Kupfer-Diebstahl
Kostbarer Schrott

Die Preise für Kupfer steigen wieder kräftig und rufen Metalldiebe verstärkt auf den Plan. Die Beute liegt dabei auf den Straßen. Leidtragender ist vor allem die Deutsche Bahn, denn: Die Zahl der Raubzüge an den Strecken nimmt zu - und das kostet Millionen.
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DÜSSELDORF. Nichts ging mehr zwischen Berlin und Hannover. Im Juni hatten Metalldiebe auf einer der wichtigsten Ost-West-Bahnstrecken des Landes an den Oberleitungen gewildert. Mit selbstgebasteltem Werkzeug schnitten sie 800 Meter Kabel und Aufhängungen heraus und kappten damit die Stromversorgung der Züge. Ihre Beute: Kupfer im Wert von rund 8 000 Euro.

Die Preise für das Metall sind in den vergangenen Monaten wieder rasant gestiegen und haben sich seit Anfang 2009 trotz zeitweiser Rückschläge mehr als verdoppelt. Eine Tonne Kupfer wird an der Londoner Metallbörse für rund 7 600 Dollar gehandelt. "Kupfer ist schneller aus der Rezession gekommen als andere Metalle", sagt Gabor Vogel, Rohstoff-Analyst der DZ-Bank. Leidtragender ist vor allem die Deutsche Bahn, denn: Die Zahl der Raubzüge an den Strecken steigt und fällt mit den Kupferpreisen. Die Bundespolizei zählte in der ersten Jahreshälfte 1 267 Diebstähle an den Gleisanlagen, 2009 waren es im gleichen Zeitraum nur 769 Fälle. Zum Teil stecken professionelle Strukturen dahinter. "Manche Diebesbanden klauen in Größenordnungen, die den Einsatz von schwerem Gerät, zahlreichen Helfern und organisierten Abnehmern voraussetzen", erklärt ein Bahn-Sprecher.

Der Wert der Beute ist allerdings nie so hoch wie der Schaden, den die Täter anrichten. Allein der Materialschaden liegt laut Deutsche Bahn jedes Jahr im zweistelligen Millionenbereich. Dazu kommen die Kosten für die Reparatur. Die finanziellen Einbußen durch verspätete Züge und verärgerte Kunden lassen sich gar nicht erst beziffern.

Allerdings werden die Diebe ihre Ware bei den Schrotthändlern nicht zum Marktpreis los. Wie viel Geld sie bekommen, hängt vom Zustand der Ware ab. "Geschredderter Kabelschrott ist am hochwertigsten", sagt Ingrid Keller vom Deutschen Kupferinstitut. "Dagegen sind Wasserleitungen nach jahrelanger Benutzung ziemlich verunreinigt und bringen weniger ein."

Die Schrotthändler spielen eine wichtige Rolle. "18 Prozent des Kupfers auf dem Weltmarkt sind recycelt", sagt Vogel von der DZ-Bank. Er weiß, warum das Metall so oft gestohlen wird: "Man kommt einfacher an Kupfer heran als an andere Metalle." Die Beute liegt sozusagen auf der Straße: Kabel an Bahngleisen, Rohre und Dachrinnen auf Baustellen. Sogar vor den Grablichtern auf Friedhöfen schrecken manche Metalldiebe nicht zurück.

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  • Diese idee finde ich, der oben gegebenen Definition nach, nicht all zu plausibel - aber gut.

  • Deshalb ist es wichtig die Rohstoffentsorgung in die Wirtschaft mit einzubeziehen, d.h. diese Menschen mit einzubeziehen, die sowieso nicht viel daran verdienen an dem Kupferklau, bis auf einige wenige Ausnahmen vielleicht.
    Auch dies ist bestandteil meines Projektes, für das 1 Milliarde Euro Forschungsgeld zur Verfügung gestellt wurden.
    Übrigens wird nicht nur bei der bahn geklaut, selbst eingepflanzte blumen werden ausgegraben und verschachert.

  • Armes Deutschland... So etwas wird (teils) durch (zukünftige/aktuelle) vereinfachte Einreise aus Ost-EU-Staaten sicherlich noch organisierter vonstattengehen.

    Meine Meinung.

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