Keine Trendwende in Sicht
Edelmetalle auf Rekordkurs

Ein ganzer Cocktail aus verschiedensten Marktfaktoren – fundamental und spekulativ – treibt derzeit die Preise für die Edelmetalle auf neue Höchststände. Gold notiert inzwischen über 680 Dollar je Feinunze und ist damit so teuer wie seit 25 Jahren nicht mehr.

LONDON. Der Silberpreis hat sich binnen Jahresfrist etwa verdoppelt und pendelt zurzeit um 14 Dollar. Platin notiert mit fast 1 190 Dollar auf Rekordniveau. Experten sehen die anhaltende Hausse bereits mit Sorge, schließen aber weitere Preisaufschläge nicht aus.

„Es gibt an diesen Märkten massive unrealisierte Kursgewinne, die nach Gewinnmitnahmen förmlich schreien“, warnt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft. Er erinnert daran, dass Gold vor gut sechs Monaten noch bei gerade 460 Dollar je Unze notiert. Doch an der New Yorker Comex halten die Haussespekulanten weiter an ihren Kontrakten fest. Diese entsprechen etwa dem Dreifachen des Volumens der Baissepositionen, die die Erwartung fallender Preise widerspiegeln. Bei einer Trendwende würde es zu „massiven Verkäufen“ an der Comex kommen, meint auch Sudakshina Unnikrishnan. von Barclays Capital in London. Doch eine Trendwende ist bisher nicht in Sicht. Gold legte zuletzt über 30 Dollar zu. Dahinter standen erneut die wachsenden Spannungen um die Urananreicherung Irans, die Schwäche des Dollars und der hohe Ölpreis, der Inflationssorgen schürt. Historisch besteht laut Michael Widmer von Macquarie Research eine negative Korrelation von etwa 80 Prozent zwischen Dollar und Goldpreis.

Positiv wirkte sich auch die Auflösung von weiteren Hedgekontrakten (Vorausverkäufen) durch die Goldproduzenten aus. Dieses „dehedging“ führt zu Käufen von physischem Gold am Markt und gilt überdies als Zeichen des Vertrauens der Produzenten in die weitere Goldpreisentwicklung. Einen soliden Unterbau erhält der Goldpreisanstieg zudem durch die rapide wachsenden Anlagen institutioneller Anleger in dem Edelmetall. Zusammen mit der Verschärfung der geopolitischen Spannungen könnten diese Faktoren den Preis laut Philip Klapwijk, von der Londoner Beraterfirma GFMS, binnen zwei Jahren über 850 Dollar treiben und damit auf den 1980 während der Krise um Mexiko erreichten Rekordstand. Von einer „Flucht ins Gold“ spricht sogar Mark Lubaszka, ein kalifornischer Goldbroker. Und die charttechnischen Experten der Deutschen Bank in London haben 711 Dollar als neue Zielmarke ermittelt.

Im Schlepptau seines Schwestermetalls Silber (siehe „Rohstoffmarkt“) eilt auch der Platinpreis seit Wochen von Rekord zu Rekord. Binnen Jahresfrist legte Platin um 40 Prozent zu. Das Metall profitiert von der zunehmenden Verwendung in Diesel-Katalysatoren in Europa und der kräftigen Zunahme der Automobilproduktion Chinas. Etwa 50 Prozent des weltweiten Platinangebots gehen laut dem jüngsten „Platinum Survey“ der Branchenexperten GFMS in die Bestückung von Katalysatoren und knapp 30 Prozent in die Fertigung von Schmuckartikeln.

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