Iran vor Währungsreform
Ahmadinedschad will drei Nullen streichen

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad möchte sich im Kampf gegen die Inflation eines einfachen Mittels bedienen: Er plant, drei Stellen zu streichen. Doch selbst die inländische Wirtschaft steht dieser Maßnahme skeptisch gegenüber und wünscht sich stattdessen tiefgreifende Reformen.

BERLIN. In den Köpfen der Iraner hat die von Irans radikalem Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad angeordnete Währungsreform fast schon stattgefunden: Die Perser rechnen bereits jetzt statt mit der offiziellen Währung Rial in Toman, also einem Zehntel des iranischen Rials. Der Name Toman geht auf die bis 1932 gültige Währung Persiens zurück. Gleichwohl regt sich im Land noch Widerstand.

Der radikal-islamische Ahmadinedschad will nicht nur auf die ohnehin schon bestehende Praxis einschwenken, stattdessen will er auf den Geldnoten des Landes gleich drei Nullen streichen lassen. Dazu hat er die Zentralbank angewiesen und den wenig willfährigen bisherigen Zentralbank-Gouverneur Ibrahim Sheibani ablösen lassen. Nun soll der bisherige Geschäftsführer der Export Development Bank of Iran und frühere Zentralbank-Chef und Finanzminister, Tahmasb Mazaheri, als neuer Notenbank-Chef Ahmadinedschads Reform umsetzen.

Genaue Zeitvorgaben machte der Staatspräsident bisher nicht. Zudem sträubt sich Mazaheri gegen die Anordnung seines Präsidenten und nannte die von Ahmadinedschad gewünschte Währungsreform gestern „nur eine Idee“. Und da sie die Bevölkerung verunsichern würde, müsse sie sehr gut begründet werden, sagte er laut der Teheraner Agentur Irna.

Iranische Ökonomen lassen an dem Plan des Präsidenten kein gutes Haar. In einem offenen Brief haben jüngst fünf Dutzend Wirtschaftswissenschaftler des Landes Ahmadinedschad vorgeworfen, Irans Wirtschaft durch populistische Maßnahmen „an die Wand zu fahren“. Statt einer vordergründigen Währungsreform seien ein tiefgreifendes Privatisierungs-Programm und eine radikale Senkung der Inflation nötig: Offiziell weist Iran rund 15 Prozent Inflation aus, Ökonomen rechnen aber real mit dem Doppelten. Zugleich ist der Anteil der Öleinnahmen am Haushalt erneut gestiegen, auf nunmehr 65 Prozent. Das Wirtschaftswachstum ist im März abgelaufenen iranischen Jahr sogar auf vier Prozent gefallen.

Seit der Ausgabe der ersten 10 000-Rial-Banknote im Jahr 1972 sind die Preise nach einem Bericht der Teheraner Tageszeitung „Iran Daily“ so gestiegen, dass ein Iraner heute 1,28 Mill. Rial für Waren im damaligen Wert von 10 000 Rial bezahlen müsste. Im Moment ist ein Euro etwa 12 900 Rial wert.

Die Umsetzung der von Ahmadinedschad geforderten Währungsreform würde Iran durch das Drucken neuer Geldscheine 600 Mrd. Rial kosten, sagte Gholam-Reza Mesbahi Moqadam von Teherans Währungs- und Kredit-Ausschuss. Zugleich betonte er aber, dass es mit dem Streichen von drei Nullen auf neuen Banknoten nicht getan sei. Vielmehr sei eine grundlegende Reform des Finanzwesens nötig. So seien pro Perser 114 Geldscheine im Umlauf, während der Bargeldbestand bei Europäern nur zehn bis zwölf Banknoten pro Kopf ausmache. Schuld daran ist das unterentwickelte Bankwesen Irans.

Auf einem Seminar der Zentralbank bezifferte deren scheidender Chef Sheibani die vergebenen Kredite der Banken auf 1 404 000 Mrd. Rial. 85 Prozent der Einlagen der 25 Millionen iranischen Bankkonten lägen unter zehn Mill. Rial und bei zehn Prozent der Konten bei weniger als 100 Mill. Rial. Immerhin eine positive Reaktion wurde in Teheran wahrgenommen: Am Sonntag stieg der iranische Börsen-Leitindex TSE erstmals wieder über die Marke von 10 000 Punkten. Damit liegt Teherans Börse aber noch weit unter dem Höchststand von 14 000 Zählern, den sie im Hochsommer 2004 erreicht hatte. Vor allem mit der Wahl Ahmadinedschads im Juni 2005 war sie unter Druck geraten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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