Kaufrausch
China mischt den Kupfermarkt auf

China kauft derzeit massiv Kupfer und treibt damit den Preis für das Industriemetall in die Höhe. Um seinen immensen Rohstoffbedarf zu decken haben die Chinesen ihre Reserven auf 300 000 Tonnen aufgestockt. Mit ihren Zukäufen verfolgen die Asiaten eine Doppelstrategie, vermuten Rohstoff-Experten.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Nicht knapp, aber begehrt: das Industriemetall Kupfer. Völlig überraschend ist der Preis seit Ende Dezember kontinuierlich gestiegen. Nun zeichnet sich ein erster Preisrückgang ab. Eine Tonne Kupfer kostete zuletzt am Londoner Spotmarkt rund 4 200 Dollar; zeitweise hatte sich das Metall bis auf rund 4 900 Dollar verteuert. Vor dem Jahreswechsel hatte Kupfer noch weniger als 3 000 Dollar gekostet.

Der Preisanstieg überraschte, da Kupfer als eine Art Konjunkturbarometer gilt. Nach Angaben des Deutschen Kupferinstituts werden etwa 40 Prozent des Materials im Bausektor, sowohl in der Elektro- als auch in der Sanitärinstallation, gebraucht. Ein weiterer bedeutender Einsatzbereich ist die Elektrotechnik.

Experten sind sich einig: Der Hauptgrund für den steilen Preisanstieg liegt in China. "China nutzt seine Devisenreserven und kauft Kupfer massiv auf", sagte Klaus Probst, Chef der Leoni AG, dem Handelsblatt. "Die Volatilität des Kupferpreises hat deutlich zugenommen. Wir sind dieser Entwicklung ein Stück weit ausgeliefert." Leoni ist ein System- und Entwicklungslieferant für Draht, Kabel und Bordnetz-Systeme und weltweit aktiv. Das Unternehmen benötigte 2008 etwa 100 000 Tonnen Kupfer. In Vormaterialien, Halbfabrikaten und Fertigwaren lag der Kupferinhalt bei 20 000 Tonnen.

Nach Angaben der DZ Bank hat China in diesem Jahr bereits 300 000 Tonnen Kupfer in seine strategischen Reserven eingelagert. Dies entspreche ungefähr 22 Prozent der Gesamtimporte des vergangenen Jahres. Die DZ-Experten vermuten hinter den Käufen eine zweigleisige Strategie. Zum einen baue das Land "eine Art Nachfragepuffer" auf. Zum anderen investierten die Chinesen vor allem in Kupfer und Gold, "um eine Reduzierung des Dollar-Exposures ihrer Währungsreserven zu erzielen".

Die Märkte blicken mit Spannung auf China. Das Land hatte mit seinem immensen Rohstoffbedarf die mehrjährige Rohstoffhausse, die durch die konjunkturelle Abkühlung Mitte 2008 abrupt beendet worden war, ausgelöst.

An der Londoner Metallbörse haben Chinas Käufe bereits zu einem Abbau der Lagerbestände geführt. Gleichwohl gilt die Versorgungslage mit Kupfer als nicht besonders angespannt. "Kupfer wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht knapp, die Vorkommen sind noch ausreichend, und es handelt sich um einen recycelbaren Rohstoff", sagt Probst.

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