Konjunkturhoffnung
Ölpreis steigt über 50 Dollar

Hoffnungen auf positive Effekte des Hilfsprogramm des US-Notenbank für die Konjunktur haben den Ölpreisen neuen Schwung verlien. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet bereits wieder mehr als 50 Dollar. Das ist zwar gerade einmal ein Drittel der Höchststände aus dem vergangenen Jahr. Experten erwarten aber, dass der Preis bei einer steigenden Nachfrage schnell bis auf 70 Dollar anzieht.

Schneller als gedacht hat der Rohölpreis die Marke von 50 Dollar zurückerobert. Gestern kostete amerikanisches Leichtöl im frühen US-Handel mehr als 51 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch das europäische Brentöl zog auf über 49 Dollar an. Gestützt wird der Preis vor allem durch die Hoffnungen auf eine Erholung der Konjunktur. Dazu beigetragen hat die Entscheidung der US-Notenbank Fed, rund eine Billion Dollar in die US-Wirtschaft zu pumpen. Experten erwarten, dass der Preis weiter anziehen wird. Damit würden sich auch die Investitionen wieder besser rechnen.

Auch Gabriele Widmann von der Dekabank führt den jüngsten Preisanstieg auf Konjunkturhoffnungen zurück: "Mit der Maßnahme der Fed wird sicherer, dass die Konjunktur in den USA anspringt und damit auch die Weltkonjunktur." Bei ersten Stimmungsindikatoren zeichne sich auf sehr niedrigem Niveau eine Wende ab. Die Märkte reagierten darauf mit steigenden Preisen. Nach dem Fall der 50-Dollar-Marke erwartet die Deka-Expertin, dass es nun "mit großen Schritten" in Richtung 70 Dollar geht.

Mitte vergangenen Jahres war Rohöl mit Preisen von fast 150 Dollar so teuer wie nie zuvor. Dann hatte die schwache Konjunktur die Nachfrage und damit die Preise einbrechen lassen. In der Folge füllten sich weltweit rasch die Lager. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) reagierte mit drastischen Produktionskürzungen: Insgesamt verknappte das Ölkartell, das für gut 40 Prozent des Weltölangebots steht, seine Förderung um rund 4,2 Mio. Barrel. Am Wochenende hatte die Opec erst einmal von weiteren Kürzungen abgesehen, um eine mögliche Erholung der Weltkonjunktur nicht im Keim zu ersticken.

Experten gehen allerdings davon aus, dass die Kürzungen der Opec den Rückgang der Nachfrage bereits übertreffen. "Im Rückblick werden die Ölproduzenten die Förderung zu stark gesenkt haben", meint etwa Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei Unicredit. Auch Peter Königbauer, Senior Portfolio Manager bei Pioneer Investments, sieht die Angebotsverknappung skeptisch. Er warnt sogar: "Bei einer sich wieder stabilisierenden Konjunktur und steigender Ölnachfrage wird die Diskussion über knappes Öl von vorne beginnen." Langfristig werde der Preis wieder steigen, weil die Investitionen in den gesamten Sektor zu weit zurückgefahren worden seien.

"Wir brauchen einen realistischen und nachhaltigen Ölpreis", forderte auch Generalsekretär Abdalla El-Badri auf einem Opec-Treffen in Wien. Was das konkret bedeutet, ließ er offen. Doch in der Branche gilt es als ausgemacht, dass sich die Opec ein Preisniveau von etwa 75 Dollar wünscht. "Wir brauchen dabei einen langfristigen Blickwinkel", ergänzte der Opec-Generalsekretär. Kurzfristig würden die Verbraucherländer von den niedrigen Preisen profitieren. Langfristig würden sie aber auch darunter leiden, "weil wir bald nicht mehr ausreichend Reserven haben." Bei einem niedrigem Preisniveau bleibe kein Geld mehr für Investitionen übrig. Der niedrige Ölpreis sei ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die Abnehmerländer - den Opec-Ländern gingen dadurch 800 Milliarden Dollar verloren.

Algeriens Ölminister Chakib Khelil pflichtete dem Opec-Generalsekretär bei. "Wenn die Kreditkrise anhält, haben wir beim Rohöl bald ein zu kleines Angebot", warnte er. Die Kosten für die Erschließung neuer Ölfelder hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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