Krypto-Kolumne
Bitcoin

Bitcoin basiert auf der Idee der dezentralen Erzeugung und Überwachung.

(Foto: picture alliance / Hans Ringhofe)

Coin & Co. – Die Krypto-Kolumne Projekt „Bison“ – Die Stuttgarter Börse greift mit einer App die Krypto-Handelsplattformen an

Die Börse Stuttgart startet eine eigene App für den Handel mit Kryptowährungen. Diese soll den Handel beschleunigen – und Spekulationen per „Cryptoradar“ erleichtern.
Update: 23.04.2018 - 10:02 Uhr Kommentieren

Test 1

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FrankfurtWohin steuert der Bitcoin, und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es immer freitags von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer neuen Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 13: Die eigene Anleger-App der Stuttgarter Börse.

Es ist ein weltweit einmaliger Schritt: Erstmals steigt ein etablierter Börsenbetreiber in den Handel mit Kryptowährungen ein. Die Börse Stuttgart, die zweitgrößte deutsche Börse nach Frankfurt, will mit einer eigenen App für Anleger den Markt aufrollen. Ihr Name: „Bison“. Geplanter Start: September 2018.

Allein die Ankündigung ist bemerkenswert. Bisher dominieren unabhängige Start-ups den Handel mit Bitcoin und Co., darunter Bitfinex aus Hongkong und Kraken aus den USA. Selbst zur Hochzeit des Krypto-Hypes im Sommer 2017 stieg keiner der etablierten Börsenbetreiber aus den USA, Europa oder Asien in das Geschäft ein.

Hierzulande gibt es sogar ein waschechtes Monopol. Privatanleger, die einen Anbieter aus Deutschland suchen, haben bisher nur einen Anlaufpunkt: Bitcoin.de. Die Herforder gelten als verlässlicher Anbieter – mit zwei Problemen.

Da Bitcoin.de nach dem Marktplatz-Prinzip à la Ebay funktioniert, kaufen Anleger nicht direkt beim Anbieter, sondern bei anderen Privatleuten, was den Handel verlangsamt. Darüber hinaus kann auf Bitcoin.de nach wie vor nur mit Bitcoin, Ethereum und den Abspaltungen Bitcoin Cash und Gold gehandelt werden, weitere große Währungen wie Ripple und Litecoin bleiben außen vor.

Geht der Plan der Stuttgarter Börse auf, könnte es bald eine echte Alternative auf dem Markt geben, für deutsche Anleger, aber auch darüber hinaus. Während viele große US-amerikanische und asiatische Krypto-Handelsplattformen mit Skandalen kämpfen – etwa Abstürzen, Hacker-Einbrüchen, Mauschelei-Vorwürfen –, ist die Börse Stuttgart als offizieller Wertpapier-Handelsplatz über jeden Zweifel erhaben.

Die Schwaben haben sich früh als Privatanlegerbörse etabliert und bestehen erfolgreich gegen die Frankfurter Konkurrenz – im Unterschied zu anderen traditionellen Börsenplätzen, die nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.

Entwickelt hat „Bison“ die Ulmer Firma Sowa-Labs, die die Stuttgarter im Dezember 2017 aufgekauft haben. „Bison vereinfacht den Handel mit digitalen Währungen“, verspricht Sowa-Labs-Chef Ulli Spankowski. Die App reduziere die Komplexität bei Registrierung und Identitätsnachweis. Während die Anmeldung bei vielen Krypto-Börsen mehrere Tage dauert, soll die Freischaltung bei „Bison“ binnen Minuten erfolgen.

Auf der Anlegermesse „Invest“ gab Börse-Stuttgart-Chef Alexander Höptner am vergangenen Freitag mir gegenüber erste Details preis: So soll „Bison“ gleich eine Wallet mitbringen, ein elektronisches Portemonnaie für die gekauften Coins. Der Handel soll nicht auf dem Marktplatz-Prinzip basieren, stattdessen könnten Anleger bei „Bison“ direkt kaufen und verkaufen. Hierzu wollen die Macher eine Kooperation mit mehreren US-Krypto-Plattformen eingehen. Welche das genau sein werden, wollte Höptner noch nicht verraten.

Die Vorabversion der App, die die Entwickler auf der „Invest“ in Stuttgart präsentierten, machte auf mich einen aufgeräumten Eindruck. Es gibt drei Reiter: Im ersten wird gehandelt, zunächst mit den Währungen Bitcoin, Ethereum, Ripple und Litecoin, weitere sollen folgen. Echte Käufe und Verkäufe waren allerdings noch nicht möglich. Der zweite Reiter bietet eine Übersicht über die bisherige Kursentwicklung der Coins; leider beginnt die Datenbasis erst im Jahr 2017.

Ein spannender Ansatz verbirgt sich hinter dem dritten Reiter. Hier wartet „Bison“ mit einem „Cryptoradar“ auf, einer simplen Grafik, die Anlegern einen einfacheren Zugang zum Krypto-Markt liefern soll. Den würden sich viele laut einer Erhebung wünschen. Hinter dem „Cryptoradar“ steckt ein Algorithmus, der zählt, wie oft und in welchem Zusammenhang Bitcoin, Ethereum, Ripple und Litecoin in den sozialen Netzwerken erwähnt werden.

Die Idee der Macher: Da der Markt bisher noch jung ist und nicht effizient funktioniert, lassen sich aus der Häufigkeit der Nennungen womöglich Kurstrends ableiten.

Ob das „Cryptoradar“ zur Killerapplikation für Krypto-Anleger wird? Skepsis ist angebracht. Seine Entwicklung zeigt aber klar, dass sich die Börse Stuttgart mit der „Bison“-App sowohl an Einsteiger, als auch an passionierte Zocker wendet.

Wo die gekauften Coins aufbewahrt werden und wie Kunden genau bezahlen, ist noch offen. Auch die Zusammenarbeit mit den US-Onlineplattformen wird kein leichtes Unterfangen. Bis zum geplanten Start im September haben die Macher nicht mehr viel Zeit.

Ja, die Börse Stuttgart verfügt als traditioneller Handelsplatz über die besten Referenzen – und die nötigen regulatorischen Zulassungen – für eine App wie „Bison“. Ob diese aber auf Dauer problemfrei funktioniert, ob es gelingt, den deutschen und internationalen Markt aufzurollen, muss sich noch zeigen. Eine englische Sprachversion ist jedenfalls bereits geplant.

Schon jetzt gilt aus meiner Sicht: Der Schritt der Stuttgarter Börse, in den Handel mit Kryptowährungen einzusteigen, ist mutig und erfrischend. Mutig, da der Plan, sollte er schiefgehen, die bislang gute Reputation des Börsenbetreibers beeinträchtigen könnte. Erfrischend, weil sich damit ein etablierter deutscher Handelsplatz den First-Mover-Vorteil auf einem globalen Wachstumsmarkt sichert. Während andere seriöse Akteure im In- und Ausland hadern, handeln die Schwaben.

Das wird hoffentlich belohnt.

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