Kapitalflucht
Russland kommt nicht an frisches Geld

Schon wieder muss Russland eine geplante Auktion von Anleihen absagen. Das Finanzministerium verweist auf „ungünstige Marktbedingungen“. Innerhalb kurzer Zeit haben Investoren fast 70 Milliarden Dollar abgezogen.
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Moskau, London, FrankfurtDie Krim-Krise schlägt sich auf die Finanzen der russischen Regierung nieder. Das Finanzministerium strich die für Mittwoch geplante Ausgabe von Staatsanleihen. Der Schritt hänge mit „ungünstigen Marktbedingungen“ zusammen, erklärte das Ministerium. Es ist bereits die vierte Woche in Folge, dass die regulären Anleihe-Auktionen abgesagt wurden.

Am stärksten verunsichere Investoren derzeit die Möglichkeit von verschärften wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, sagte Experte Chris Weafer von der Moskauer Beratungsfirma Macro Advisory der „Financial Times“.

Bislang haben USA und EU zwar noch keine Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen. Doch allein die Androhung sorgt für Verunsicherung an den Kapitalmärkten: In den ersten drei Monaten des Jahres hätten Investoren unter dem Strich zwischen 65 und 70 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen, erklärte der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Andrej Klepach am Montag. Das war mehr als im gesamten Jahr 2013.

Die Kapitalflucht belastet auch den Rubel. Die russische Währung verlor seit Jahresbeginn rund zehn Prozent gegen den Dollar. Seit Beginn des Konflikts um die Krim sind außerdem die Zinsen für Unternehmensanleihen gestiegen und die Aktienkurse eingebrochen. Der auf Rubel lautende Moskauer Aktienindex Micex gab seit der Verschärfung der Krise um die Halbinsel Krim rund 12 Prozent nach. Nach Schätzungen befinden sich 70 Prozent der russischen Aktien im Besitz von Ausländern.

International tätige Großkonzerne wie Gazprom oder Sberbank sind besonders betroffen. Der Aktienkurs des Gasproduzenten Novatek brach allein am Freitag in der Spitze um 13 Prozent ein – zu den Besitzern gehört Gennadi Timtschenko, der Putin nahestehen soll und von den US-Strafmaßnahmen betroffen ist.

Mögliche Sanktionen sowie die Abwertung des Rubels dürften auf die Ergebnisse russischer Firmen durchschlagen. Die Experten von Morgan Stanley halten Ergebnisrückgänge wie zu Zeiten der Finanzkrise 2008/2009 für möglich, als der Gewinn je Aktie der Unternehmen im Schnitt um 62 Prozent einbrach.

„Schon vor der Krim-Krise wurde ich gefragt, warum ich so pessimistisch sei“, sagt Maarten-Jan Bakkum, Anlagestratege für die Schwellenländer-Fonds der ING. Schließlich seien die Aktien doch vergleichsweise niedrig bewertet. „Meine Antwort war: In Russland können sich die Dinge jederzeit verschlechtern.“ Und damals waren etwaige Wirtschaftssanktionen noch in keiner Weise absehbar.

Ende vergangener Woche hatte US-Präsident Barack Obama den Weg für Sanktionen gegen Kernbereiche der russischen Wirtschaft freigemacht. Die Strafmaßnahmen beschränken sich bislang auf Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen einzelne Personen. Auch die EU-Staats- und Regierungschefs weiteten Einreise- und Kontosperren aus.

Die US-Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch stuften Russland schlechter ein. Standard & Poor's teilte am vergangenen Donnerstag mit, die wirtschaftlichen Aussichten Russlands würden von stabil auf negativ herabgesetzt. Die Bonitätswächter verwiesen auf die „geopolitischen Risiken“, die Investitionen aufhalten und eine Kapitalflucht zur Folge haben könnten. Einen Tag später zig Fitch nach. Das Herabsetzen der Perspektiven auf negativ berücksichtige die Auswirkungen möglicher Sanktionen gegen Russland, erklärte Fitch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich würde an ihrer stelle investieren, den Rubel gibt es z.Z. so günstig wie noch nie.

  • was will der Antragsteller uns damit sagen??

  • @obi0815. Damals ist lange vorbei. Der Kapitalmarkt preist das politische Risiko ein, und wenn es nicht richtig entlohnt wird, kauft keiner - so einfach ist das. Den Erfolg früherer Emissionen anzuführen ist in etwa so, als wenn eine alte Frau sagte, sie sei früher sexy gewesen...
    Immerhin geben Sie zu, dass Russland ohne die 70%ige Beteiligung des Auslandskapitals nicht in der Lage wäre, den Kapitalbedarf seiner Unternehmen zu finanzieren.

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