Kräftige Preisaufschläge
Indonesien treibt Zinnpreis

Zinn macht mit kräftigen Preisaufschlägen auf sich aufmerksam. Wegen einer akuten Angebotsverknappung hat sich der Preis für das Schwermetall seit dem Herbst 2006 etwa verdoppelt. Schuld ist das vehemente Vorgehen gegen den illegalen Erzabbau.

LONDON. Allein im Februar zog er um rund 2 000 Dollar an und lag mit über 14 000 Dollar je Tonne Ende vergangener Woche in London auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Nach Einschätzung von Tobias Merath von der Credit Suisse in Zürich könnte es noch weiter aufwärts gehen. „Auch im weiteren Jahresverlauf wird die Versorgungslage extrem angespannt bleiben“, meint er.

Hauptgrund für den beispiellosen Höhenflug des unter anderem für die Weißblechherstellung und in Chemikalien verwendeten Metalls sind schwerwiegende Produktionsstörungen in Indonesien. Das Land ist nach China zweitgrößter Zinnproduzent der Welt. Bereits im Herbst hatten Arbeitsunruhen zu Produktionsausfällen in der größten Mine Boliviens geführt. Das Land ist nach Peru der viertgrößte Förderer von Zinnerzen.

„Wenn Indonesien seine Probleme nicht schleunigst löst, droht dem Markt 2007 ein Produktionsdefizit von 30 000 Tonnen“, warnt Peter Kettle vom International Tin Research Institute. In Indonesien dauert indessen das Katz-und- Maus-Spiel zwischen den Minengesellschaften und der Regierung an. Letztere hat im vergangenen Jahr drastische Maßnahmen gegen den illegalen Abbau von Erzen ergriffen und lässt jetzt nur noch Exporte von raffiniertem Zinn zu, dessen Erze nachweisbar legal gefördert wurden.

Thobrani Alwi, Präsident der staatlichen PT Timah Tbk, des größten Zinnproduzenten des Landes, schloss zuletzt nicht aus, dass das indonesische Zinnaufkommen 2007 auf 80 000 Tonnen absacken könnte. Im Vorjahr hatte es noch 110 000 Tonnen erreicht. Für einen drastischen Rückgang spricht, dass die Exporte der Koba Tin, des zweitgrößten Produzenten, wegen des Verdachts auf die illegale Verhüttung von Erzen noch suspendiert sind. Im Oktober 2006 hatte die Regierung zudem Dutzende kleinerer Hütten auf der Insel Bangka geschlossen, weil diese durch den Einsatz illegal geförderter Erze auch Umweltschäden verursacht hatten.

Die weltweite Förderung von Zinnerzen dürfte 2006 wegen dieser Probleme und wegen der stagnierenden bis rückläufigen Förderung Perus, Boliviens und Brasiliens um nur noch knapp zwei Prozent auf 346 000 Tonnen gestiegen sein, schätzt die Londoner Economist Intelligence Unit (EIU). Mit plus vier Prozent hat die Produktion von raffiniertem Zinn etwas stärker zugelegt. Laut EIU soll China hier seine Erzeugung sogar um 13 Prozent auf fast 135 000 Tonnen gesteigert haben. Die Londoner Rohstoffberater CRU vermuten zuletzt gar, dass China damit zeitweise als Netto-Exporteur des Metalls am Weltmarkt aufgetreten sei. Doch die Haussisten an der Londoner Metallbörse schreckt dies wenig. Denn der vierprozentigen Ausweitung der Welt-Produktion stand 2006 eine um mehr als acht Prozent gestiegene Nachfrage nach raffiniertem Zinn gegenüber.

Zu der lebhaften Nachfrage nach dem bereits 3 000 Jahre v. Chr. entdeckten Metall (für die Legierung mit Kupfer zu Bronze) tragen laut Marktkennern eine Reihe von Faktoren bei: allen voran neue Umweltschutzbestimmungen, die Zinn gegenüber Blei als Lote in elektronischen Produkten und anderswo begünstigen. Fast ein Drittel des gesamten Verbrauchs entfallen auf diesen Anwendungsbereich. Dieser schließt auch Zinn in Form einer transparenten Zinnoxid-Idiumoxid-Verbindung als elektrischer Leiter in Anzeigegeräten wie LC-Displays ein. Weitere 30 Prozent werden für das Verzinnen von Blechen zu Weißblech (Konservendosen) und in reiner Form für Orgelpfeifen benötigt.

Kona Haque von der EIU warnt indes vor allzu großer Euphorie. Sie zählt ein halbes Dutzend an neuen Projekten in praktisch sämtlichen Bergbauregionen der Welt auf, die in den nächsten zwei Jahren etwa zehn Prozent zu der weltweiten Förderung von Kassiteriten (Zinnerzen) beitragen könnten. Doch selbst wenn dadurch die Preise gegen Jahresende unter Druck geraten sollten, werde eine Korrektur nur von kurzer Dauer sein. Mitte 2008 gehen nämlich die Bestände der US-Verteidigungsbehörden zur Neige; im letzten Jahrzehnt gelangten daraus jährlich etwa 10 000 Tonnen Zinn auf den Markt. Haque: „Eine solche Menge entspricht immerhin dem Produktionsvolumen einer größeren Mine.“

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