Kaffee als Geldanlage
Das neue schwarze Gold

Die Aktienmärkte hängen am Tropf der Notenbanken, Zinsen sind kaum noch vorhanden und die Öl- und Goldpreise fallen. Wo also noch investieren? Ein Blick auf die Kaffeemärkte könnte sich lohnen.
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DüsseldorfÄthiopien im 16. Jahrhundert: Eine Ziegenherde weidet auf einem Feld und entdeckt einen Kaffeestrauch. Von den roten Früchten angezogen, wagen einige davon zu kosten. Der Effekt ist beeindruckend. Die Ziegen sind stundenlang putzmunter, während die restliche Herde der gewohnten Nachmittagslethargie verfällt. Auch der Hirte, so die Legende, kostet von den Früchten und kann anschließend bis tief in die Nacht wach bleiben, reden und arbeiten. Damit war klar: Kaffee hat eine belebende Wirkung.

Soweit die Legende, jetzt zur Realität: Eine belebende Wirkung hat der Kaffee derzeit auch in zahlreichen Depots: Wer Anfang des Jahres in Kaffee-Terminkontrakte investiert hat, findet nun auf seinem Konto eine doppelt so hohe Summe wieder. Zum Vergleich: Der Bloomberg Commodity Index, der Future-Preise für 22 Rohstoffe beinhaltet, gab im gleichen Zeitraum 6,3 Prozent nach.

Eine solche Performance ist in Zeiten volatiler Aktienmärkte und niedriger Zinsen selten. Dementsprechend groß ist das Interesse bei Kaffee. „Das niedrige Zinsniveau zwingt Anleger renditeträchtige Anlagemöglichkeiten zu suchen, deswegen erhöht sich derzeit die Liquidität auf dem Kaffeemarkt“, erklärt Leon Leschus, Rohstoffexperte bei HWWI Consult.

Besonders stark ist der Anstieg bei der Sorte Arabica. Während das Pfund des Edelkaffees im vergangenen Jahr nur etwas mehr als einen Dollar kostete, müssen derzeit auf den Terminmärkten schon 2,17 Dollar dafür bezahlt werden – und laut Experten dürfte der Preis in den kommenden zwei Jahren noch weiter steigen.

Bereits 2015 soll das Pfund bereits drei Dollar kosten, so Harish Sundaresh, Rohstoffexperte bei Loomis Sayles & Co. Verantwortlich für diese Entwicklung ist das trockene Wetter in Brasilien. Dort fallen die Ernteerträge seit 2012. Wurden vor zwei Jahren noch mehr als 50 Millionen Säcke Kaffee produziert – ein Sack entspricht 60 Kilogramm – werden es 2014 voraussichtlich nur noch 45,1 Millionen Säcke sein. Demgegenüber steht eine seit 2009 stetig steigende Nachfrage. 2015 sollen weltweit mehr als fünf Millionen Tonnen nachgefragt werden.

Ausschlaggebend für diesen Anstieg ist unter anderem China. Die wachsende Mittelschicht im Reich der Mitte kauft immer mehr höherwertige Nahrungsmittelprodukte nach – darunter eben auch Kaffee. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Kaffee eine schwache Korrelation zum Preis aufweist. Das heißt: Egal wie hoch der Preis ist, die Nachfrage reagiert kaum darauf, vor allem in Ländern, in denen der Kaffeekonsum seit Jahrzehnten eingeübt ist. Kaum jemand dürfte auf seine Tasse Kaffee am Morgen verzichten, nur weil der Preis dafür um 20 Cent gestiegen ist.

Doch die anhaltend hohe Nachfrage zu bedienen wird immer schwieriger. Ausbleibender Regen im Januar und im Februar, sowie unbeständiges Wetter im Juli und August sorgen in Brasilien für Ernterückgänge bis zu 15 Prozent. Die brasilianische Kaffee-Kooperative Coopamig rechnet sogar mit einem Rückgang von bis zu 30 Prozent im laufenden Jahr. Außerdem kämpft Kolumbien – neben Brasilien einer der wichtigsten Kaffeeexporteure – mit einem schädlingsbedingten Rückgang der Ernteerträge, so Leschus.

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