Kreditinstitute erwarten im Beratungsgeschäft neue Erlösfelder
Banken wollen Risiken bei Rohstoffen absichern

Wegen des rekordhohen Ölpreises sucht die Wirtschaft nach Absicherungen. Bis dato fehlt in Deutschland ein effizientes Risiko-Instrumentarium. Dabei wäre es wichtig, denn: „Ein zehnprozentiger Preisanstieg lässt die Weltwirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfen“, sagt Peter Oppenheimer von Goldman Sachs.

FRANKFURT/M. Vor allem jene Industrieländer, die keine Ölvorkommen haben und vollständig auf teure Importe angewiesen sind, leiden unter der hohen Ölrechnung. „Als Gleitmittel sind Rohstoffe für die Produktion unentbehrlich“, sagt Armin Eckermann von der WestLB.

Die Last deutscher Unternehmen mit den hohen Ölpreisen wollen Banken verringern. Seit kurzem haben die ersten Institute begonnen, die unverkennbare Schwäche des deutschen Finanz- und Börsenwesens auszumerzen. Sie bieten der Wirtschaft Derivate zur Absicherung von Rohstoffrisiken an. Die Initiative zielt nicht nur auf die Kundenwünsche; sie ist auch von Eigeninteressen der Banken getragen. Diese sehen im Erbringen von Dienstleistungen rund um Rohstoffe ein neues Geschäftsfeld. Die in Deutschland vertretenen angelsächsischen Banken werfen dabei ihr Derivate-Fachwissen in die Waagschale, über dass sie bei Aktien, Zinsen und Devisen verfügen.

Marktführer im Risikomanagement bei Rohstoffen sind Deutsche Bank, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Als Nischenplayer in Teilbereichen haben sich Barclays, Société Générale und Crédit Lyonnais einen Namen gemacht. Dort, wo der Wirtschaft bisher Derivate für die Steuerung von Finanzrisiken angeboten wurden, wird der Service stärker auf Rohstoffe ausgeweitet. „Die Absicherung von Rohstoffrisiken ist sinnvoll“, sagt Hector Freitas von der Deutschen Bank in London. „Die aus dem Rohstoffgeschäft resultierenden Risiken können beträchtlich sein“, ergänzen Michael Lange und Lars Mähl von Energy & Commodity Services, einer Tochter der Bayerischen Landesbank (Baylaba). Das habe gerade die jüngste Entwicklung der Energiepreise gezeigt.

Absicherungsgeschäfte mit Derivaten wie Swaps, Forwards oder auch Optionen und Futures dienten prinzipiell dazu, finanzielle Stabilität innerhalb eines Unternehmens zu garantieren. Wer als Unternehmer heute sage, der Ölpreis werde auf das historische Durchschnittsniveau zurückkommen, gehe große Risiken ein, sagt Freitas. Bei der Baylaba-Tochter wird auf Seiten deutscher Unternehmen peu à peu Interesse an Beratungsdienstleistungen und strukturierten Produkten zur Risikoabsicherung festgestellt. Die jüngste Ölhausse sei für Unternehmen eine Art Weckruf gewesen, heißt es. Dies hat auch mit den Eigenkapitalanforderungen gemäß Basel II zu tun. „Die Banken geben lieber einem Unternehmen Kredite, das auch beim Rohstoffeinsatz auf Stabilität schaut, als einem Unternehmen, das diese Risiken nicht absichert“, sagt Freitas.

„Die Rohstoffmärkte erfordern gutes Fachwissen“, sagt Mähl und sieht dabei bei Banken und Unternehmen erheblichen Nachholbedarf. Die deutsche Wirtschaft hat sich lange nicht mit Rohstoffen beschäftigt, da diese ausreichend und zu auskömmlichen Preisen verfügbar waren. Mit dem Auftauchen Chinas als größter Nachfrager nach Commodities hat sich dies geändert. Die von Rohstoffen auf die Unternehmenserträge ausgehenden Risiken sehen auf den ersten Blick nicht bedrohlich aus. „Hinter den Rohstoffpreisen steckt oft eine wesentlich höhere Volatilität und damit ein höheres Risiko als bei Aktien, Zinsen und Devisen“, erklärt Freitas.

Dass deutsche Börsen bislang kein ausreichendes Instrumentarium für das Risikomanagement bei Rohstoffen zur Verfügung stellen, erweist sich bei Betrachtung der Lage an den Energiemärkten als große Schwäche. Die allein auf Strom fokussierte European Energy Exchange bietet eine nur beschränkte Angebotspalette. Die weltgrößte Terminbörse Eurex denkt seit geraumer Zeit über den Einstieg in den Rohstoff-Terminhandel nach. Diese Überlegungen genießen jedoch offensichtlich keine Priorität.

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