieht, ist aus Sicht von Vorndran wegen der anhaltend hohen physischen Nachfrage und der starken Kapitalzuflüsse von Investoren wahrscheinlich. „Wir haben erst den Beginn der Rohstoffhausse gesehen“, sagt er und erwartet, dass sich der Preisaufschwung über viele Jahre fortsetzt.

Dabei sind die starken Kapitalzuflüsse von Finanzinvestoren in Rohstoffe nicht unproblematisch: „Das heiße Geld der Hedge-Fonds und zunehmend auch der Pensionskassen macht unseren Job an den Terminbörsen immer schwieriger“, sagt John Kilduff, Energie-Experte von Fimat USA. „Eigentlich sind die Rohstoffmärkte für reale Gütertransaktionen geschaffen“, ergänzt Vorndran. Die jüngsten Minuskorrekturen auf einigen Märkten seien das Resultat spekulativ orientierter Transaktionen durch Hedge-Fonds und andere moderne Finanzinvestoren. Dass jedoch gerade der Ölpreis diese Preiskorrekturen in jüngster Zeit nicht mitgemacht habe, zeige, dass dieser Markt vor allem von der physischen Nachfrage getrieben werde, sagt Hans-Jürgen Klisch, Rohstoff-Experte von Raymond James & Associates.

Deutliche Rückschläge erwarten Experten am Ölmarkt auch in nächster Zeit nicht. „Historisch betrachtet ist Öl heute nicht teuer“, sagt Vorndran. Betrachte man die verhaltene Reaktion vor allem der US-Verbraucher auf den stark gestiegenen Benzinpreis, müsse man zu der Überzeugung gelangen, dass Öl offensichtlich noch viel zu billig sei. Dies wird sich jedoch ändern, meint Kilduff. „Der Ölpreis wird in den nächsten 90 Tagen in Richtung der Marke von 100 Dollar je Barrel steigen“, erwartet er. Auch aus diesem Grunde dürfte das Interesse der Kapitalanleger an Rohstoffen weiter steigen, prognostiziert Daniel Raab von AIG Financial Products.

Ausreichend Möglichkeiten, in Rohstoffe zu investieren, haben die Emissionsbanken inzwischen geschaffen. Das Angebot an Futures, Optionen, Swaps, Zertifikaten und strukturierten Produkten steigt stetig. In Produkte, die Rohstoffindizes abbilden, sind nach Schätzungen von Raab rund 95 Mrd. Dollar investiert. Vor einem Jahr lag dieses Volumen noch bei 50 Mrd. Dollar. Diese Zahl dürfte sich in den nächsten Jahren auf 180 Mrd. Dollar erhöhen, prognostiziert Raab. US-Investmentfonds verwalteten heute neun Bill. Dollar, „zwei Prozent dieser Gelder genügen, um auf die genannte Zahl zu kommen“. Die Rohstoffmärkte seien in der Lage, einen solchen Kapitalzufluss zu verkraften.

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