Investorenflucht: Ungarns Forint sinkt auf Allzeittief

Investorenflucht
Ungarns Forint sinkt auf Allzeittief

Die weltweite Wirtschaftskrise trifft Ungarn mit Härte. Die europäische Entwicklungsbank EBRD erwartet für das osteuropäische Land für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukt um zwei Prozent. Internationale Investoren schreckt das ab. Sie ziehen sich aus ungarischen Anlagen zurück - und drücken damit die Landeswährung Forint immer tiefer.

WIEN. Die wirtschaftlichen Probleme in Ungarn setzen auch die Landeswährung Forint massiv unter Druck. Am Freitagmorgen notierte die Währung in Budapest mit 298 Forint für einen Euro und erreichte damit ein neues Allzeittief. Internationale Anleger stoßen Forint-Anlagen ab und reagieren damit auf die wachsenden Sorgen über die Lage der ungarischen Volkswirtschaft.

Die europäische Entwicklungsbank EBRD in London hatte zu Wochenbeginn ihre Wachstumsprognose für Ungarn noch einmal deutlich zurückgenommen. Statt der noch im November angenommenen leichten Zunahme von 0,2 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt von Ungarn in diesem Jahr real wahrscheinlich um zwei Prozent schrumpfen, nimmt die EBRD jetzt an. Ungarische Unternehmen reagieren darauf verstärkt mit Entlassungen und reduzieren ihre Fertigung. Ungarn leidet besonders darunter, dass die Exporte nach Westeuropa fallen.

Die ungarische Regierung hat wegen ihres vergleichsweise hohen Haushaltsdefizits nur geringe Möglichkeiten, mit größeren Konjunkturprogrammen auf die schlechte Wirtschaftslage zu reagieren. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany kündigte am Donnerstagabend eine Steuerreform an, die die direkte Belastung der Einkommen mindern soll. Die Regierung will den Einkommensteuertarif senken und verzichtet auf Einnahmen in Höhe in etwa 3,5 Milliarden Euro. Als Ausgleich will sie die Mehrwertsteuer erhöhen und Sozialausgaben senken. Gyurcsany hofft, dass damit Arbeitsplätze erhalten werden können - weil die Kosten für Arbeit insgesamt fallen.

Ungarn war das erste osteuropäische Land, das im vergangenen Jahr ein Hilfspaket von Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU bekommen hat. Insgesamt 20 Milliarden Euro werden dem Land zur Verfügung gestellt. Da sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert, hält sich in Budapest hartnäckig das Gerücht, das Land könnte ein weiteres Milliardenpaket benötigen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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