Krypto-Währung
Bitcoin nimmt Kurs auf 10.000-Dollar-Marke

Die wichtigste Kryptowährung hat ihren Kurssturz überwunden und übersteigt die 8.000-Dollar-Marke. Die magischen 10.000 Dollar geraten in Sicht. Beobachter hoffen, dass neue Instrumente ein Platzen der Blase verhindern.
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DüsseldorfWer nicht felsenfest vom Erfolg der Kryptowährungen überzeugt ist, dem dürfte angesichts der jüngsten Kursentwicklung schwindelig werden: War der Bitcoin-Kurs Anfang vergangener Woche noch um mehr als ein Viertel auf unter 5 700 Dollar abgesackt, hat er sich bereits wieder gefangen. Mehr noch, am Montag notierte der Bitcoin auf einem neuen Allzeithoch bei rund 8 200 Dollar. Der Kurs hat sich damit seit Jahresbeginn mehr als verachtfacht. Selbst die magische 10 000-Dollar-Marke gerät in Sicht.

Der Kurs-Höhenflug lässt sich zunächst mit technischen Gründen erklären. Der Bitcoin leidet unter dem eigenen Erfolg: Zu viele neue Nutzer tummeln sich im Netzwerk, was Überweisungen verlangsamt. Lösen sollte das ein Programmupdate mit dem kryptischen Namen „Segwit2x“. Als dieses am Widerstand der Nutzermehrheit scheiterte, brach der Kurs ein. Viele Produzenten schwenkten auf die Konkurrenzwährung Bitcoin Cash um, was dem Bitcoin Rechenleistung entzog. Zwischenzeitlich stauten sich über 170 000 unbestätigte Überweisungen im Netzwerk – eine veritable Krise.

Diese ist nun überwunden: Der Überweisungsstau ist abgearbeitet, viele Nutzer kehren zum Bitcoin zurück und treiben ihn auf neue Rekordhöhen. „Der Markt ist hochdynamisch, die Liquidität nach wie vor recht niedrig. Daher können kurzfristige Stimmungen den Kurs stark beeinflussen“, erklärt Professor Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance and Management die Schwankungen. Das eigentliche Momentum aber sei ungebrochen. „Der Bitcoin kann als Krypto-Basiswährung bezeichnet werden, da Handel in anderen Kryptowährungen gegen den Bitcoin stattfindet. Das ist ein unschlagbarer Vorteil trotz technischer Schwächen. Um ihn herum ist ein kleiner Finanzkosmos entstanden“, sagt Sandner.

Noch stärker treibt ein Langfrist-Trend den Kurs. „Immer mehr traditionelle Investoren werden auf das Thema aufmerksam, begreifen den Bitcoin und andere Kryptowährungen als eine neuartige Asset-Klasse“, so Sandner. Während Top-Banker wie JP-Morgan-Chef James Dimon Kritik äußern, zeigen sich andere vorsichtig aufgeschlossen. Zu ihnen gehört Lloyd Blankfein: Er möge den Bitcoin zwar nicht, erklärte der Goldman-Sachs-Chef jüngst, aber vielleicht stelle er die nächste Entwicklungsstufe des Geldes dar. Neben Goldman untersucht auch die Großbank Citigroup die Währung.

Schon weiter ist die weltgrößte Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME). Diese hatte Ende Oktober angekündigt, ein Bitcoin-Future anzubieten, einen Terminkontrakt auf die Kryptowährung. Mit dessen Hilfe könnten sich Anleger gegen Preisschwankungen absichern. Lange war zweifelhaft, ob die Aufsichtsbehörden grünes Licht geben. Am Montag veröffentlichte die CME jedoch ein Startdatum, 10. Dezember.

Beobachter sehen den CME-Plan kritisch, befürchten Schockwellen an den Märkten, sollte die Blase platzen. CME-Chef Terry Duffy widerspricht: „Wenn der Preis steil fällt, dann werden wir den Handel aussetzen.“ Man werde den Bitcoin zähmen und zu einem regulären Finanzinstrument machen, das nach den üblichen Regeln gehandelt werde, – so seine Vision.

Kommentare zu " Krypto-Währung: Bitcoin nimmt Kurs auf 10.000-Dollar-Marke"

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  • @ Heinz Keizer
    "Grenznutzen haben die Eigenschaft, dass sie irgendwann gegen Null gehen. Falls die Computer (oder ihre Betreiber) sich verabschieden, ist er bei Null."

