Japanische Währung könnte von der Konjunkturerholung profitieren
Noch schwächelt der Yen, aber nicht mehr lange

Die japanische Währung hat in der vergangenen Woche gegenüber dem Dollar deutlich nachgegeben. Zum Wochenende notierte der Greenback in der Spitze bei 111,74 Yen und lag so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr. Selbst der überraschend positive Tankan-Konjunkturbericht der Bank of Japan stützte den Yen nur kurz.

TOKIO. Experten zeigen sich dennoch zuversichtlich und sehen schon ein Ende der Schwächephase. Zum Teil erwarten sie sogar eine Befestigung des Yens zum Dollar bis Jahresende. Das sollte deutsche Exporteure freuen. Denn einig sind sich die Strategen, dass der Euro, der seit dreieinhalb Jahre zur asiatischen Leitwährung kräftig zugelegt hatte, im Zuge eines stärkeren Dollars auch zum Yen an Wert verlieren dürfte. Satoru Ogasawara, Stratege bei Credit Suisse First Boston (CSFB) in Tokio, erwartet auf Sicht der nächsten sechs Monaten einen Euro-Kurs von 117 Yen; zwölf Prozent weniger als die aktuellen 134 Yen. Unter den drei wichtigsten Währungen US-Dollar, Euro und Yen gehe er davon aus, „dass der Euro die schwächste Währung sein wird“. Der Yen werde dagegen bis Jahresende zum Dollar wieder auf 102 Yen zulegen.

Die derzeitige Yen-Schwäche beruht auf dem Verhalten japanischer Investoren. Sie hatten sich an der globalen Kaufwelle von US-Anleihen in Erwartung steigender Zinsen beteiligt. In der vergangenen Woche verließen netto umgerechnet mehr als 18 Mrd. Euro das Land. Dies zeigen die jüngsten Daten des Finanzministeriums. Die Gelder flossen vor allem in ausländische Anleihen – der Dollar profitierte davon.

Die jüngste Kursentwicklung der japanischen Währung überraschte auch die Experten. Denn die Prognosen hatten Ende 2004 ganz anders ausgesehen. Strategen hatten darüber stritten, ob der Dollar die Marke von 100 Yen dauerhaft unterschreiten werde. Doch nun bestimmten statt struktureller Probleme die steigenden US-Zinsen die Diskussion und stärkten den Dollar, meint Ogasawara. Dieser Trend dürfte noch anhalten. Der CSFB-Experte rechnet aber in den nächsten Monaten mit einer Konjunkturerholung in Japan. Damit würden die Investitionen in den Aktienmarkt in Tokio ebenfalls zunehmen und so den Yen stärken.

Nobuaki Kubo von der Resona Bank erwartet ebenfalls keine weitere Schwächung des Yens. Mit Blick auf die Langfristzinsen in den USA, die bei weitem nicht so schnell stiegen wie die kurzfristigen, dürften die Dollar-Käufe und Yen-Verkäufe der Investoren bald ihr Ende finden, argumentiert er. Mit einer Stabilisierung auf aktuellem Niveau rechnet Toru Sasaki, Währungsstratege bei JP Morgan. Über 111 oder 112 Yen sollte die US-Währung nicht steigen. „Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten weisen nicht auf eine weitere Schwächung des Yens.“

Fester sieht Sasaki die japanische Währung zum Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung habe in den vergangenen drei Jahren zum Dollar etwa doppelt so stark zugelegt wie der Yen. „Da ist es nur natürlich, dass bei einer Stärkung des Dollars zum Euro sich auch der Yen zum Euro stärkt.“ Seine Prognose von 125 Yen zum Euro – sechs Prozent schwächer als zurzeit – bezeichnet Sasaki als „konservativ“. Ende 2001 hatte ein Euro gerade einmal um die 100 Yen gekostet, war aber dann binnen drei Jahren auf mehr als 140 Yen geklettert.

Zwei Unbekannte könnten den Yen jedoch höher treiben als die Prognosen dies bisher vorsehen: Zum einen würde eine Aufwertung des chinesischen Renminbis auch den Yen zumindest kurzfristig nach oben ziehen, meint Ogasawara. Eine noch wichtigere Einflussgröße ist die japanische Geldpolitik. Die Notenbank hat versprochen, die Zinsen erst dann anzuheben, wenn die Deflation in Japan überwunden ist. Doch Händler und Strategen verfolgen mit Argusaugen, ob und wann die Notenbank das Liquiditätsziel für Einlagen der Geschäftsbanken bei ihr senkt. Dies würde vom Markt als erstes Anziehen der geldpolitischen Zügel interpretiert. „Das wäre ein Auslöser für eine Yen-Aufwertung zum Dollar“, sagt Sasaki.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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