Irland-Sorgen
Euro behauptet sich oberhalb von 1,37 Dollar

Die Sorge um Irland hält den Devisenmarkt in Atem. Investoren schenken Euro-Zone wieder mehr Vertrauen: Die Europäische Union schwächt wahrscheinlich den Plan der Beteiligung von Anlegern an Pleiten ab. Spekulationen über bevorstehendes Hilfspaket für Irland machen derweil die Runde.
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HB DÜSSELDORF. Investoren haben zum Wochenschluss wieder etwas Vertrauen in den Euro gewonnen. Auslöser war Händlern zufolge die Aussicht, dass private Investoren in geringerem Ausmaß als bislang befürchtet bei Staatspleiten in Mithaftung genommen werden sollen. Zudem kursierten am Markt Spekulationen über eine bevorstehende Hilfsaktion für das mit Schuldenproblemen kämpfende Irland. „Es sieht so aus, dass sich der Staub in Europa wieder legt und man den Euro zurückkaufen kann“, sagte Klaus Gölitz, Leiter des Devisen-Eigenhandels von MM Warburg. Der Euro kostete am Nachmittag 1,3703 Dollar nach 1,3664 Dollar zum US-Handelsschluss am Donnerstag.

Am Rentenmarkt zogen die Kurse irischer Staatsanleihen kräftig an. In der Folge sank auch der Renditeaufschlag der zehnjährigen irischen Papiere zu den als Vergleichsmaßstab für Europa geltenden Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit auf 614 Basispunkte. Am Donnerstag war dieser Spread noch auf ein Rekordhoch von 685 Basispunkte geschossen. Die Entspannung zeigte sich auch in sinkenden Kursen der Bundesanleihen. Der Bund-Future fiel um 69 Ticks auf 129,49 Zähler. Die Rendite der dem Terminkontrakt zugrundeliegenden zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 2,498 Prozent.

Händler verwiesen auf die Erklärung der Finanzminister Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens während des G20-Gipfels in Seoul. Die Pläne für eine Insolvenzordnung soll demnach nur neue Anleihen von Mitgliedern der Euro-Zone betreffen, nicht aber bereits emittierte Papiere. „Diese Kommentare führender Politiker aus der EU haben den Euro unterstützt“, sagte ING-Devisenstratege Chris Turner. Die EU hatte Anleger bei ihrem Gipfel vor zwei Wochen mit Plänen in Aufregung versetzt, Anleihe-Investoren an möglichen Rettungsmaßnahmen für Euro-Staaten zu beteiligen. Die Folge waren Kursverluste des Euro und steigende Renditeaufschläge insbesondere für Papiere aus Irland und Portugal.

Rückenwind für die Gemeinschaftswährung kam laut Händlern von Spekulationen über ein 80 Mrd. Euro schweres Hilfspaket für Irland. „Ein US-Forschungsinstitut sagt, dass Irland in der nächsten Woche gerettet wird“, sagte ein Devisenhändler in London. Die Regierung in Dublin dementierte umgehend, dass Finanzhilfen unmittelbar nötig seien. Einem irischen Zeitungsbericht zufolge laufen die Vorbereitungen für ein Hilfspaket allerdings auf Hochtouren.

Die anhaltende Nervosität zeigte sich Händlern zufolge an den starken Ausschlägen des Eurokurses. Zwischen Tageshoch und -tief lagen fast zwei US-Cent, was für das Währungspaar ungewöhnlich viel ist. Gölitz zufolge zogen Spekulationen über eine Zinserhöhung in China die Aktienmärkte und in der Folge auch den Euro.

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