Italiens Sparpläne
Devisenanleger schöpfen wieder Zuversicht

Euro-Anleger haben den Sparplan von Italiens Premier Mario Monti honoriert: Die italienische Renditen sind deutlich gesunken. Das geplante Treffen von Merkel und Sarkozy weckt Hoffnungen auf eine gemeinsame Linie.
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FrankfurtDevisenanleger sind frohen Mutes in die neue Woche gestartet: Sie würdigten das italienische Sparpaket als einen wichtigen Schritt in Richtung Haushaltskonsolidierung. Und sie setzten darauf, dass sich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy bei ihrem Treffen auf eine gemeinsame Linie für den Euro-Gipfel Ende der Woche einigen.

„Man hat den Eindruck, dass in Italien jetzt eine einheitliche Linie gefahren wird, und das ist sehr positiv“, sagte ein Händler. „Alle hoffen, dass vor Weihnachten noch der große Wurf gelingen könnte.“ Mit Blick auf den Euro-Gipfel Ende der Woche setzten Investoren darauf, dass von der Bundeskanzlerin und dem französischen Präsidenten eine „klare Ansage“ über das weitere Vorgehen zur Bewältigung der Schuldenkrise komme. „Aber das Gefüge bleibt labil, das Misstrauen ist weiterhin hoch“, schränkte der Händler ein.

Der Euro profitierte von den Hoffnungen der Anleger mit einem Anstieg bis auf 1,3460 Dollar, nachdem er Ende vergangener Woche noch knapp unter 1,34 Dollar notiert hatte. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen ging bis auf 6,27 (spätes Vorwochengeschäft: 6,75) Prozent zurück. Die Risikoaufschläge italienischer Anleihen zur vergleichbaren Bundesanleihe fielen auf den niedrigsten Stand seit fünf Wochen, und auch die Kosten für eine Ausfallversicherung (CDS) verringerten sich.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti hatte am Wochenende ein Sparpaket über insgesamt 30 Milliarden Euro vorgestellt. Das Paket beinhaltet eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, die Wiedereinführung der Immobiliensteuer und die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Zudem erhebt die Regierung eine Luxussteuer, und im Kampf gegen die Steuerhinterziehung sollen Bargeldzahlungen über 1000 Euro verboten werden.

Im Schlepptau der italienischen gingen auch die spanischen Renditen zurück. Zehnjährige Anleihen aus Madrid rentierten mit 5,258 (5,683) Prozent.

Mit Erleichterung wurde eine Versteigerung unverzinslicher Schatzanweisungen (Bubills) des Bundes mit sechsmonatiger Laufzeit aufgenommen. Nach der verpatzten Auktion einer zehnjährigen Anleihe vor knapp zwei Wochen war diesmal die Nachfrage extrem hoch: Die Versteigerung war 3,8-fach überzeichnet. Die Durchschnittsrendite lag mit 0,0005 Prozent nahe Null. „Dies zeigt, dass die Auktion zehnjähriger Anleihen in den vorvergangenen Woche keine Trendwende war“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Bundesanleihen werden weiterhin als 'sicherer Hafen' gesehen. Trotz der Entspannung an den Finanzmärkten bleibt die Nachfrage nach Qualität hoch.“

Bundesanleihen gerieten angesichts der insgesamt eher risikobereiten Stimmung dennoch unter Abgabedruck, da Anleger ihre Gewinne realisierten. Zehnjährige Papiere rentierten mit 2,135 (2,087) Prozent.

Zum Nachmittag hin richtete sich der Fokus der Anleger zunehmend auf das Treffen zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Paris. Dies sei vor allem deswegen spannend, weil sich in etlichen Euro-Ländern zuletzt Unmut über deren Führungsanspruch geregt habe, hieß es in einem Kommentar vom Bankhaus Metzler. Bei einigen sei der Eindruck entstanden, dass vor allem die Belange der kleineren Länder links liegen blieben. „Hier liegt politischer Sprengstoff, den es von den politischen Spitzen in Brüssel zu entschärfen gilt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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