Devisen + Rohstoffe
Kursgewinn der Schwedenkrone verblüfft Euro-Befürworter

Die schwedische Währung erreicht trotz des Neins im Referendum ein Drei-Jahres-Hoch gegenüber dem Euro.

STOCKHOLM. Schwedens Euro-Befürworter sind in Erklärungsnot: Nach dem überwältigenden „Nein“ zum Euro bei der Volksabstimmung vor knapp zwei Wochen ist die schwedische Währung stetig gestiegen. Gestern erreichte sie gegenüber dem Euro ihr Drei-Jahres- Hoch. Am Nachmittag mussten zeitweise nur noch 8,91 Kronen für einen Euro bezahlt werden. Seit 2001 war die schwedische Währung nicht mehr so stark wie jetzt. Dabei hatten gerade die Euro-Befürworter vor dem Referendum vor einer deutlich schwächeren Währung bei einem „Nein“ zum Euro gewarnt.

Für Klas Eklund, Chefvolkswirt bei der Bank SEB, ist diese Entwicklung nicht überraschend. „In den vergangenen Monaten haben die Devisenmärkte fast nur noch auf das Euro-Referendum geschaut. Außerdem warteten in den Wochen vor dem Referendum viele schwedische Konzerne mit dem Umtausch ihrer Exporteinnahmen in Kronen“, sagt der Anhänger der Gemeinschaftswährung. Jetzt sei der Rauch verzogen und die starken schwedischen Fundamentaldaten stünden wieder im Fokus. „Gutes Wachstum und einen große Überschuss in der Außenhandelsbilanz“, nennt Eklund in diesem Zusammenhang. Außerdem hätten viele exportorientierten Unternehmen ihre Einkünfte im Ausland nach dem Referendum wieder in Kronen getauscht.

Auch andere Analysten führen die Stärkung der Krone auf die relativ guten wirtschaftlichen Eckdaten zurück und rechnen sogar mit einem weiteren Aufwärtstrend. „Wir haben vorhergesehen, dass die Krone gestärkt wird. Wir denken, sie ist unterbewertet“, bestätigte auch Villy Bergström, einer der stellvertretenden Zentralbankchefs. Wie weit die Krone gegenüber dem Euro noch aufholen kann, darüber wollten sich Analysten nicht konkret äußern. Doch ein weiterer Anstieg auf 8,70 bis 8,80 Kronen für einen Euro schlossen sie nicht aus. Für Lars Nyberg, den zweiten stellvertretenden Zentralbankchef, kam der Kursgewinn der Krone in den vergangenen Tage ebenfalls nicht überraschend. „Die Krone ist stärker geworden, weil die Unsicherheit nach dem Referendum verschwunden ist“, sagte Nyberg gestern in Stockholm. Allerdings wies er auf den großen Unterschied der Langfristzinsen zwischen Schweden und Deutschland hin. Innerhalb der Euro-Zone sei dieser Spread deutlich niedriger, stellte Nyberg fest. „Das ist der Preis, den wir für unsere Außenseiterrolle bezahlen müssen“, sagte er. Auch SEB-Chefvolkswirt Eklund sieht künftig ein „leicht höheres Zinsniveau“ und rechnet mit einer „volatilen Krone“.

Die Stärkung der schwedischen Währung gegenüber dem Euro bei gleichzeitigen Dollarfall macht Teilen der stark exportorientierten schwedischen Wirtschaft schwer zu schaffen, da sie für ihre Produkte nun höhere Dollarpreise verlangen muss. Betroffen sind davon vor allem Unternehmen wie der Telekommunikationskonzern Ericsson und die LKW-Hersteller Volvo und Scania. Sie machen große Geschäfte im Dollarraum. Die Aktienkurse dieser Unternehmen fielen denn auch in den vergangenen Tagen.

Zu den Gewinnern zählt die stark defizitäre skandinavische Fluggesellschaft SAS. Sie rechnet mit Einsparungen von 700 Mill. Kronen (78,3 Mill. Euro), sofern der Dollar um zehn Prozent fällt. „Unsere größten Kostenfaktoren, Treibstoff und Leasing- Gebühren für Flugzeuge, werden in Dollar abgerechnet“, sagt Sture Stølen, Finanzchef bei der SAS.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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