Konjunktur
Renommiertes Cera-Institut erwartet sinkende Ölpreise

Ungeachtet neuer Rekordpreise an den Ölmärkten rechnet das renommierte US-amerikanische Cera-Institut in den nächsten Monaten mit eher rückläufigen Ölpreisen.

dpa-afx WASHINGTON. Ungeachtet neuer Rekordpreise an den Ölmärkten rechnet das renommierte US-amerikanische Cera-Institut in den nächsten Monaten mit eher rückläufigen Ölpreisen. Eine tiefgehende aktuelle Analyse der Denkfabrik (Cambridge Energy Research Associates) kommt zu dem Ergebnis, dass die heftigen Ausschläge und steigenden Preise im wesentlichen auf die knappen Reservekapazitäten bei der Förderung von Rohöl zurückzuführen sind. Dadurch fehle ein Puffer im Markt, der plötzliche Preisbewegungen durch geopolitische Einflüsse oder Wetterereignisse abfedern könnte.

"Wir erwarten, dass die wachsende Förderkapazität innerhalb und außerhalb der Opec weiterhin die steigende Nachfrage übertrifft und damit der Druck auf die Ölpreise abnimmt", erklärte Cera-Chef Daniel Yergin, der zu den einflussreichsten Experten in den USA zählt. Für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent, das am Freitag zeitweise über 78 Dollar kostete, errechnete das Institut einen Durchschnittspreis von 71,25 Dollar im dritten Quartal dieses Jahres, 67,50 Dollar im vierten Quartal und 62,25 Dollar im kommenden Jahr.

Die Überkapazitäten innerhalb des Ölförderkartells Opec und besonders in Saudi-Arabien waren eine ungewollte Folge wirtschaftlicher Entwicklungen in den siebziger und achtziger Jahren. Von 1979 bis 1983 nahm die weltweite Nachfrage nach Öl deutlich ab, während gleichzeitig die Kapazitäten außerhalb der Opec kräftig ausgeweitet wurden. So hatte die Opec 1985 mehr als zehn Mill. Barrel am Tag (mbd) ungenutzte Förderkapazität. Es dauerte etliche Jahre, bis diese Überkapazitäten durch steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt wieder teilweise abgebaut waren.

Die Reservekapazitäten der Opec (ohne Irak und Nigeria) erreichten laut Cera 2004 mit 1,2 mbd ihren Tiefpunkt, weil in diesem Jahr die weltweite Nachfrage nach Öl kräftig anstieg. Im kommenden Jahr sollen es nach der Studie wieder 2,4 mbd sein. Dabei unterstellt das Institut ein Wachstum der weltweiten Öl-Nachfrage von 1,6 Prozent in diesem und knapp zwei Prozent im kommenden Jahr. "Falls die Reservekapazitäten nicht wie erwartet steigen, weil Erweiterungen auf eine stärkere Nachfrage treffen oder es zu Lieferunterbrechungen auf der Angebotsseite kommt, dann könnten die Ölpreise auch stärker steigen", sagte Yergin. Für diesen Fall erwartet Cera im nächsten Jahr Brent-Preise bis zu 84 Dollar je Barrel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%