    Eigentlich korrekt. Jetzt kommt das ABER:
    GELD hat sich als das Gut erwiesen, das die GERINGSTE Abnahme seines Grenznutzens zeigt - sein Grenznutzen bleibt nahezu konstant, und es tritt auch kaum SÄTTIGUNG bei hinzukommenden Einheiten ein. Von Geld kann man also (fast) nicht genug bekommen.
    Um das Gut zu werden, das einen fast nahezu konstanten Grenznutzen aufweist, musste Geld natürlich ganz spezielle Fähigkeiten aufweisen: es musste eine Tauscherleichterung und eine erhöhte Absatzfähigkeit gegenüber einem DIREKTEN TAUSCH (Ziege gegen Sack Kartoffel etwa) ermöglichen. Welche Eigenschaften eines Gutes waren dazu erforderlich? Insbesondere Teilbarkeit (eine Ziege kann man lebendig schlecht teilen), Homogenität, Transportierbarkeit (ein Sack Kartoffeln rumschleppen ist im wahrsten Sinne des Wortes schwerer als ein Münze), Knappheit und keine beliebige Vermehrbarkeit - und vor allem auch Haltbarkeit / Hortbarkeit (Kartoffeln halten sich zwar, aber nur für eine gewisse Zeit). Das Gut, das diese Eigenschaften am besten auf sich vereinigen konnte, wurde dann immer mehr als Geld nachgefragt - und weniger als Ware selbst (z.B. eben Gold als Schmuck). Wichtig ist zudem: die Entstehung von Geld war ein Prozess des FREIEB MARKTES - es wurde nicht DURCH ZWANG von Herrschern eingesetzt.
    Haben Kryptowährungen nun diese oben beschriebenen speziellen Eigenschaften? Nahezu alle, und Bitcoins sind sogar knapp und nicht beliebig vermehrbar (bei 21 Millionen Stück ist Schluss). Damit eignen sie sich hervorragend als allgemeineres (Zwischen-)Tauschmittel. ABER: sie sind durchaus zerstörbar, und es gibt für ihre Haltbarkeit keine Erfahrungswerte. Deshalb sind sie eben auch kein besonders gutes Wertaufbewahrungsmittel. Gold hat jedoch seit Jahrtausenden bewiesen, dass es diese Funktion hervorragend erfüllen kann.

  • @ Herr Helmut Metz21.11.2017, 12:46 Uhr

    Mit dem "blitzschnell" transferieren scheint es aber nicht so weit herzusein, wie man in der FAZ lesen konnte. Grenznutzen haben die Eigenschaft, dass sie irgendwann gegen Null gehen. Falls die Computer (oder ihre Betreiber) sich verabschieden, ist er bei Null. Der Grenznutzen ist der Nutzenzuwachs durch zusätzlichen Konsum eines Gutes. Um diesen Grenznutzen berechnen zu können, wäre eine Nutzenfunktion von Nöten, zu der man die erste Ableitung bildet. Was wäre wohl die Nutzenfunktion von Bitcoins? Die wäre doch für jeden anders und somit auch der Grenznutzen. Einen "Wert" an sich könnte man doch gar nicht darstellen. Eine Anlage in Bitcoins, das es nur als Bit und Byte gibt, ist doch gar nicht möglich. Es sei denn, ich kann es doch bewerten. Dann hätte es aber nichts mit einem Grenznutzen zu tun.

  • @ Heink Keizer

    Sehen Sie, nicht so sehr ein "intrinsischer Wert" ist notwendig dafür, dass ein Gut zu Geld werden kann. Denn "Wert" ist immer etwas rein Subjektives. Deshalb ist Carl Menger ja auch ein JAHRTAUSENGENIE, weil er die Werttheorie revolutionierte und "Wert" durch den GRENZNUTZEN eines Gutes ersetzte.
    Ein virtuelles Computerspiel etwa kann man ja auch nicht anfassen. Dennoch hat es für zahlreiche Spielefreaks einen "Wert" (für mich persönlich jedoch nicht - aber das ist unerheblich), sodass diese sogar Raubkopien davon zu Geld machen können. Diese Computerspiele sind ja letztlich auch nichts anderes als Bits und Bytes; allerdings erforderte es eben KREATIVE WERTSCHÖPFUNG dafür.
    Diese Computerspiele haben ebenfalls einen GRENZNUTZEN - und wie bei jedem Gut nimmt auch bei ihnen der Grenznutzen ab (Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen).
    Wo haben nun Kryptowährungen als TAUSCHMITTEL (nicht als Wertspeicher!!) einen höheren Grenznutzen als etwa Gold?? Sie bieten eine TAUSCHERLEICHTERUNG: man kann mit ihnen etwa blitzschnell und global Transaktionen tätigen. Wollten Sie Ihren Handelspartner etwa in Chile dagegen mit Gold bezahlen, dann wäre das sehr umständlich (lange Dauer, Kosten für den Werttransport usw.)
    -> Kryptowährungen haben also gegenüber Gold als Transaktionsmittel einen HÖHEREN GRENZNUTZEN.
    BANKNOTEN waren ursprünglich ja Lagerscheine (also auch eine Forderung!!) für eingelagertes Gold. Die Banken kamen auf die glorreiche Idee, diese "Noten" auszustellen, weil auch sie eine TAUSCHERLEICHTERUNG boten: sie waren leichter zu transportieren als das Geldmetall Gold selber. Auch sie hatten also einen HÖHEREN GRENZNUTZEN. Irgendwann kamen die Banken jedoch auf die noch glorreichere Idee, einfach mehr "Noten" zu drucken, als tatsächlich Geld eingelagert war (merken Sie etwas?) - weil aufgrund der Bequemlichkeit nicht alle Kunden ihr Geld auch wieder einlösten. Und das war die Geburtsstunde des betrügerischen TEILRESERVEBANKWESENS.

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