Land mit den größten Ölreserven außerhalb des Nahen Ostens
Ölproduktion Venezuelas von Referendum nicht bedroht

Mit Spannung blicken die Akteure an den internationalen Rohölmärkten nicht nur auf den Irak sondern auch auf Venezuela und das dortige Referendum gegen Hugo Chavez. Zu gut ist die Erinnerung an einen zweimonatigen Streik, der Ende 2002 die Ölexporte des lateinamerikanischen Landes zum Erliegen gebracht hatte.

HB "Kurzfristig wird sich an Venezuelas Ölproduktion wenig ändern - egal wie das Referendum gegen Hugo Chávez am Sonntag ausfällt", heißt es bei der Investmentbank Morgan Stanley, "Venezuela wird auch nach dem 15. August sein Öl pumpen wie zuvor." Denn gleich wer nach Referendum und den möglichen Wahlen einen Monat später im Präsidentenpalast sitzt, sicher ist: Er braucht die Öleinnahmen dringend, um seine Macht auszubauen - das gilt für einen Oppositionskandidaten genau wie für Chávez selbst.

Denn im Land mit den größten Ölreserven außerhalb des Nahen Ostens läuft nichts ohne Öl: Ein Drittel der Staatseinnahmen liefert der Staatskonzern PdVSA beim Fiskus ab. Geschätzte zwei Milliarden Dollar hat Präsident Hugo Chávez dieses Jahr aus dem Konzern zusätzlich abgezogen, um über Sozialprogramme Popularität und Unterstützung zu sichern. Käme ein Oppositionskandidat an die Macht, dann würde der das kurzfristig nicht anders machen, heißt es in Caracas. Denn der Staatskonzern ist fast die einzige Institution, in der ein neuer Präsident schnell das Direktorium auswechseln und einen Teil der nach dem Streik Anfang 2002 entlassenen Mitarbeiter wieder einstellen könnte.

Doch die ausländischen Ölkonzerne hoffen jetzt auf einen klaren Sieg von Chávez - auch wenn das kein Konzern gerne öffentlich erklärt. Denn unter dem Linkspopulisten Chávez bekamen sie in den letzten zwei Jahren Zugang zu einem bisher staatlich kontrollierten Energiemarkt, an dem sie bis dahin nur beschränkt teilnehmen konnten. Zur Erklärung: Chávez hatte den Ölkonzern Petróleos de Venezuela S.A. (PdVSA) realistisch als eine Hochburg der Opposition ausgemacht - und zerschlug ihn kurzerhand zur Jahreswende 2002/3 während eines Generalstreiks, als er mehr als die Hälfte der Belegschaft entließ. Um die Förderlücke zu schließen, ist Venezuela seit dem immer abhängiger von ausländischen Ölkonzernen geworden: Rund ein Drittel der Produktion fördern inzwischen Multis. Für die Konzerne ist Venezuela wegen seiner Nähe zu den USA und den gewaltigen Ölvorkommen sehr attraktiv - von politischen Problemen lassen sie sich nicht abschrecken, die sind in anderen Förderregionen weltweit meist noch explosiver. So will Chevron Texaco jetzt 6 Mrd. $ investieren in ein Schwerölprojekt im Orinoco-Gebiet. Zwei Konzessionen im Gasprojekt Deltana hat der Konzern bereits erworben und unternimmt dort Bohrungen. Für die Branche gilt Chávez inzwischen "einschätzbar": Trotz seiner Hasstiraden auf die USA und der Drohung keinen Tropfen Öl mehr in die USA zu liefern, hält sich Venezuela auch unter dem Castro-Fan an die Lieferaufträge.

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