Konjunktur
Opec erwägt Förderdrosselung

Der Ölpreis lag noch in der vergangenen Woche knapp unter dem Rekordhoch von 70,85 Dollar, doch die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) sieht keinen Grund zur Sorge.

Bei ihrem Treffen ab morgen in Wien wolle sie gar die Frage diskutieren, ob die Förderquoten gesenkt werden sollen, sagte der Opec-Präsident und nigerianische Ölminister Edmund Daukoru dem Handelsblatt am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Das könnte zu einem weiteren Anstieg des Ölpreises führen. Langfristig seien große Investitionen notwendig, um die Energieversorgung zu sichern, zeigte sich der Opec-Chef mit führenden Energieexperten in Davos einig.

Bereits am heutigen Montag zeigte die Diskussion Wirkung: Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI legte am Morgen um 49 Cent auf 68,25 Dollar zu. Wichtige Förderländer wie Saudi-Arabien und Kuwait sprachen sich unterdessen prompt gegen eine geringere Fördermenge aus. Geopolitische Spannungen im Iran und in Nigeria hatten den Ölpreis in der vergangenen Woche zeitweise wieder in Reichweite des im August erreichten Rekordhochs von 70,85 Dollar getrieben.

Für die kurzfristige Entwicklung des Ölpreises wollte Daukoru keinen Zielkorridor nennen. „Wir achten darauf, dass der Weltmarkt auf lange Sicht gut mit Öl versorgt ist. Und das ist er. Wir haben aufgehört, einen bestimmten Preis verteidigen zu wollen“, sagte er. Früher hatte die Opec immer betont, sie sei an stabilen Preisen zwischen 22 und 28 Dollar interessiert. Jetzt argumentiert Daukoru so: „Wir wissen, dass Preise über 60 Dollar etwas hoch sind. Aber wir werden bei unserem Treffen nicht nur auf den täglichen Preis achten, sondern auf die Voraussagen zum zweiten Quartal.“ Entscheidend sei, ob die Nachfrage dann „dramatisch zurückgeht oder nur moderat."

Der aktuelle Marktpreis werde nicht von fundamentalen Faktoren bestimmt, sagte Daukoru. Es gebe vielerlei politische Spannungen, Gerüchte über Bomben in Irak, Sanktionen gegen Iran und die Geiselnahmen in Nigeria: „Die Welt ist voller schlechter Nachrichten, die den Preis beeinflussen. Wir haben keine Kontrolle darüber. Der Markt hat das letzte Wort.“ Die Angriffe von Rebellen auf Ölplattformen in seinem Heimatland Nigeria nannte Daukoru Einzelaktionen: „Dahinter steckt keine politische Forderung, etwa nach Unabhängigkeit.Um die langfristige Versorgung mit Öl sicherzustellen, sind nach Daukorus Angaben hohe Investitionen nötig. Er sprach von 17 Bill. Dollar in den nächsten 20 Jahren. Seit 30 Jahren seien in den Industrieländern keine neuen Raffinerien gebaut worden. Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris, sieht die Investitionslücke vor allem in den größten Öl produzierenden Ländern im arabischen Raum und in Russland. Dort müssten pro Jahr 20 bis 23 Mrd. US-Dollar investiert werden, um die Öllieferung in den nächsten Jahrzehnten in vollem Umfang aufrechterhalten zu können, sagte Birol dem Handelsblatt. Tatsächlich würden aber nur 15 Mrd. Euro investiert. Auch Ölkonzerne wie Shell und Total investierten 20 Prozent weniger als nötig. Dennoch bestehe „kein Grund zur Panik“. Selbst bei einem plötzlichen Rückgang der Ölförderung um einige Prozentpunkte, etwas nach Terroranschlägen oder Wirbelstürmen, sei das Reservesystem in der Lage, alle Schocks zu bewältigen.

In Davos stand vor allem die langfristige Energiesicherheit im Vordergrund. Führende Vertreter der Opec-Länder, der Ölkonzerne, von Regierungen und Universitäten debattierten die Frage, wie die steigende Nachfrage von Schwellenländern wie China und Indien zu verkraften ist. Der Ölpreis hat sich vor diesem Hintergrund in den letzten drei Jahren verdreifacht. Die Grenzen der Ölvorräte, Gefahren durch Terrorattacken auf Förderanlagen und Öltransporte und die erst in den Anfängen steckende Suche nach alternativen Energiequellen treibt vielen Experten Sorgenfalten auf die Stirn, wenn sie daran denken, wo in 20 oder 40 Jahren die Energie herkommen soll.

IEA-Experte Birol mahnte die Industrieländer, intensiver als bisher über die Diversifizierung der Energiequellen nachzudenken, weil der Öl- und Gasverbrauch noch 20 bis 25 Jahre lang steigen werde. Erst danach werde er sinken. Daniel Yergin, Chef des renommierten Instituts Cambridge Energy Research Associates in USA, sagte, er sei sicher, dass in den nächsten zehn Jahren die Öl- und Gasproduktion um 20 bis 25 Prozent steigen werde. Dies zeige, dass noch großes Wachstumspotenzial vorhanden sei. Doch müsse die vorhandene Energie viel effizienter genutzt werden als bisher.

Auch der Vorstandschef des niederländischen Ölkonzerns Royal Dutch Shell, Jeroen van der Veer, warnte vor übertriebenen Sorgen. „Es gibt noch unglaublich viele Reserven, und es gibt noch unendlich viele Möglichkeiten zum Energiesparen“, sagte der Shell-Chef. Wenn zum Beispiel Peking 20 ölbetriebene Kraftwerke abschalte und durch andere Technologien ersetze, könnte man dafür sämtliche Fahrzeuge in China mit Benzin versorgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%