Keine Entspannung der Märkte in Sicht
Öl- und Benzinpreise: Prognosen geraten ins Wanken

Rechtzeitig zum Ferienbeginn klettern die Öl- und Benzinpreise auf historische Höchststände. Eine Entspannung an den Märkten ist nicht in Sicht.

rp/tor DÜSSELDORF. Wenn der Ölpreis die psychologisch wichtige Marke von 60 Dollar überschreitet, müssen Volkswirte ihre Konkunkturprognosen revidieren.

Teurer Rohstoff: An den Rohölmärkten ist es nach einhelliger Marktmeinung nur eine Frage der Zeit, wann die Preise die wichtige Marke von 60 Dollar nachhaltig überspringen werden. Gestern hat sich die Lage leicht entspannt. Das europäische Brentöl notierte bei 55,90 Dollar je Barrel (159 Liter). Die US-Richtmarke WTI notierte knapp über 58 Dollar. Am Terminmarkt wurden 60 Dollar schon überschritten.

Auslösende Faktoren: Der jüngste Preisschub geht vor allem auf Versorgungsängste zurück. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will zwar ihre Produktion weiter erhöhen. Das Ölkartell stößt aber ebenso an seine Kapazitätsgrenzen wie die Raffinerien. „Zusätzliche Kapazität braucht Zeit“, sagte daher Robert W. Esser, Direktor für weltweite Öl- und Gasvorkommen bei der Cambridge Energy Research Associates. Damit seien die Bedingungen auch im kommenden Jahr für Preise von 50 Dollar und mehr gegeben. Zusätzlich haben ein drohender Streik norwegischer Ölarbeiter und die unsichere politische Lage im Förderland Nigeria die Preise nach oben getrieben. 

Weitere Entwicklung: Die Ökonomen sind sich uneinig: David Wyss, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) rechnet nicht mit einem baldigen Ende des Preisdrucks. Die Nachfrage nehme noch zu und es dauere bis zu fünf Jahre, bis die Ölindustrie ihre Kapazitäten ausgebaut habe, sagt er. Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank in New York, glaubt dagegen nicht, dass sich der Ölpreis auf dem hohen Niveau halten kann. Hooper verweist auf hohe Lagerbestände und rechnet mit einer Ausweitung des Angebots. Bill Dudley von der Investmentbank Goldman Sachs sieht gerade auf der Angebotsseite das größte Risiko. Eine Unterbrechung der Ölexporte auf Grund von politischen Unwägbarkeiten in Förderländern könne den Preis durchaus bis an die 100-Dollar-Grenze treiben.

Gefährdetes Wachstum: Steigende Ölpreise gelten bei den Ökonomen an der Wall Street kurzfristig als das größte Risiko für die Konjunktur. „Als Faustregel gilt, dass ein Preisanstieg von zehn Dollar das Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozentpunkte verringert“, sagt Stephen Roach, Chefökonom von Morgan Stanley. Er rechnet vor allem in den energieintensiven Volkswirtschaften in Asien mit spürbaren Wachstumseinbußen. In den westlichen Industrieländern erhöhen hohe Energiepreise die Kosten für die Unternehmen und dämpfen den Konsum der Verbraucher. Wacklige Prognosen: Die meisten Ökonomen gehen bei ihren Wachstumsprognosen für die USA bislang von einem Ölpreis zwischen 50 und 55 Dollar pro Barrel aus. Sollte sich der Preis bei 60 Dollar oder mehr festsetzen, wollen sie ihre Vorhersagen ändern. „Bei 60 Dollar werde ich nervös“, sagt S&P-Experte Wyss.

Erste Korrekturen: Die Volkswirte der Citigroup. haben bereits reagiert und ihre Prognose für die USA um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent im laufenden Jahr gesenkt. Goldman-Ökonom Dudley will noch abwarten, ob sich der Preis drei Monate lang auf der 60-Dollar-Marke hält.

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