Kampf gegen Preissturz
Opec fährt Öl-Förderung drastisch zurück

Das Ölkartell Opec reagiert auf den Preisverfall am Ölmarkt. Auf einem Sondertreffen in Algerien entschieden sich die Vertreter der Öl-Exporteure für eine historische Förderkürzung. Die tägliche Produktion der Opec-Staaten sinkt um mehr als zwei Millionen Barrel. Auch das Nicht-Mitglied Russland signalisierte Unterstützung.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) lässt die Muskeln spielen. Das Produzentenkartell vereinbarte, seine Ölförderung um weitere 2,2 Mio. Barrel am Tag zu kürzen – so stark wie nie zuvor. Die Opec stemmt sich damit gegen einen weiteren Verfall der Rohölpreise. Erstmals wird sie dabei offiziell durch Russland unterstützt; das Land ist kein Kartellmitglied. Experten rechnen aber nicht damit, dass die Ölpreise nun erneut nach oben schießen werden. Das Kartell strebt einen Preis von 75 Dollar an, also rund 30 Dollar mehr als derzeit.

Die Rohölpreise waren in diesem Jahr aufgrund der knappen Versorgungslage und erheblicher Unsicherheitsfaktoren wie des Atomstreits zwischen den USA und dem Irak kräftig gestiegen. Anfang Juli waren sowohl das europäische Brentöl als auch amerikanisches Leichtöl mit über 140 Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie nie zuvor. Die Zuspitzung der internationalen Finanzkrise und die konjunkturelle Abschwächung ließen dann jedoch die Ölnachfrage fast über Nacht einbrechen – und damit auch die Preise. Zeitweise kostete Öl an den Spotmärkten (zur sofortigen Lieferung) sogar weniger als 40 Dollar. Die Kürzungen der Opec-Förderung seit Ende August haben den Preisrutsch zwar verlangsamt, aber bislang nicht komplett gestoppt.

Dies könnte sich nun ändern. In einer ersten Reaktion zogen die Ölpreise nach dem Opec-Beschluss zwar an: Mit rund 40,37 Dollar notierte der Januar-Kontrakt auf WTI am Mittwochabend um mehr als sieben Prozent niedriger als am Vorabend. Brent sank um rund zwei Prozent auf 45,72 Dollar. „Wir haben mit hoher Wahrscheinlichkeit den Boden bei 40 Dollar gesehen“, sagt Frank Schallenberger, Chef des Rohstoff-Researchs der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die neue Kürzung der Opec-Produktion werde sich aber erst mittelfristig im Preis niederschlagen. „Wir werden dadurch nicht den Wendepunkt an den Ölmärkten sehen“, ist auch Dora Borbély, Ölexpertin der Deka-Bank, überzeugt. Die Kürzung sei an den Märkten erwartet worden, sie stütze allenfalls den Preis. Eine grundsätzliche Wende erwartet sie erst mit einer konjunkturellen Erholung und einer wieder anziehenden Nachfrage.

Das Ölkartell hat seine Produktionsquoten seit dem Sommer nun um insgesamt 4,2 Mio. Barrel am Tag gekürzt. Hinzu kommen weitere Verknappungen von rund 0,5 Mio. Barrel durch Anbieter, die wie Russland nicht zur Opec gehören. Dies treffe auf eine Nachfrage, die im bisher negativsten Szenario aber nur um 0,5 Millionen Barrel am Tag niedriger geschätzt wird. „Das Angebot fällt also deutlich schneller als die Nachfrage“, sagt Schallenberger.

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