Investoren-Umfrage
Der Euro wird überleben - die nächsten vier Monate

Spanien braucht Hilfe, Griechenland geht pleite, aber der Euro wird überleben - zumindest bis zum Jahresende. Das ist das Ergebnis einer großangelegten Umfrage unter Investoren aus aller Welt. Aber nicht nur das.
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New YorkSpanien wird innerhalb eines Jahres ein Rettungspaket beantragen, Italien hingegen wird dies vermeiden können. Das ist eines der Ergebnisse einer weltweiten Umfrage unter 847 Bloomberg-Kunden. Auch zeigte sich ein wachsender Optimismus, dass die aus 17 Mitgliedern bestehende Europäische Währungsunion das restliche Jahr intakt überstehen wird. Allerdings erwarten 92 Prozent der Befragten eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und 56 Prozent, dass das Land bis Ende kommenden Jahres aus der Eurozone ausgeschieden sein wird.

85 Prozent der befragten Investoren, Analysten und Händler gehen davon aus, dass Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, innerhalb der kommenden zwölf Monate Rettungsgelder beantragen wird. 59 Prozent erwarten, dass Italien diesen Schritt im gleichen Zeitraum vermeiden kann. „Für Spanien ist die Notwendigkeit, den Rettungsfonds anzuzapfen, deutlich größer als für Italien“, sagt der Umfrageteilnehmer Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenstrategie bei der Commerzbank AG in Frankfurt. „Spanien verfehlt seine Haushaltsziele weitaus stärker als Italien.“

Spanien leidet unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase. Die Wirtschaft ist in die zweite Rezession seit dem Jahr 2009 abgerutscht und die Arbeitslosenrate hat den europäischen Rekordwert von 25 Prozent erreicht. Die Finanzschwäche einiger Regionen und geringere Steuereinnahmen werden dazu führen, dass das diesjährige Haushaltsdefizit mit 6,4 Prozent bei mehr als dem Doppelten der für Eurozonen-Mitglieder zulässigen drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liegen wird.

47 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen mit einem Zahlungsausfall Spaniens, genauso viele wie bei der vorherigen Umfrage im Mai. Bei fast sieben Prozent liegt die Rendite der zehnjährigen Spanien-Bonds nahe an dem kritischen Niveau, bei dem Griechenland, Portugal und Irland um Rettungsgelder ersuchen mussten. Ministerpräsident Mariano Rajoy verhandelt bereits über Hilfen im Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken.

Im Falle Italiens rechnen 25 Prozent der Befragten mit einem Zahlungsausfall – ebenso viele wie in früheren Umfragen. Das italienische Haushaltsdefizit wird nach Prognosen der Europäischen Kommission vom Mai in diesem Jahr bei rund zwei Prozent liegen. „Die Anpassungen, die die italienische Regierung vornimmt, werden effektiver sein als das, was die spanische Regierung tut“, sagte Umfrageteilnehmer Tatu Paasimaa, Portfoliomanager bei Nordea Investment Management in Helsinki. „Spanien wird in den kommenden sechs Monaten ein Rettungspaket benötigen, bei Italien kann ich das zurzeit nicht erkennen.“

Die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass Portugal bankrottgehen wird. Das ist der geringste Prozentsatz seit Januar 2011. 21 Prozent rechnen mit einer Staatspleite Irlands – der niedrigste Anteil seit Juni 2010. Dagegen erwarten 92 Prozent der Umfrageteilnehmer einen Zahlungsausfall Griechenlands und 56 Prozent sehen das Land Ende nächsten Jahres nicht mehr in der Währungsunion; 69 Prozent sehen den Ausstieg bis Ende 2014.

Beim Krisenausblick wächst die Zuversicht leicht: 27 Prozent der Befragten sagen, dass Schlimmste sei vorbei. Das ist ein Anstieg um zehn Prozentpunkte seit Mai. 69 Prozent halten jegliche Anzeichen für eine Stabilisierung für nur vorübergehend. Im Mai waren dies noch 80 Prozent der Befragten.

Erstmals in diesem Jahr gehen die Befragten nicht mehr mehrheitlich davon aus, dass ein oder mehrere Länder bis Januar die Eurozone verlassen haben werden. Nur noch 32 Prozent sind dieser Ansicht, nach 57 Prozent im Mai. Nur sechs Prozent rechnen mit einem Kollaps der Eurozone in diesem Jahr.

Der Anteil, der mit einem Zusammenbruch im Bankensektor der Eurozone rechnet, verringerte sich von 53 Prozent vor einem Jahr auf 16 Prozent. Nur zehn Prozent sagen, die Krise in der Eurozone werde zu einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen.

Der Anteil derjenigen, die mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage in der Eurozone rechnen, hat sich von 84 Prozent im Mai auf 79 Prozent verringert.

Die Umfrage wurde von Selzer & Co. in Des Moines, Iowa, durchgeführt und hat eine Fehlermarge von 3,4 Prozentpunkten.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Der Euro wird so lange überleben, wie "Goldman Sucks" und einige andere mächtige Finanzinstitutionen Geld damit verdienen können, dass sie anderen vom Untergang des Euro erzählen.

  • @mx1
    Diese sind für jedes Land verschieden: geographische Lage, Klima, Größe des Binnenmarktes, Bevölkerungsstruktur, Nachbarländern, Sprache und Schrift, Geburtenrate, Zuwanderung von Fachkräfte (viele gut ausgebildete junge Südeuropäer Wandern aus, diese Fachkräfte sind ein Vorteil für das Einwanderungsland, Bevölkerungsdichte (Finnland (338.432 km²) ist größer als Italien (301.338 km²) hat aber nur 5 Million Einwohner zu ernähren während Italien 60 Millionen zählt, Rohstoffvorkommen, etc., etc.
    Aber das ist Volksschule Grundwissen, Haben Sie denn nicht aufgepasst?


  • Sollten Monti und/oder Samaras ihre Reformansätze nicht durchbrngen, weiter wursteln wie bisher, bimmeln die Kampfrichter zum Schlagabtausch...

    Stellt euch vor: Belusconikraefte übernehmen in Italien das Ruder und in Griechenland erleidet Samaras in seiner Reformverzweiflung die erwünschte "politische Herzattacke für seine Bringfreunde"...

    Merkeline gibt dann mit Hr. Schäuble die passende Fan-Erklärung zu dem erneut notwendigen Schuldenschnitt ab..

    Vmtl. erst nach der Wiederwahl.. bis dahin ab durch die Schuldenmitte.

    Unsere derzeitige Politkaste beschäftigte sich vmtl. noch nie mit der Person ex Wirtschaftsminister Karl Schiller und dessen Haltung in Schuldenfragen.. Nicht nur für SPDler frueher immer ein leuchtendes Charakter-Vorbild, aber heutzutage...


    Ich sehe derzeit nur einen verlotterten Landsknechthaufen auf einer scheinbar "extern gesteuerten payroll". Vergesst die 100.000 DM Spenden....

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