Konjunktur
Angst vor Hurrikan treibt Ölpreis hoch

Der Ölpreis ist am Mittwoch über die Marke von 75 Dollar je Barrel gestiegen. Grund: Angst vor einem Hurrikan in den USA.

HB LONDON/NEW YORK. Der Sturm könnte die Bohrinseln im Golf von Mexiko beschädigen und damit zu Produktionsausfällen führen. Zudem zeigten US-Regierungsdaten, dass die Rohöl-Lagerbestände in den Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche deutlicher gesunken sind als weithin angenommen. Ein Barrel der führenden Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 1,53 Dollar auf 77,42 Dollar. US-Leichtöl kostete mit 76,35 Dollar 1,44 Dollar mehr.

„Das ist eine rechtzeitige Erinnerung daran, wie sensibel der Markt für Nachrichten über Hurrikans vor dem Höhepunkt der Sturmsaison ist“, sagte ein Analyst. Der Tropensturm „Chris“ könnte laut Meteorologen noch am Mittwoch oder Donnerstag Hurrikan-Stärke erreichen. Am Montag würde er demnach im Golf von Mexiko eintreffen - dem wichtigsten Ölfördergebiet der USA. Die Bahamas veröffentlichten inzwischen eine Hurrikan-Vorwarnung für den Südosten des Landes, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA berichtete. Auch die Turks- und Caicosinseln wurden gewarnt.

Mit Spannung war auch der Bericht der US-Regierung über die Öl- und Benzinbestände erwartet worden. Den Angaben zufolge nahmen die Ölbestände um 1,8 Millionen Barrel ab auf 333,7 Millionen. Analysten hatten hingegen nur einen Rückgang um 700 000 Barrel erwartet. Die Behörde EIA begründete den überraschend starken Rückgang damit, dass die Importe abgenommen hätten. Dagegen blieben die Benzinbestände fast unverändert. Hier hatten Experten mit einer Abnahme um 1,6 Millionen Barrel.

Händlern zufolge lastete auf der Stimmung am Energiemarkt auch die Sorge vor einer weiteren Zuspitzung der Gewalt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz im Nahen Osten. Hisbollah-Kämpfer lieferten sich am Mittwoch mit bis zu 6000 israelischen Soldaten Gefechte an fünf Fronten im Süden des Libanon. Die Krise hatte den Ölpreis im Juli auf ein Rekordhoch von 78,40 Dollar getrieben. Auch an den Zapfsäulen steigen derzeit die Benzin-Preise wieder.

Ein Albtraum-Szenario für Ölhändler wäre zudem eine militärische Verwicklung des Öl-Exporteurs Iran in den Konflikt, was einem Flächenbrand in der ölreichen Region gleichkäme. Ein Drittel der weltweiten Ölförderung stammt aus dem Nahen Osten. Als viertgrößter Ölproduzent der Welt gilt der Iran dabei als einer der wenigen Verbündeten der radikal-moslemischen Hisbollah.

Neben dem Krieg im Nahen Osten trieben auch Berichte über Anschläge auf eine Ölpipeline im Norden des Iraks vom Montag den Ölpreis in die Höhe. Aufständische hatten die Leitung sabotiert, die Rohöl von den nördlichen Ölfeldern des Landes zum türkischen Hafen Ceyhan liefert. Seit der von den USA angeführten Invasion 2003 ist die Ölfördermenge des Iraks wegen Sabotageakten und Anschlägen drastisch gesunken. Das Land bemüht sich bislang vergeblich, seine Ölproduktion auf das frühere Niveau von etwa zwei Millionen Barrel pro Tag anzuheben.

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