Juweliere
Schmuck treibt den Goldpreis

Gold machte Schmuck immer schon teuer, jetzt macht Schmuck Gold immer teurer. Denn auch als Rohstoff ist das Edelmetall gefragt wie lange nicht mehr.

Schmuckstücke im Gegenwert eines neuen Mittelklassewagens sind im Schaufenster des Juweliers Rüschenbeck keine Seltenheit. Ein Collier aus Weiß- und Gelbgold mit rautenförmigen Zwischengliedern, auf denen 206 Brillanten funkeln, wird derzeit als Schnäppchen für knapp 15 000 Euro präsentiert. Vorher, behauptet das durchgestrichene Preisschild, kostete sie gut 23 000 Euro. Das Geschäft betreten die Kunden durch eine von Kameras überwachte Doppeltürschleuse. Einige lange Sekunden steht man wie gefangen, nachdem sich die Außentür geschlossen hat und bevor sich die Tür in den Verkaufsraum langsam öffnet.

Höflich wie Portiers eines Fünf-Sterne-Hotels präsentieren ein halbes Dutzend Verkäuferinnen und Verkäufer hier den Emaillering mit 18-karätigem Gold und Brillanten für 11 900 Euro oder schlichte Ringe aus Rüschenbecks eigener Produktion in Weiß-, Rot- oder Gelbgold mit zweikarätigen Brillanten, die so um die 20 000 Euro kosten. Links um die Ecke geht es zum Tresorraum. Er ist vollgepackt und so eng, dass zwei Verkäufer kaum aneinander vorbeikommen. Die 20 Zentimeter dicke Stahltür bleibt tagsüber offen, weil permanent Verkäufer mit Schmuckschatullen rein- und rausdrängeln.

Die Schmuckindustrie ist der bedeutendste Verarbeiter des Metalls. 70 Prozent des weltweiten Goldangebots schmilzt, hämmert, lötet und löscht, poliert und punziert sie in diesem Jahr. Juweliere kauften seit Jahresbeginn zwölf Prozent mehr Gold als 2004. Der aktuelle Preisanstieg, angetrieben von Spekulanten, fällt für die Branche in die nachfragestärkste Zeit des Jahres. Ins Schlussquartal fallen die großen religiösen Feste Weihnachten und Diwali, das indische Lichterfest. Indien ist der größte Goldmarkt der Welt mit 620 Tonnen Jahresverbrauch (2004) vor den USA mit 370 Tonnen. Ins erste Quartal des Jahres fällt das chinesische Neujahrsfest.

China ist der weltweit viertgrößte Goldproduzent mit 200 Tonnen Jahresproduktion, fragt aber rund 300 Tonnen nach. Ein Drittel der Schmucknachfrage stammt aus Asien. "Die Leute dort lieben traditionell das Gold, und durch die positive Wirtschaftsentwicklung haben sie immer mehr Geld", sagt Heinz Isler, Goldexperte bei NBF International in Genf, einem Ableger der National Bank of Canada.

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