Kanadas Forstwirtschaft
Kanadas Holzfäller in Not

Kanadas Forstwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Der Niedergang des US-Wohnungsmarkts, der stark auf Importen aus Kanada ruht, setzt der Holz-Industrie im Nachbarland zu. In vielen Wäldern stehen nun die Sägen still. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein großes Unternehmen die Schließung von Sägewerken oder Papierfabriken ankündigt.

OTTAWA. „Forstunternehmen haben im Jahr 2007 den Betrieb in mehr als 100 Werken eingestellt und 12 000 Arbeitsnehmer entlassen", zieht Avrim Lazar, Präsident der Forest Products Association of Canada, des Bundesverbandes der Forstindustrie, eine traurige Bilanz. Seit 2002 gingen 32 000 Arbeitsplätze in der Branche verloren. "Die Lage ist düster. Der Sektor ist inmitten einer Krise", sagt Robert Hogue, Analyst bei BMO Nesbitt-Burns. Die Hauptursache ist die Krise im US-Wohnungsbau. Ohne den Inlandsmarkt sähe es noch schlimmer aus: Im Januar nahm die Zahl neuer Bauvorhaben überraschend zu. "Historisch niedrige Hypothekenzinsen, solide Beschäftigung, Einkommenszuwächse und ein hohes Maß an Verbrauchervertrauen", stützen laut Bob Dugan von der "Canadian Mortgage and Housing Corporation" Kanadas Wohnungsbau.

Die kanadische Forstindustrie bietet 300 000 Menschen direkte Arbeitsplätze, hinzu kommen nahezu 900 000 indirekte Jobs. In 300 Gemeinden sind Forstbetriebe ein wichtiger oder gar der wichtigste Arbeitgeber. Dutzende Gemeinden hängen vollkommen von einem großen Arbeitgeber ab. Beispiel Mackenzie: eine rund 5 000 Einwohner zählende Stadt in British Columbia. Ihre Geschichte begann in den 60er-Jahren mit zwei Sägewerken. "Wir sind die am stärksten von der Forstwirtschaft abhängige Gemeinde im Norden British Columbias", sagt Bürgermeisterin Stephanie Killam. Noch vor wenigen Monaten liefen die sieben Sägewerke, eine Zellstoff- und eine Papierfabrik auf Hochtouren. Dann kam der Schock: Etwa 900 Arbeitsplätze gingen durch Schließung von Produktionsstätten verloren. "Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 50 Prozent", berichtet Killam, die trotz der Hiobsnachrichten zuversichtlich in die Zukunft blickt: "Wir diversifizieren und werden sehr bald Arbeitsplätze im Bergbau haben. Gold und Kupfer sind ganz groß in unserer Provinz."

Viele abgelegene Gemeinden kämpfen mit den gleichen Problemen. Oft traf sie die Nachricht der vorübergehenden oder endgültigen Schließung von Sägewerken und Papierfabriken von Konzernen wie Abitibi-Bowater, Canfor oder Interfor völlig unvorbereitet. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich daran, dass Kanadas Parlament in nur zwei Tagen ein Gesetz für einen Fonds über eine Milliarde Dollar abnickte, der vor allem den von der Forstkrise betroffenen Gemeinden in Ontario, Quebec und British Columbia helfen soll.

Kanadas Forstwirtschaft produziert jährlich Güter im Wert von 88 Mrd. kanadischen Dollar - Bauholz, Spanplatten, Zellstoff und Papier. Die Exporte belaufen sich auf etwa 40 Mrd. Dollar; davon gehen drei Viertel in die USA. Die starke Abhängigkeit vom US-Markt macht sich nun bemerkbar; 2004 exportierte Kanada für rund zehn Mrd. Dollar "lumber", wozu vor allem Holzbalken und Bretter zählen. 2006 waren es nur noch acht Mrd. Dollar. Von Januar bis November ging der weltweite Export aller kanadischen Forstprodukte um elf Prozent gegenüber der Vorjahreszeit zurück: von 35,5 auf 31,5 Mrd. Dollar. Die Subprime-Krise hat zu einem spürbaren Rückgang des US-Wohnungsbaus geführt, eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht.

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