Lagerbestände wie vor 30 Jahren
Weizenpreis auf Rekordhoch

Schlechte Wetterbedingungen lassen die Bestände schrumpfen, sogar die Teuerungsraten von Rohöl und Kupfer hat Weizen seit Jahresbeginn übertroffen. Das könnte auch für die Notenbanken relevant sein: Denn steigende Getreidepreise treiben tendenziell die Inflation an.

Bloomberg. CHICAGO. Der Preis für Weizen hat in Chicago ein Rekordhoch erreicht. Mit Preissteigerungen von 17 Prozent hat das Getreide auf dem Weltmarkt seit Jahresbeginn die Teuerungsraten von Rohöl und Kupfer übertroffen. Als Grund für den starken Preisauftrieb gelten sinkende Lagerbestände bei zugleich wetterbedingt rückläufigen Liefermengen proteinreicher Weizensorten aus Nordamerika.

Der Weizenkontrakt für Lieferung im März stieg im nachbörslichen Handel an der Warenterminbörse in Chicago zuletzt drei Prozent auf 10,33 Dollar je Bushel (35,24 Liter). Zuvor waren laut statistischen Angaben aus Kanada – dem zweitgrößten Weizenexporteur nach den USA – die Lagerbestände des Landes um rund ein Drittel zurückgegangen. Begründet wurde das mit dem für das Pflanzenwachstum unvorteilhaften Wetterverlauf. Insgesamt könnten die globalen Weizenvorräte bis Ende Mai 2008 laut US- Statistikangaben den niedrigsten Stand seit 1978 erreichen.

Ein hoher Weizenpreis erhöht die Produktionskosten von Lebensmittelherstellern wie Kellogg Co. und General Mills Inc., den beiden größten Herstellern von Frühstücksflocken in USA. Ähnlich wie Fluggesellschaften beim Ölpreis, sichern sich die großen Lebensmittelhersteller an den Terminmärkten gegen Preisschwankungen ab. Kellogg hatte die eigene Absicherungsquote am Dienstag auf 70 Prozent beziffert.

Zugleich treiben steigende Getreidepreise tendenziell die Inflationsrate an, was den Notenbanken eine Lockerung der Zinspolitik zur Stimulierung der Konjunktur erschwert. Bereits im zurückliegenden Jahr hatten sich Weizenfutures in Chicago und die Preise für Frühjahrsweizen in Minneapolis nahezu verdreifacht. Gerade im Vergleich zu Rohstoffen wie Rohöl und Edelmetallen befinden sich Getreidepreise nicht im Griff der globalen Konjunkturerwartungen.

So bleibe die Nachfrage aus den USA relativ unabhängig von der Wirtschaftsentwicklung, wie Nobuyuki Chino, der Vorstandschef des japanischen Getreidehandelshauses Unipac Grain Ltd. in Tokio erklärt: „Leute mit wenig Geld neigen eher zum Konsum von Getreide als von kostspieligeren Lebensmitteln wie Fleisch“. Und Agrarrohstoff-Analyst Simon Roberts von der Australia und New Zealand Banking Group Ltd. ergänzt: „Selbst hohe Preise schrecken derzeit keine Käufer vom Weizenmarkt ab“, da auch in anderen Anbaugebieten der Welt wie Asien und Australien, die Produktion begrenzt sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%