Kartell will weiteren Fall der Rohölnotierungen verhindern – Preise ziehen leicht an
Opec baut Überproduktion ab

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat am Freitag beschlossen, ihre Produktion auf die offiziellen Förderquoten zurückzuführen. Das Ölkartell will ab Januar auf zusätzliche Produktion verzichten.

rp/HB DÜSSELDORF. Der saudische Ölminister Ali Al-Naimi sagte in Kairo, die Entscheidung werde zu einer Stabilisierung der Ölpreise beitragen. Zudem verhindere sie den überzogenen Aufbau von Lagerbeständen. Eine weitere Überprüfung der Förderquoten soll am 30. Januar 2005 in Wien stattfinden. Die Opec fürchtet, dass sich angesichts eines Überangebots am Markt Lagerbestände aufbauen könnten, die dann zu einem Preisverfall führen könnten. „Das ist der Grund, warum wir die Entscheidung getroffen haben – um einen außerordentlichen Aufbau von Lagerbeständen zu verhindern“, sagte Al-Naimi.

Die offizielle Quote der Opec beträgt 27 Millionen Barrel Rohöl am Tag – ein Barrel entspricht 159 Liter. Auf Grund der knappen Versorgungslage am Weltölmarkt und wegen der überschießenden Preise hatte die Opec zeitweise rund 30 Millionen Barrel am Tag gefördert. Insgesamt entfällt auf die Kartellmitglieder gut ein Drittel der Weltölproduktion.

An den Energiemärkten zogen die Preise nach der Entscheidung an. Das europäische Brentöl verteuerte sich zeitweise auf über 39 Dollar je Barrel. Mitte der Woche war der Preis noch kurz unter 37 Dollar gefallen. In den USA stieg die Richtmarke West-Texas-Intermediate (WTI) wieder auf über 43 Dollar an.

Sandra Ebner, Ölexpertin der Deka Bank, erwartet nicht, dass die Produktion der Opec wirklich gekürzt wird. Das Ölkartell stelle aber auf die „Signalwirkung“ ihrer Entscheidung ab. „Die Opec ist bereit Schritte einzuleiten, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern“, sagt Ebner. Dies sei die Botschaft an die Märkte gewesen. Die Ölexpertin geht davon aus, dass die Opec alles daran setzen wird, die Preise auf einem hohen Niveau zu halten. So seien etwa Preise von über 40 Dollar bei der US-Richtmarke WTI durchaus erwünscht. „Der Preisrückgang der vergangenen Tage war ihnen eindeutig zu scharf“, glaubt Ebner. Denn im Handel mit Europa und Asien würden die Förderländer auch durch den schwächeren Kurs des Dollars getroffen.

Gelassen sieht Adam Sieminski, Ölstratege der Deutschen Bank, den Beschluss der Ölminister. „Sie haben mit der Entscheidung nichts Gefährliches aus Sicht des Marktes getan“, sagte er „Die Opec würde sich selbst ins Knie schießen, wenn sie zu viel produziert. Denn die Preise würden unter 30 Dollar je Barrel fallen“, so der Experte.

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die Ängste der Produzentenländer vor einem Preisverfall bei Öl überzogen. So würden etwa die geopolitischen Unsicherheiten – dazu zählt etwa die weiter angespannte Lage im Irak – oder die steigende Nachfrage nicht über Nacht verschwinden, hieß es in dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht der IEA. Die Agentur berät Industrienationen in Fragen der Energiepolitik. Die IEA hat ihre Prognose für die Weltölnachfrage im Jahr 2005 leicht um 80 000 Barrel gesenkt. Sie erwartet nun ein Nachfragewachstum von 1,4 Mill. Barrel am Tag. Grund dafür sei eine geringere Nachfrage in Russland und den ehemaligen Staaten der Sowjetunion sowie ein geringerer Bedarf im Nahen Osten.

Stuart Edwards, Chefökonom der Amvescap-Gruppe, erwartet, dass der Ölpreis dauerhaft „höher liegen wird, als er es in der Vergangenheit war“. Edwards zufolge ist die langfristige Nachfrage schwer vorhersehbar. Es scheine aber, dass diese von einigen Seiten her unterschätzt worden sei. Gleichzeitig erinnert er aber daran, dass „der Welt das Öl nicht ausgeht“.

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