Kurseinbruch
Neue Verkaufswelle erfasst die Rohstoffmärkte

Drei Tage herrschte am Rohstoffmarkt Ruhe, jetzt setzt die Verkaufspanik wieder ein. Neue Inflationsdaten schrecken die Investoren auf, sie fürchten höhere Zinsen. Besonders hart erwischt es erneut den Silberpreis.
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Die vorübergehende Erholung am Rohstoffmarkt ist am Mittwoch jäh beendet worden. Noch am Morgen sah es so aus, als würden die Preise von Öl, Gold und Silber den leichten Aufwärtstrend der letzten drei Tage fortsetzen. Am Morgen stiegen die Notierungen zunächst an. Doch überraschend hohe Inflationskennziffern aus mehreren Ländern sorgten ab dem Mittag für neue Verunsicherung, die zu einer erneuten Flucht aus Rohstoffen führte. Der GSCI-Index, der die Entwicklung von 24 Rohstoffen misst, lag am Abend 3,3 Prozent im Minus. Der Preis für Öl sackte zeitweise um 4,5 Prozent ab, Silber verbilligte sich um mehr als acht Prozent.

Erst in der vergangenen Woche hatten Rohstoffe den stärksten Kurseinbruch seit 2008 erlebt. Am Donnerstag waren die Preise für die Ölsorten Brent und WTI um knapp zehn Prozent gefallen, der Silberpreis verlor rund zwölf Prozent. Unter dem Strich sackte Silber als mit Abstand größter Verlierer am Rohstoffmarkt binnen einer Woche um ein Viertel ab.

Verstärkt wurde der Preisrutsch durch einen deutlichen Kursanstieg des Dollars. Die US-Währung notierte am Abend bei weniger als 1,42 Dollar je Euro. Anfang Mai hatte ein Euro noch mehr als 1,49 Dollar gekostet. Ein steigender Dollar-Kurs ist negativ für Rohstoffe, weil er diese für Investoren aus Nicht-Dollar-Staaten verteuert.

In den vergangenen Monaten waren die Rohstoffpreise allerdings stark gestiegen. Auch hier führte Silber die Entwicklung an. 2010 stieg der Preis für das Edelmetall um 85 Prozent, in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ging es erneut um bis zu 60 Prozent nach oben. Investoren griffen bei Rohstoffen beherzt zu, weil Liquidität als Folge der Niedrigzinspolitik der weltweiten Notenbanken und zusätzlicher Milliardenhilfen für die Märkte reichlich und günstig zur Verfügung stand und andere Anlageklassen wie Anleihen wenig aussichtsreich erscheinen.

Dieser Trend könnte jetzt aber drehen, wenn die Notenbanken von ihrer Niedrigzinspolitik abkehren sollten. „Anleger müssen sich auf ein Umfeld weltweit höherer Zinsen einstellen”, sagte Stanley Nabi, Rohstoff-Experte von Silvercrest Asset Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das passiert in jeder wirtschaftlichen Erholung.“

Erhöht wird der Druck auf die Notenbanken jedoch durch die deutlich anziehende Inflation. In vielen Regionen hat sich die Teuerung – auch wegen der hohen Öl- und Rohstoffpreise – zuletzt deutlich beschleunigt. Am Mittwoch bezeichnete der britische Notenbank-Gouverneur Mervyn King die Inflationsrate als „unangenehm hoch“. Im laufenden Jahr würden die Verbraucherpreise vermutlich auf fünf Prozent steigen, hieß es im Inflationsbericht der Bank of England.

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  • Lieber Hans, ihr präpotentes, hochnäsiges Geschwafel zeugt nicht von überragender Intelligenz. Vielleicht wäre es vernünftiger, die Pferdeklappen vor den Augen zu entfernen. Glauben Sie allen Ernstes, die Billionen aus dem Nichts geschaffenes Papiergeld - man könnte auch bedrucktes Klopapier dazu sagen, mit Edelmetall vergleichen zu können? Gold und Silber wird verteufelt, weil es sich nicht wie Papier aus dem Nichts erschaffen lässt.

  • Wenn die hier so oft beschworene Kernschmelze des Weltfinanzsystems kommt - und das ist langfristig recht wahrscheinlich - dann braucht man noch wichtiger als Gold und Silber, Konservendosen und Waffen...

  • Als der Euro in die Weltwirtschaft eingeführt wurde, wurde dieser gegenüber dem Dollar mit 1,18 bewertet. Und jetzt regen sich alle auf, wenn der Euro mal hier und da ein paar Cent verliert? Der Euro müßte aufgrund seiner Miseren in Europa noch viel weniger wert sein. Ist er aber nicht, weil der große Staat auf der anderen Seite des großen Teichs selber pleite ist, bzw. so gut wie.

    Weiterhin halte ich es für eine sehr gute Idee, Gold und Silber zu kaufen. Sind diese Edelmetalle doch Währungsunabhängig und durchweg solide. Im Notfall freut sich jeder Juwelier über das Angebot von Gold und Silber.

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