Kryptowährungen Die ungewisse Zukunft der Bitcoin-Futures

Analysten feierten die Bitcoin-Terminkontrakte als großen Durchbruch. Endlich sei die Kryptowährung auf dem Finanzmarkt angekommen. Ein Monat später ist klar: Kleinanleger wetten auf Kursgewinne – Großinvestoren auf Verluste.
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Bitcoin: Große Investoren setzen auf niedrige Bitcoin-Preise Quelle: Reuters
CME Group

Die Bitcoin-Futures des Börsenbetreibers haben den Markt verändert.

(Foto: Reuters)

New YorkDer Start der Bitcoin-Futures der Chicagoer Handelsplattform CBOE war vielversprechend. Analysten feierten ihn als großen Durchbruch im Finanzmarkt. Denn seit dem 10. Dezember können Investoren auf der etablierten und regulierten Derivatebörse auf die Preise der Kryptowährung wetten, ohne Bitcoin selbst zu halten. Einen Monat nach Handelsbeginn zeigen sich zwei interessante Entwicklungen: Die Produkte sind weniger gefragt als gedacht. Und professionelle Investoren agieren anders als Kleinanleger.

Kleinanleger wetten darauf, dass die nach Marktwert größte Kryptowährung weiter steigt, wie Zahlen der zuständigen US-Derivateaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zeigen. Sie setzen demnach fast vier Mal öfter auf steigende Kurse als auf fallende. Anders sieht es bei den Hedgefonds und anderen großen Händlern aus: Diese setzen mit ihren großen Positionen eher auf einen fallenden Bitcoin-Kurs.

Ihren Optimismus, was die weitere Kursentwicklung angeht, scheinen also zumindest die Kleinanleger nicht verloren zu haben. Dass die großen Investoren eher auf einen fallenden Kurs setzen, heißt jedoch nicht zwingend, dass sie den Absturz der Kryptowährung erwarten. Sollten sie zum Beispiel Bitcoin halten, wären die Futures lediglich eine Strategie zur Absicherung der eigenen Bestände gegen Verluste, auch Hedging genannt. Die Daten der CFTC zeigen also nicht das gesamte Bild.

Ein Monat nach dem Durchbruch der Kryptowährungen wird außerdem deutlich, dass das Interesse kleiner wie großer Investoren unter den Erwartungen bleibt. So liegt der Wert der ausstehenden Kontrakte auf beiden Börsen zusammen bei rund 150 Millionen Dollar. Das Handelsvolumen des eigentlichen Bitcoin liegt dagegen bei mehreren Milliarden Dollar pro Tag, wie aus Daten des Analysehauses Coinmarketcap hervorgeht. Das liegt auch daran, dass sich Großbanken wie JP Morgen Chase oder Bank of America zurückhalten und ihren Kunden keinen Zugang zu Bitcoin-Futures bieten.

Der Bitcoin war 2017 rasant gestiegen und hatte Mitte Dezember für einen kurzen Moment die Rekordmarke von 20.000 Dollar überschritten. Danach brach die digitale Währung jedoch ein. Am Mittwochmorgen lag der Kurs unter der Marke von 14.000 Dollar. Renditen von deutlich über 1000 Prozent hatten im Herbst Kleinanleger aus der ganzen Welt angezogen, die oftmals bereit waren, an teils instabilen und unregulierten Krypto-Börsen zu handeln. Eine Alternative dazu sollen die Produkte der CBOE bieten. Seit dem 17. Dezember werden auch an der größeren Chicagoer Terminbörse CME Bitcoin-Futures gehandelt. Ähnliche Daten zum Handel dort wurden noch nicht veröffentlicht.

Kryptowährungen insgesamt waren Anfang der Woche in einen Abwärtsstrudel geraten. Coinmarketcap hatte am Montag eine wichtige Änderung in der Berechnung der Kurse vorgenommen. So werden die Preise von Krypto-Börsen aus Südkorea bei der Indexbildung nicht mehr berücksichtigt, teilte der Dienstleister mit. Grund dafür ist, dass Bitcoin und Co. in Südkorea deutlich mehr kosten. Das verzerre die Preise, erklärte Coinmarketcap.

Fast alle Kryptowährungen gaben daraufhin deutlich nach. David Schwartz, der oberste Kryptograph des Start-ups Ripple, sprach von „Panikverkäufen“, Ari Paul vom Hedgefonds Blocktower Capital dagegen von einer gesunden Korrektur.

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2 Kommentare zu "Kryptowährungen: Die ungewisse Zukunft der Bitcoin-Futures"

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  • @ Michael Müller
    "Die Kryptowährungen werden letztendlich genauso schnell verschwinden wie sie aufgetaucht sind."

    Ne, die Kryptowährungen sind gekommen, um zu bleiben. Aber nicht alle. Nur die besten - und vielleicht sogar auch nur die allerbeste.
    Das ist ja das Wunderbare an einem wirklich freien Wettbewerb: bei freiem Marktgeld setzt sich im Gegensatz zum staatlichen Zwangsgeld dasjenige durch, das die Wünsche der Marktteilnehmer am besten erfüllen kann.
    Und das muss eben nicht unbedingt Bitcoin sein: ich habe die Nachteile von Bitcoin hier schon des öfteren erwähnt: mittlerweile hohe Transaktionskosten und längere Transaktionsdauer gegenüber Konkurrenten. Dann ist Bitcin auch nur teilweise anonym: die Blockchain selbst ist öffentlich einsehbar, und gewisse "interessierte Kreise" könnten durchaus die Transaktionsströme analysieren. Ich persönlich bevorzuge daher Alternativen zu Bitcoin, die etwa mittels "Stealth"-Adressen und "Coin-Mixing" deutlich mehr Anonymität bieten.
    Bitcoin hat aber auch Vorzüge: mit der strikten Geldmengenbegrenzung auf 21 Millionen Coins und des systembedingt permanent steigenden Schwierigkeitsgrades für das "Schürfen" neuer Coins ist es die "härteste" Kryptowährung mit dem höchsten Inflationsschutz.

  • Es wird ausgehen wir immer: Die Kleinanleger verlieren und die Großanleger gewinnen. War schon immer so und wird auch immer so bleiben. Kleinanleger entscheiden emotinal und aus Gier und das ist an der Börse das Schlimmste was man tun kann. Die Kryptowährungen werden letztendlich genauso schnell verschwinden wie sie aufgetaucht sind. Geld wird dabei keines vernichtet oder verbrannt, es wechselt nur den Besitzer. Vom dummen Anleger zum intelligenten Anleger. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben...

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