Japanische Währung unterbewertet
Anleger vertrauen wieder dem Yen

Experten zufolge werden sich die guten Wirtschaftsdaten Japans im Verhältnis zum Dollar niederschlagen.

DÜSSELDORF. Manchmal kommt es anders als man denkt. Noch Ende März prognostizierten die meisten Volkswirte und Devisenanalysten eine weitere Aufwertung des japanischen Yens gegenüber dem US-Dollar. Kurse von bis zu 95 Yen machten die Runde. Doch weit gefehlt. Gestern mussten für den Dollar noch fast 111 Yen bezahlt werden, Mitte Mai waren es sogar über 114 Yen. Doch die Experten sehen die jüngste Schwäche der japanischen Währung nur als Episode an.

Schließlich hat der Yen überraschenderweise selbst die guten wirtschaftlichen Daten Japans ignoriert. Nach Ansicht von WestLB-Volkswirt Markus Diehl hätten die Konjunkturdaten eigentlich für eine Aufwertung des Yens gesprochen. „Die Nachrichten aus Japan werden regelmäßig besser und bleiben stabil“, sagt Diehl.

Auf dem aktuellen Niveau sei der Yen gegenüber dem US-Dollar „deutlich unterbewertet“. Ursache dafür sei, dass der Greenback zurzeit insgesamt relativ stark sei. „Der Yen ist der Spielball des Dollars“, so Diehl. Bei der Betrachtung der Kursentwicklungen spielt die Relation Euro/Yen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Die WestLB erwartet, dass sich der Dollar gegen Ende des Jahres erneut abschwächt. Im Umkehrschluss werde der Yen dann „seinen Aufwärtstrend schon bald wieder fortsetzen“, beginnend mit 105 Yen/Dollar in drei Monaten.

Andreas Hahner, Devisenanalyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, macht für den drastischen Kurswechsel des Yens seit Anfang April vor allem „technische Gründe“ verantwortlich. Viele Marktteilnehmer hätten „große spekulative Positionen in Dollar/Yen“ aufgebaut. Es hätten starke Yen-Käufe stattgefunden, die durch die Eingriffe der japanischen Notenbank am Devisenmarkt gestoppt worden seien. Und noch immer „gibt es viele Schieflagen im Yen“, sagt Hahner. Ein Indiz dafür sei, dass die guten Fundamentaldaten des Landes sich nicht in den Kursen niederschlagen. Bis Ende des Jahres sieht er aber wieder Kurse von knapp 100 Yen.

Der Dresdner-Experte weist im Hinblick auf die Yen-Käufe auch auf die „enge Korrelation“ des japanischen Aktienindex Nikkei-225 mit dem Wechselkurs des Yens hin. Viele Fondsmanager seien nach langer Zeit wieder an den japanischen Aktienmarkt zurückgekehrt, was entsprechende Zuflüsse in den Yen zur Folge hatte. Diese Aussage unterstützt WestLB-Experte Diehl. Sehr viele Investoren hätten Japan stärker gewichtet. Dies habe den Yen gestützt.

Heute werden in Japan die Daten für die Industrieproduktion veröffentlicht. Die Analysten der DZ Bank erwarten, dass diese einen deutlichen Anstieg signalisieren werden. „Damit gewinnt Japan unter internationalen Investoren zunehmend Vertrauen“, heißt es in dem Wochenüberblick der Bank. Der Yen werde damit „als attraktive Anlagewährung gesucht“.

In dieses Bild passt, dass ausländische Anleger am japanischen Bondmarkt Anleihen im Umfang von über 1,1782 Bill. Yen (ca. 10,5 Mrd. $) gekauft haben. Dies gab gestern das japanische Finanzministerium bekannt. „Ausländische Investoren wollen im Yen exponiert sein“, kommentierte Kristjan Kasikov die Zahlen gegenüber Bloomberg. Der Devisenstratege von Calyon, einer Tochter der Credit Agricole, sagte weiter: „Die Kapitalzuflüsse nehmen zu und das ist positiv für den Yen“. Diehl sieht die Zuflüsse eher skeptisch. Möglich sei, dass einige größere Investoren auf eine neuerliche Aufwertung des Yens spekulierten. Japans Anleihen würden dann wegen der Wechselkursgewinne wieder interessant. Schließlich brächten die Bonds „eine stabile Rendite plus Wechselkursgewinn“.

Nicht ganz so optimistisch ist Stephen L. Jen, Chefdevisenstratege der US-Investmentbank Goldman Sachs in London. Er erwartet, dass der Rückgang des Dollars zum Yen nur ein „bescheidenes Ausmaß“ erreichen wird. Denn „viele der Unsicherheitsfaktoren für Asien haben sich nicht völlig aufgelöst“. Ausschlaggebend für einen Dollarrückgang ist laut Jen, dass der Ölpreis nach dem Opec-Treffen sinkt und China wirtschaftlich zu einer „sanften Landung“ ansetzt. China zählt für ihn zu den Hauptrisiken für die Region Asien.

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