Kupfer und Nickel
Experten erwarten Korrektur der Metallpreise

An der New Yorker Nymex wächst die Unsicherheit. Sorgen über eine mögliche Überhitzung der Wirtschaft in China bremsen den Optimismus der Investoren für die Metalle. Vor allem bei Kupfer richten sich die Spekulanten auf einen Preisverfall ein.

LONDON. Thomas Merath von der Credit Suisse in Zürich warnt schon seit Wochen vor einer Preiskorrektur an den Metallmärkten. So liege der Kupferpreis trotz eines Abschlags von etwa zwölf Prozent seit dem Höchststand von 8 400 Dollar je Tonne Anfang Mai immer noch um fast 40 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Bei Nickel verhalte es sich ähnlich. Merath empfiehlt daher eine Mischung aus Verkaufs- und Kaufoptionen, um die bevorstehende Phase starker Preisschwankungen in einem „nach wie vor gesunden Markt“ zum Vorteil zu nutzen.

Michael Lewis von der Deutschen Bank ist indes über China weniger besorgt. Die Erfahrungen zeigten, dass sich sechs bis acht Wochen nach monetären Dämpfungsmaßnahmen die Preise wieder zu stabilisieren beginnen, wenn das Vertrauen in das Wachstum des Landes erneut die Oberhand gewinne. Der scheinbar unersättliche Bedarf des Riesenreichs an Metallen sei bisher regelmäßig unterschätzt worden. Lewis setzt daher trotz des bereits hohen Preises von über 50 000 Dollar je Tonne weiter auf Nickel als die beste Anlage an den Metallmärkten. „Das Produktionsdefizit bei diesem Metall wird noch bis Ende 2008 andauern.“

Auch andere Analysten schließen weitere Preisspitzen für Nickel nicht aus. Mittelfristig geht der Konsens jedoch von sinkenden Preisen aus, nicht zuletzt auch wegen der Anstrengungen Chinas, den Nickelgehalt bei der Produktion von Edelstahl zu senken. Gut zwei Drittel des Welt-Nickelangebots gehen in die Stahlveredelung.

Recht optimistisch für die Metalle ist Robin Bhar von UBS. Nach seiner Einschätzung gibt es nach den Korrekturen seit Februar nur noch einen „geringen spekulativen Überhang“. Zink und Blei regen indessen weiterhin die Phantasie der Spekulanten an. Blei notiert zurzeit mit Kursen von über 2 300 Dollar/Tonne auf Rekordniveau. Lieferausfälle wegen eines Produktionsstopps einer Mine in Australien – aus Umweltgründen – und die expandierende Autoproduktion Chinas gelten als die Hauptpreistreiber am Markt. 81 Prozent des Welt-Bleiangebots gehen in die Herstellung von Batterien. Auch die Ankündigung einer zehnprozentigen Exportabgabe auf das Metall durch Peking beflügelte die Spekulation.

Auch bei Zink sehen Londoner Händler nach Gewinnmitnahmen wieder „Aufholpotenzial“. Laut Kevin Norrish von Barclays Capital hat der Markt den jüngsten „Ausverkauf“ aber übertrieben. Der Rückgang der Vorräte an der Londoner Metallbörse auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren deute vielmehr auf eine angespannte Versorgungslage hin. Der Preis werde schon bald wieder auf die 4 000- Dollar-Marke zusteuern. Dafür spricht auch, dass China inzwischen wieder mehr Zink importiert als exportiert. Die Automobilindustrie braucht wachsende Mengen für die Galvanisierung von Stahlblechen.

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