KfW-Studie
Wirtschaft muss bei seltenen Rohstoffen vorsorgen

Bei vielen Zukunftstechnologien hat Deutschland eine Spitzenposition und braucht darum dringend besondere Rohstoffe. Eine Studie der KfW zeigt jetzt: Bei 13 wichtigen Rohstoffen ist die Versorgungslage kritisch.
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Frankfurt / BerlinZukunftstechnologien wie Elektromobilität oder der Umbau der Energieversorgung sind oft auf seltene Rohstoffe angewiesen - und die sind knapp. Diese Knappheit könnte besonders für die technologieorientierte deutsche Wirtschaft auf längere Sicht zum Problem werden, wie eine Studie der KfW-Bankengruppe zeigt. Die Untersuchung stuft die künftige Versorgungslage von 13 mineralischen Rohstoffen als kritisch oder sogar sehr kritisch ein. Verschärfend kommt hinzu: Gerade bei Metallrohstoffen ist Deutschland von Importen abhängig und damit von anderen Ländern.

Die KfW-Studie hat die Versorgungslage auf der Basis des Jahres 2008 für insgesamt 52 Rohstoffe untersucht und kommt für die weitere Entwicklung zu folgendem Ergebnis: Bei Germanium, Rhenium und Antimon ist die künftige Versorgung sehr kritisch zu sehen. „Deutschland hat für Germanium mit 15 bis 25 Prozent einen sehr hohen Anteil am Weltverbrauch“, heißt es in der Kurzfassung der Untersuchung, die der dpa vorliegt. Benötigt wird Germanium unter anderem für Glasfaserkabel oder auch Photovoltaik. Abhängig ist Deutschland dabei vor allem von Importen aus China.

Die Studie verweist auch auf die kritische Lage bei den sogenannten Seltenen Erden - bei gleichzeitig hohem Bedarf in Deutschland, denn: „Importe und Verbrauch von Seltenen Erden sind in Deutschland zwischen 2004 und 2008 um jeweils rund 50 Prozent gestiegen.“ Auch die Seltenen Erden sind für Zukunftstechnologien immens wichtig: Elektromobilität, Windenergie, Katalysatoren oder auch die miniaturisierte Informations- und Kommunikationstechnik sind darauf angewiesen. Auch hier spielt der Import aus China eine große Rolle. China dominiert den Weltmarkt: Bis zu 97 Prozent des weltweiten Angebots kommen aus der Volksrepublik.

Keiner der 13 „kritischen“ Rohstoffe - im einzelnen sind das neben Germanium, Rhenium und Antimon noch Indium, Wolfram, Seltene Erden, Gallium, Palladium, Silber, Zinn, Niob, Chrom und Bismut - kann laut Studie im Bergbau in Deutschland gewonnen werden. Und: Einige der genannten Rohstoffe eignen sich unter anderem wegen ihrer kleinteiligen Verwendung nur sehr schwer zum Recycling.

KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch betont angesichts der Untersuchungsergebnisse des Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung sowie adelphi: „Eine sichere und bezahlbare Rohstoffversorgung mit mineralischen Rohstoffen ist für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft von zentraler Bedeutung.“ Darum werde es immer wichtiger, dass die Unternehmen stärker als bisher Strategien für eine nachhaltige Rohstoffsicherung entwickelten - etwa über die Beteiligung an Bergbauprojekten, erläuterte Irsch. Um den Rohstoffbedarf zu senken, empfiehlt der KfW-Chefvolkswirt den Unternehmen, Ressourcen effizienter einzusetzen und Sekundärrohstoffe stärker zu nutzen. Zudem sei auch eine umfassende Neubewertung der geologischen Vorkommen potenziell kritischer Rohstoffe in Deutschland notwendig.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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