Bitcoin

Der Bitcoin hat als Marktführer eine Art Leitfunktion inne, an dem sich kleinere Währungen orientieren.

(Foto: AP)

Krypto-Betrug US-Justiz untersucht Manipulationen bei größter Kryptowährung Bitcoin

Die Kryptowelt wird von einem neuen Betrugsverdacht erschüttert. Dieses Mal ist der Marktführer Bitcoin im Fokus der Ermittlungen.
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New YorkEs ist ein neuer Rückschlag für die Kryptowelt: Das US-Justizministerium hat offenbar strafrechtliche Ermittlungen gegen Händler eingeleitet, die im Verdacht stehen, den Preis von Bitcoin und anderen virtuellen Währungen manipuliert zu haben. Das geht aus einem Bericht des Finanzdienstleisters Bloomberg hervor.

Die Händler sollen den Markt durch sogenanntes Spoofing beeinflusst haben. Dabei flutet ein Händler den Markt mit Kaufaufträgen und sagt sie kurzfristig ab, sobald sich die Preise in die gewünschte Richtung bewegen. Außerdem sollen sie eine „Wash Trade“-Strategie eingesetzt haben, wobei der Betrüger mit sich selbst handelt, um eine falsche Nachfrage am Markt zu kreieren, die andere dazu bringt, auch einzusteigen.

Bei der Untersuchung würden die Staatsanwälte mit der Derivateaufsicht CFTC zusammenarbeiten, die die Bitcoin-Futures an den Chicagoer Börsen CME und CBOE beaufsichtigt, hieß es.

Das Interesse der Aufseher erreicht in den USA damit eine neue Stufe. In den vergangenen Monaten standen vor allem die sogenannten Initial Coin Offerings (ICOs) im Vordergrund. Bei diesen sogenannten virtuellen Börsengängen wurden Anleger regelmäßig mit dem Versprechen auf satte Renditen angelockt und häufig betrogen. Die US-Börsenaufsicht SEC, die die bei ICOs vergebenen Coins als Wertpapiere einstuft, hat mehrere solcher Börsengänge verboten und Klagen gegen die Emittenten eingereicht.

Nun jedoch gerät die nach Marktwert größte Kryptowährung Bitcoin ins Visier der Ermittler. Laut Bloomberg schauen sich Justizministerium und CFTC auch die Vorgänge bei der zweitgrößten Währung Ether an.

Schon lange wird in der Kryptowelt über mögliche Manipulationen diskutiert. Die Währungen sind ohnehin sehr volatil und der Markt ist undurchsichtig. Selbst Insider können oft nicht erklären, warum Kurse zu bestimmten Zeitpunkten steigen oder fallen.

Der Bitcoin hat als Marktführer eine Art Leitfunktion inne. Steigt der Bitcoin-Preis steigen in der Regel auch viele andere, kleinere Währungen und umgekehrt. Zudem ist die 2008 erschaffene Kryptowährung ungleich im Markt verteilt. Schätzungen zufolge halten rund 1.000 Investoren 40 Prozent aller Bitcoin-Bestände. Wenn diese als „Wale“ bezeichneten Investoren einen Teil ihrer Bestände verkaufen, kann das schnell den gesamten Markt beeinflussen.

Branche durch Ermittlungen weiter unter Druck

Für den Manipulationsverdacht gibt es Insidern zufolge mehrere Gründe: Die US-Ermittler bezweifeln zum Beispiel, dass alle privaten Kryptobörsen im Internet Betrüger aktiv verfolgen. Hinzu kommt der generelle Mangel an Vorschriften für den Handel. Viele professionelle Krypto-Trader vernetzen sich über die Chat-App Telegram und besprechen gemeinsame Handelsstrategien. Die Grenzen zur Marktmanipulation sind dabei oft fließend.

Das US-Justizministerium untersucht auch Vorgänge bei der zweitgrößten Währung Ether. Quelle: picture alliance/ASSOCIATED PRESS
US-Justizministerium

Das US-Justizministerium untersucht auch Vorgänge bei der zweitgrößten Währung Ether.

(Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS)

Immer wieder sind im Internet Videos aufgetaucht, in denen Anleger dazu aufgefordert werden, bei sogenannten Pump-and-Dump-Aktionen mitzumachen. Dabei koordinieren sich die Investoren und treiben zunächst den Preis einer Kryptowährung gezielt in die Höhe. Das wiederum lockt in der Regel andere Anleger an, die von der Kursrally ebenfalls profitieren wollen. Wenn dann ein vorgegebener Preis erreicht ist, verkauft die Gruppe ihre Coins wieder und sackt die Profite ein. Die anderen bleiben auf den Verlusten sitzen.

Im Februar hatte bereits die Kryptowährung Tether im Fadenkreuz der Aufsicht gestanden. Tether-Bosse standen im Verdacht illegaler Praktiken, die womöglich einen Großteil des Bitcoin-Booms und -absturzes verursacht haben könnten.

Ein Blogger hat lange Zeit auf Twitter die Aktivitäten einer Investorengruppe namens Spoofy dokumentiert, die Order im Wert von einer Million Dollar auf verschiedenen Kryptowährungs-Börsen platziert und dann wieder zurückgenommen haben. Mittlerweile sind die Tweets nicht mehr öffentlich einsehbar.

Die Untersuchungen des Justizministeriums dürften die Kryptobranche weiter unter Druck bringen, glaubt der unabhängige Analyst Timo Emden. „Der Ton um ein straffes und zeitnahes Regulierungspaket für digitale Währungen dürfte sich bei einem bestätigten Verdacht deutlich verschärfen.“

Die junge Branche hat es in den vergangenen Monaten versäumt, sich selbst zu regulieren. Bei den Kryptobörsen immerhin gibt es erste Bestrebungen, dies nun nachzuholen. Die Handelsplattform Gemini, die von Cameron und Tyler Winklevoss gegründet wurde, drängt andere Börsen darauf, an gemeinsamen Standards zu arbeiten. Die Winklevoss-Zwillinge haben das soziale Netzwerk Facebook mitgegründet und zählen zu frühen Bitcoin-Investoren.

Der damalige Generalstaatsanwalt aus New York, Eric Schneiderman, hatte im April eine groß angelegte Untersuchung in Kryptobörsen gestartet. Er musste jedoch Anfang des Monats nach Misshandlungsvorwürfen zurücktreten. Nicht nur die US-Aufseher blicken kritischer auf Bitcoin und Co. China hat bereits 2017 Kryptowährungs-Börsen geschlossen. Auch Länder wie Japan und die Philippinen regulieren stärker.

Der gesamte Kryptomarkt reagierte deutlich auf die Berichte über die Untersuchung der US-Justiz. Der Bitcoin-Kurs gab zeitweise um fünf Prozent nach. Die Kryptowährung kostete noch 7.500 Dollar und lag damit deutlich unter dem Allzeithoch von 20.000 Dollar vom Dezember letzten Jahres. Ether lag bis zu sieben Prozent im Minus.

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