Irland-Rettung
Euro bricht nach kurzer Erholung wieder ein

Das Rettungspaket hat dem Euro kurzfristig etwas Schwung verliehen. Doch die Ruhe hielt nur kurz. Am Mittag geht es für die Gemeinschaftswährung schon wieder kräftig abwärts.
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HB FRANKFURT. Die Einigung der EU auf eine milliardenschwere Hilfe für das hoch verschuldete Irland hat die Anleger am Montag nicht beruhigt. Zwar zogen die Kurse der irischen Anleihen leicht an. Doch sehen viele Börsianer mit Portugal und Spanien schon die nächsten beiden Problemfälle auf die Europäer zurollen. „Ob dies als endgültige Lösung für potenzielle weitere Schieflagen anderer Euro-Teilnehmerländer vom Markt akzeptiert wird, bleibt abzuwarten“, warnte ein Börsianer. „Jetzt schauen alle nach Portugal und Spanien“, fügte ein anderer hinzu.

Der Euro fiel in der Spitze unter 1,31 Dollar und notierte mit 1,3088 Dollar so niedrig wie seit mehr als zwei Monaten nicht mehr. Im Vergleich zu seinem New Yorker Vortagsschluss gab er um fast zwei US-Cent nach.

Der US-Währung komme zudem zugute, dass die US-Wirtschaft nicht mehr ganz so schlecht wie zuletzt befürchtet läuft, erklärten einige Analysten. Da zugleich viele Anleger die Euro-Schuldenkrise für noch nicht ausgestanden halten, habe die Gemeinschaftswährung wenig Aufwärtspotenzial.

Die Einschätzung der Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks habe sich durch die Krise wieder verschoben, erklärten Analysten. Bis vor kurzem hatten noch viele Anleger die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank zum Anlass für einen Ausstieg aus dem Dollar genommen. Dies hatte den Euro noch Anfang November auf über 1,40 Dollar steigen lassen, ehe die Krise um Irland die Anleger in den Dollar zurücktrieb.

Nun rücke die Einschätzung in den Vordergrund, auch die Europäer müssten noch länger als bislang gedacht an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten. „Die EZB dürfte infolge der Krise zum zweiten Mal gezwungen sein, ihre Exit-Strategie abzubrechen und eine unverändert großzügige Liquiditätsversorgungen bis mindestens März 2011 in Aussicht zu stellen“, erklärten die Analysten der Metzler Bank in Frankfurt. Im Frühsommer hatte die Krise um Griechenland ebenfalls zu einer Neueinschätzung der Geldpolitik in der Euro-Zone geführt und den Euro bis unter 1,20 Dollar gedrückt.

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  • Das Finanzsystem zweifelt mittlerweile nicht mehr nur an einzelnen (Krisen-)Ländern, es zweifelt an Europa als Ganzheit. Wie bereits mehrfach gewarnt, überschlagen sich nun die Ereignisse und wir stehen vor einem Systemcrash, der nur Verlierer kennen wird. Trotz 85-Milliarden-Paket für irland beruhigen sich die Märkte - wie abzusehen war - nicht. Der Außenwert des Euros verfällt weiter, die Risikoaufschläge für europäische Anleihen erreichen neue Höchstkurse. Auch für Deutschland wird die Lage mittlerweile hochexplosiv. Wir bürgen derzeit mit fast 400 Millarden für die diversen Rettungsgelder und Stützungsverkäufe der EZb. Dem Finanzmarkt dämmert es, dass Deutschland diese gigantischen beträge zum großen Teil abschreiben kann. Und solange Deutschlands Politiker sich der Realität versperren und weiter fleißig Deckungszusagen für EU-Krisenländer machen, werden die neuen Schulden bald die Dimension des Aufbaus Ost ausmachen - mit dem Unterschied, dass dessen Transferleistungen über einen Zeitraum von 20 Jahren geschultert werden mussten. Die Realitätsblindheit lässt die Risikoprämien nun auch für deutsche Finanzanleihen in die Höhe schießen. bald werden auch wir 5 Prozent Anleihezinsen zahlen müssen. Auf alle deutschen Schulden gerechnet hätten wir dann 60 Milliarden Euro zusätzliche jährliche Zinszahlungen zu verkraften. Das hält auch unsere Volkswirtschaft nicht aus. - Wir müssen schleunigst die Notbremse ziehen. Das bundesverfassungsgericht muss handeln und weitere Transferzahlungen verbieten. Unsere Zukunft steht auf dem Spiel! Noch mal zur Erinnerung: Ohne den Euro hätten Deutschland und auch alle anderen Krisenländer keine der jetzigen Probleme! Raus aus dieser Chaoswährung!

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