Kräftiger Anstieg
Ölpreis macht Börse nervös

Die Akteure an den Aktien- und Anleihemärkten sind in Alarmbereitschaft. In den vergangenen Tagen sind die Ölpreise auf den höchsten Stand seit knapp einem Jahr geklettert. Der jüngste kräftige Anstieg der Ölpreise bestätigt jene Rohstoffanalysten, die immer wieder auf die Risiken in den Produzentenländern hingewiesen haben.

FRANKFURT. Für Europas Richtqualität, die Sorte Brent, auch als Nordseeöl bezeichnet, wurden in der Spitze 73,10 Dollar je Barrel gezahlt. Die in den USA am stärksten beachtete Qualität West Texas Intermediate (WTI) kletterte bis auf 71,39 Dollar je Barrel. Nach einem historischen Hoch von über 80 Dollar Mitte vergangenen Jahres waren die Ölpreise vorübergehend bis auf 50 Dollar im Januar 2007 gefallen.

Negative Nachrichten wie die Terrorattacken in Großbritannien, die angespannte politische Situation in Venezuela und der latente Unruheherd im Iran sorgen kurzfristig immer wieder für Preissprünge. Zuletzt kamen innenpolitische Unruhen im Süden Nigerias hinzu. Nachrichtenagenturen berichten über einen Angriff von Rebellen auf eine Ölbohranlage von Royal Dutch Shell. Experten befürchten daher einen Ausfall der Förderung im größten Ölproduzentenland Afrikas.

Eine weitere Ursache für die steigenden Ölpreise sehen Analysten darin, dass in Westeuropa und den USA der Höhepunkt der Ferienreisezeit bevorsteht. In dieser Phase steigt die Nachfrage nach Treibstoff erfahrungsgemäß stark an. Die US-Autofahrervereinigung AAA geht auf ihrer Webseite davon aus, dass in der laufenden Woche 41,4 Millionen Amerikaner mit dem Auto das Straßennetz nutzen werden. Dies sei eine Rekordzahl und stelle gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 0,8 Prozent dar.

„Ungeachtet der hohen Preise sehe ich keine Anzeichen für eine nachlassende Benzinnachfrage“, sagte Andrew Harrington von Australiens ANZ Bank. David Greely von der Investmentbank Goldman Sachs glaubt, dass sich die zuletzt sehr stark angespannte Lage der Ölraffinerien in den USA – hier war es zu mehreren Schließungen und Ausfällen gekommen – zwar vorübergehend leicht entspannen wird, dass es auf Sicht jedoch zu weiteren Problemen im US-Raffinerie-System kommen dürfte.

Die Situation am Ölmarkt war zuletzt durch einen völlig ungewöhnlichen Preisunterschied der beiden populärsten Richtqualitäten WTI und Brent gekennzeichnet. Über die vergangenen Jahre hinweg lag der Preis für das qualitativ höherwertige WTI stets mehrere Dollar über Brent. Vor einigen Wochen kam es zu einer Umkehr, weil die politische Unruhen in Nigeria für Angebotsverknappungen in Europa sorgen und Nigeria-Öl unter Qualitätsaspekten dem Nordseeöl Brent recht nahe kommt.

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