Krypto-Währung über 8000 Dollar
Vom fallenden Bitcoin-Kurs profitieren

Die Krypto-Währung Bitcoin hat die Marke von 8000 US-Dollar übersprungen und zeigt damit, wie sehr sie im Fokus von Spekulanten steht. Nun können Anleger mit neuen Produkten auch auf fallende Bitcoin-Kurse setzen.
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HonkongDie Aussicht auf eine technische Neuerung bei Bitcoin hat den Preis der Krypto-Währung am Freitag auf ein neues Rekordhoch getrieben. Die von Computern geschaffene Devise verteuerte sich an der Handelsplattform Bitpoint zeitweise um mehr als zehn Prozent auf 8040 Dollar. Anfang des Jahres kostete ein Bitcoin noch rund 1000 Dollar.

Wie die Bitcoin-Handelsplattform Coinbase auf ihrer Internetseite mitteilte, sollte im Laufe des Tages ein lange erwartetes Software-Update durchgeführt werden. Das käme einer Spaltung der Cyberdevise gleich. Dadurch bekommt jeder Anleger, der einen Bitcoin hält, quasi einen neuen Bitcoin geschenkt.

„Jedes Mal, wenn die Leute heutzutage von einer solchen Spaltung hören, springt der Preis in die Höhe“, sagt Charles Hayter vom Analysehaus Cryptocompare. Anleger deckten sich mit Bitcoin ein oder schichteten ihr Geld von anderen Kryptowährungen in Bitcoin um, weil sie die Dividende einkassieren wollten.

In den vergangenen Monaten war es öfter zu einer Spaltung von Bitcoin gekommen. So entstanden etwa bereits Bitcoin Cash und Bitcoin Gold, deren Kurse seither deutlich zugelegt haben. Bitcoin ist die bekannteste der rund 1300 Kryptowährungen, deren Gesamtwert sich laut der Internetseite Coinmarketcap auf rund 230 Milliarden Dollar beläuft.

Immer mehr Regierungen und Aufsichtsbehörden weltweit warnen vor dem Internetgeld, weil sie befürchten, es könnte für kriminelle Machenschaften verwendet werden. So betonte etwa EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, Gesetzgeber und Zentralbanken diskutierten derzeit über eine Regulierung von Krypto-Währungen. China hatte Handelsplattformen für Cyberdevisen verboten. Russland schränkte den Zugang zu Internetseiten ein, die Bitcoin anbieten.

Seit dem heutigen Freitag bieten die Schweizer Emittenten Vontobel und Leonteq neue Produkte an, die es Anlegern ermöglichen, von Kursverlusten bei Bitcoins zu profitieren. Diese sogenannten Short-Zertifikate sind an der Schweizer Börse SIX Exchange gelistet. Sie eignen sich für Spekulationen auf nachgebende Bitcoin-Kurse und für eine Absicherung von bestehenden Bitcoin-Anlagen.

Die Einführung dieser Hebelprodukte erfolgt zu dem Zeitpunkt, an dem die Kryptowährung in der breiten Öffentlichkeit immer stärker als spekulatives Finanzinstrument akzeptiert wird. Die CME Group, die größte Terminbörse der Welt, hatte bereits angekündigt, im kommenden Monat Terminkontrakte auf Bitcoins aufzulegen. Das könnte den Weg ebnen für vermehrte Preisausschläge in beide Richtungen. Bislang war der Bitcoin-Kurs vor allem in eine Richtung gelaufen: nach oben.

Die Schweizer Bank Vontobel bringt zwei sogenannte Short-Mini-Futures mit Bitcoin als Basiswert auf den Markt. (Symbole: MXBTMV und MXBRTV). Bei Mini-Futures profitieren Anleger normalerweise von einem Hebel - das bedeutet, sie partizipieren an der Kursentwicklung des Basiswertes überproportional. Dafür ist der Kapitaleinsatz für den Anleger aber deutlich geringer, als beim Direkteinstieg in den börsengehandelten Basiswert.

Doch die Mini-Future von Vontobel auf Bitcoin sind nicht so risikoreich konstruiert . Das eine Derivat sei so ausgestaltet, dass es bei einem zehnprozentigen Kursverlust von Bitcoin knapp zehn Prozent an Wert gewinne. Das zweite, weniger riskante Produkt würde in dem Fall knapp sechs Prozent zulegen. Vontobel ist nach der UBS der zweitgrößte Anbieter von strukturieren Produkten in der Schweiz.

Im Gegensatz zu normalen Futures ist die Stückelung bei den Mini-Futures so klein, dass auch Privatanlegern ein Kauf offensteht. Sie sind mit einer Stop-Loss-Marke versehen, die vom Emittenten über die Laufzeit des Produktes kontinuierlich angepasst wird. Touchiert der Kurs des Underlyings die Stop-Loss-Marke, wird der Mini-Future eingestellt und ein Restbetrag zurückgezahlt. Bei den Mini-Futures von Vontobel liegt diese Stopp-Loss-Marke bei 9990 US-Dollar sowie 14.990 US-Dollar.

Diese Mini-Futures weisen - entsprechend ihres Namens - Ähnlichkeiten mit Optionen oder Optionsscheinen und Futures auf. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Optionsscheinen und Mini-Futures ist das Kriterium der Volatilität. Diese spielt bei dem Hebelprodukt keine Rolle.

Das Produkt von Leonteq hat eine Laufzeit von zwei Monaten, während die Derivate von Vontobel erst im Juli des Jahres 2018 auslaufen. Bei beiden können Anleger allerdings wie bei regulären börsengehandelten Instrumenten frühzeitig aussteigen.

Als erster und einziger Emittent hatte Vontobel im Juli 2016 einen sogenannten Bitcoin-Tracker (ein Index-Zertifikat, das den Bitcoin-Kurs 1:1 nachbildet) in der Schweiz und in Deutschland lanciert und am 25. Oktober 2017 eine weitere Variante mit unlimitierter Laufzeit aufgelegt. Heute gehören die Produkte sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland zu den meistgehandelten Anlageprodukten an der Börse.

Bitcoin ist das größte und bekannteste Cybergeld. Für diese Währungen steht keine Regierung oder Zentralbank ein. Ihr Kurs wird allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Geschaffen wird das Geld von Nutzern, deren Computer dafür komplexe Algorithmen berechnen. Da Beträge schnell und anonym transferiert werden können, ist das Geld auch für Nutzer interessant, die illegale Geschäften betreiben oder Kapitalkontrollen umgehen wollen. Gleichwohl beschäftigt sich inzwischen nahezu jede größere Bank weltweit mit dem Computergeld und der dahinter stehenden Technologie Blockchain.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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