Kurssturz bei Rohstoffen
„Die Preise werden nicht kollabieren“

Die Rohstoffpreise brechen ein, Anleger verkaufen panisch Öl und Silber. Hannes Loacker, Rohstoff-Analyst bei Raiffeisen Capital Management, erklärt, was hinter dem Absturz steht und wie es bei Rohstoffen weitergeht.
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DüsseldorfHerr Loacker, am Rohstoffmarkt herrscht Ausverkaufsstimmung. Übertreiben die Investoren?

Das Ausmaß des gestrigen Absturzes hat mich schon überrascht. Wir hatten zum Beispiel bei Öl den größten Tagesverlust seit Dezember 2008. Damit war nicht zu rechnen. Aber es zeigt sich, dass die Marktteilnehmer mit Blick auf die globale Konjunktur nervös werden, weil die letzten Daten aus den USA sehr schwach waren. Zudem sind die Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten doch sehr stark gestiegen. Und die meisten Investoren waren weiter auf der Käuferseite. Sie wurden gestern kalt erwischt.

Das heißt, die Spekulanten, die die Preise hochgetrieben haben, lassen sich jetzt wieder abstürzen.

Spekulanten setzen keine Trends, aber sie verstärken die Kursbewegungen in beiden Richtungen. Mit wenigen Ausnahmen wie etwa Gas waren die Investoren bis Anfang der Woche bei Rohstoffen long. In dem Augenblick, in dem die Preise zu fallen begannen, stieg die Nervosität. Und mit jedem Dollar, den etwa Öl zurückfällt, steigt die Gefahr. Viele Investoren mussten in dieser Situation Positionen glattstellen, um noch höhere Verluste zu vermeiden. Das hat den Kurssturz verstärkt.

Welche Rolle spielt der Dollar?

Der Dollar ist immer ein wesentlicher Faktor an den Rohstoffmärkten. Rohstoffe werden in Dollar gehandelt. Wenn der Wert der US-Währung steigt, werden diese für Nicht-Dollar-Investoren teurer. Das dämpft natürlich das Kaufinteresse.

Wie erklären Sie sich den gestrigen massiven Anstieg des Greenback?

Der ist in der Tat auf den ersten Blick überraschend, wenn man sich die relativ schwachen Konjunkturdaten - u.a. einen überraschend starken Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA und sehr schwache Auftragseingänge in Deutschland - anschaut. Aber diese wurden klar überlagert von der EZB. Deren Präsident Jean-Claude Trichet hat zwischen den Zeilen ziemlich klar durchblicken lassen, dass es auf der nächsten Sitzung keine Zinserhöhung geben wird. Die Erwartungen an den Märkten gingen in die andere Richtung, das hat den Euro so stark gedrückt.

Zu den Hauptleidtragenden des Kurssturzes am Donnerstag gehören die Ölpreise. Waren diese zu weit gelaufen?

Das würde ich so nicht sagen. Natürlich sind die Preise stark gestiegen. Aber wir haben auch eine robuste Nachfrage. Dazu kommen die diversen geopolitischen Risiken, allen voran Libyen. Aufgrund der Spannung gab es bei Öl eine Risikoprämie von 15 bis 20 Dollar. Diese hat der Markt mit der Bewegung in dieser Woche mehr als rausgenommen: Der Brentpreis lag Anfang der Woche noch bei 126 Dollar und hat seither fast 20 Dollar verloren. An der geopolitischen Situation hat sich aber nichts geändert. Was man aber schon sieht, ist eine negative konjunkturelle Wirkung des hohen Ölpreises. In den USA kostet eine Gallone Benzin fast vier Dollar und die Nachfrage sinkt bereits.

Stärker als Öl hat gestern nur Silber verloren. Seit Wochenbeginn ist der Preis sogar um ein Viertel eingebrochen. Hat das noch irgendetwas mit Fundamentaldaten zu tun?

Nein, Silber ist ein Thema für sich. Im letzten Jahr und zu Beginn dieses Jahres hat es hier einen massiven Preisanstieg gegeben. Diese Entwicklung hat weder Gold, noch Platin, noch Palladium auch nur annähernd mitgemacht. Die Gold-Silber-Ratio, die die Preise der beiden Edelmetalle ins Verhältnis setzt, liegt fast auf 30-Jahres-Hoch. Natürlich wird Silber von der Industrie, insbesondere der Elektroindustrie gut nachgefragt, aber das rechtfertigt eine derartige Preisexplosion nicht.

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Goldpreis könnte weiter zurückfallen

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  • Mittlerweile zahlen wir für viele Rohstoffe einen Spekulantenaufschlag. Muss das wirklich sein?

  • Solange es den Euro in der Form der Transferunion gibt, ist jeder gut beraten, in Sachwerte zu investieren. Die können wenigstens nicht bei einer Währungsreform "gar nichts mehr" Wert sein.

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