Krisenanlagen
„Gold ist nicht überbewertet“

Gold ist der beliebteste Schutzbunker bei Marktturbulenzen. Gestern schockte der Goldpreis zwar mit einem scharfen Knick, doch es gibt stichhaltige Argumente dafür, dass er noch lange weiter steigen wird.
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DüsseldorfWährend fast alle Märkte erdrutschartige Verluste erleben, ist der Goldpreis der einsame Gipfelstürmer. Aktien, Erdöl, Agrarrohstoffe - alles fällt seit Tagen kontinuierlich. Grund dafür ist vor allem die enorme Unsicherheit darüber, ob die USA und Europa mit ihrer Schuldenlast zurechtkommen. Wer dagegen Goldbarren besitzt, geht keinerlei Kreditrisiko ein - nervöse Anleger schichten daher mit Vorliebe in das Edelmetall um. Während dieser schwarzen Woche für die Aktienmärkte hat Gold über zehn Prozent an Wert gewonnen und steht aktuell bei 1665 US-Dollar - noch etwas entfernt vom gestrigen Höchststand von 1681 Dollar.

Auch wenn der Aufwärtstrieb des Goldes noch so stark ist, auf einen Faktor reagiert der Preis sehr sensibel: die Realzinsen, die Anleger in den vermeintlich sicheren Staatsanleihen erzielen können. Da Gold keine Zinsen bringt, lohnt sich die Anlage nur, wenn die Realzinsen sehr niedrig sind. Gestern brach selbst am Tag des Ausverkaufs an den Aktienmärkten der Goldpreis kurzfristig um fast 40 Dollar ein, nachdem er bis zum Mittag sein Allzeithoch erreicht hatte. "Die Inflationserwartung an den Bondmärkten ist gestern gesunken", sagt Tobias Merath, Leiter des Rohstoff-Research bei der Credit Suisse. Seiner Einschätzung nach dürfte das nur eine kurzlebige Gegenbewegung sein. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben" - und somit, dass sich die Anlege Gold noch lange rentiert.

Die Auswahl an relativ verlässlichen Gewinnbringern wird derzeit immer kleiner. Angst um die US-Konjunktur hat den Preis für Brent-Öl in der vergangenen Woche knapp neun Prozent nach unten gedrückt, die US-Sorte WTI verbilligte sich um elf Prozent. Eine schwache Wirtschaft würde einen geringeren Ölverbrauch bedeuten. Industriemetalle fielen ebenfalls.

Lediglich Silber kann neben Gold noch punkten - zumindest zeitweise. Nachdem es gestern einen Höchststand oberhalb der Marke von 42 Dollar erreichte, folgte ähnlich wie beim Goldpreis ein deutlicher Knick nach unten. Bis zum Mittag hat sich Silber heute um gut ein Prozent erholt, doch das reicht bei weitem nicht aus, um die Verluste von gestern wieder wettzumachen.

Selbst bei solchen rasanten Kursgewinnen des beliebten Edelmetalls Gold sehen Experten keine Überteuerung. JP Morgan Chase hat heute die Schätzung bekanntgegeben, dass der Goldpreis im nächsten Jahr sechs Prozent steigen dürfte. Auch Credit-Suisse-Experte Merath erwartet kein Ende des Aufwärtstrends: "Gold ist nicht überbewertet. Unser Ausblick hat sich in den letzten zwei Tagen eher noch verbessert." Nachdem aktuell die japanische und die Schweizer Notenbank in den turbulenten Devisenmarkt eingegriffen haben, ist es noch wahrscheinlicher, dass die Zinsen langfristig niedrig bleiben und Gold davon profitieren kann. Die Schweizer SNB hatte vor zwei Tagen den Leitzins gesenkt, um gegen die massive Aufwertung der Landeswertung anzukämpfen.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Krisenanlagen: „Gold ist nicht überbewertet“"

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  • da haben Sie wohl eine weitere Null vergessen!

  • Vermutlich verstehen Sie nicht, um was es geht.

  • "Gold ist nicht überbewertet"

    Wenn es jetzt das Handelsblatt schreibt... LOL
    Immer schön weiter pushen.
    Man sieht sich wieder bei 500EUR.

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