Kongress in Barcelona
Bernanke redet den Dollar stark

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat erstmals vor den negativen Folgen der anhaltenden Talfahrt des Dollar gewarnt. Sie habe zu einem Anstieg der Importpreise und der Lebenshaltungskosten in den USA geführt, sagte Bernanke am Dienstag. Die Finanzmärkte reagierten überrascht auf die Rede Bernankes.

HB BARCELONA/WASHINGTON. Die Talfahrt des Greenback in den vergangenen Monaten habe zu einem Anstieg der Importpreise und der Lebenshaltungskosten in den USA geführt, erklärte Bernanke am Dienstag. "Wir achten aufmerksam auf die Folgen der Wechselkursschwankungen des Dollar für die Inflation", sagte der Notenbankchef, der per Videokonferenz einer geldpolitischen Tagung in Barcelona zugeschaltet war. Der Euro verlor daraufhin rund anderthalb Cent und notierte am Nachmittag bei 1,5450 Dollar. Auch das britische Pfund verlor zum Dollar kräftig an Wert.

EZB-Präsident Jean Trichet-Claude ging unmittelbar nach Bernankes Rede in Barcelona zunächst nicht auf den Wechselkurs ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bisher stets darauf verwiesen, dass die USA nach ihrer Einschätzung an einem starken Dollar interessiert seien. Trichet und andere Top-Notenbanker sowie die Finanzminister der führenden Industrienationen hatten aber immer wieder betont, dass starke Wechselkursschwankungen schlecht für die Weltwirtschaft seien.

Die Finanzmärkte reagierten mit großer Überraschung auf die Rede Bernankes. "Die Fed spricht normalerweise gar nicht über den Dollar", sagte SEB-Chefanalyst Robert Bergquist. Die Politik des starken Dollar werde normalerweise vom US-Finanzministerium vertreten. "Es ist meines Wissens nach das erste Mal, dass Bernanke die steigenden Importpreise mit dem schwachen Dollar in Zusammenhang bringt", sagte Chefanlagestratege Tom Sowanick von Clearbrook Financial. Devisenanalyst Christoph Müller von der DZ Bank sprach von einem "ersten Warnschuss in Sachen verbaler Intervention".

Der steigende Rohölpreis trifft die USA härter als die Euro-Länder. Weil Öl wie die meisten anderen Rohstoffe in Dollar abgerechnet wird, dämpft der starke Euro den Preisauftrieb. Die Amerikaner bekommen die Rechnung dagegen eins zu eins präsentiert. Der schwache Dollar gilt außerdem als mitverantwortlich für die rasant steigenden Ölpreise, weil Produzenten so den Wertverlust auffangen wollen. Ende Mai hatte sich bereits andere Fed-Vertreter besorgt über die anhaltende Dollar-Schwäche geäußert.

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