Landflucht der Anleger
Agrarrohstoffe locken an die Märkte

Immer mehr Kapitalanleger kehren zu den Wurzeln zurück - in die Landwirtschaft. Denn die Rohstoffe vom Feld werden auf lange Sicht immer teurer. Essen und trinken müssen Menschen schließlich auch in Krisenzeiten.
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FrankfurtDie Welt steht beim Kampf gegen den Hunger vor riesigen Herausforderungen. Nahrung wird wegen der steigenden Nachfrage immer mehr zum knappen und letztlich teuren Gut. Wenn die Weltbevölkerung tatsächlich - wie von Experten der Vereinten Nationen (Uno) prophezeit - von derzeit sieben auf acht Milliarden Menschen im Jahr 2025 und dann auf zehn Milliarden im Jahr 2050 steigt, drohen Engpässe und Hungersnöte. Hungerbedingte soziale Unruhen könnten die Folge sein. Nach einer Studie der Weltbank gab es bereits im Jahr 2008 in 33 Ländern auf dem Globus Unruhen wegen Hungersnöten und stark gestiegenen Lebensmittelpreisen.

Wen wundert es daher, dass immer mehr Kapitalanleger vor diesem Hintergrund zu den Wurzeln der menschlichen Geschichte zurückkehren - sprich in den Primärsektor, die Landwirtschaft also.

Anleger machten in den vergangenen Jahren einen guten Schnitt. Das Rendite-Risiko-Radar von Handelsblatt Online und der Privatbank Donner&Reuschel zeigt, dass der CRB-Rohstoffindex, der unter anderem Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Vieh beinhaltet in den vergangenen zehn Jahren eine Gewinnanstieg von mehr als sieben Prozent per anno hinlegte. Zum Vergleich: Der Dax schaffte im Zehnjahresvergleich einem jährlichen Zuwachs von 9,16 Prozent. Der Vorteil der Agrarinvestments: Sie sind weniger volatil. Mit Agrarrohstoffen verloren Anleger in der Spitze 24 Prozent in einem Jahr. Beim Dax lag der maximale Verlust bei mehr als 40 Prozent.

Nicht nur deswegen ist für die in Singapur lebende Investment-Legende Jim Rogers agrarische Rohstoffe derzeit die interessanteste Anlageklasse. Rogers' Meinung wird nicht zuletzt durch die Tatsache gestützt, dass Menschen auch in Krisenzeiten essen und trinken müssen und Agrarinvestments unter diesem Aspekt als eine sichere Anlage gelten können. Dabei muss bedacht werden, dass der Kampf um landwirtschaftliche Rohstoffe inzwischen nicht mehr nur von zwei Seiten geführt wird. Denn neben den Menschen, die Lebensmittel brauchen, und den Nutztieren, die Futtermittel benötigen, tritt jetzt auch die Verkehrsbranche als Nachfrager in Erscheinung, der Mais, Sojabohnen, Raps und Zucker für Biotreibstoffe braucht.

Die Experten der FAO - der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno - sprechen eine dringende Warnung aus: Soll der wachsende Bedarf an Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Biodiesel und Ethanol in Zukunft gedeckt werden, muss die Agrarproduktion um rund 60 Prozent gesteigert werden. Doch die vorhandenen Anbauflächen können nicht beliebig ausgedehnt werden. Im Gegenteil: Die zunehmende Verstädterung lässt die Ackerlandflächen schwinden.

Die weltweiten Agrarflächen werden Uno-Prognosen zufolge von 5 100 Quadratmeter pro Bürger im Jahr 1950 auf nur noch 2 000 Quadratmeter pro Bürger im Jahr 2050 sinken. Immerhin gibt es in Russland und Afrika noch ungenutzte Flächen. Dass diese Flächen zum Teil brachliegen, hat seine Ursachen in der fehlenden Infrastruktur, den klimatischen Unwägbarkeiten und dem oftmals fehlenden Zugang zu Wasser in diesen Regionen.

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  • Keine Spekulation mit Lebensmitteln
    Während Spekulanten, Banken und Investmentgesellschaften mit Lebensmitteln Kasse machen, steigt die Zahl der Hungernden weltweit!Dagegen protestiert die Initiative handle-fair. de!

  • Etwas mehr Vorsicht mit solchen `Wegleitungen` wäre sehr angebracht. Manchem scheint noch nicht aufgefallen - wir befinden uns inzwischen im 21. Jahrhundert! Einmal abgesehen davon, dass Spekulationserträge in den Taschen weniger, der grossen Masse zukünftig zumindest zum
    Teil in Form von gigantischen Lebensmittelhilfslieferungen in andere
    Weltregionen aufgebürdet werden. Allein bis 2030 sagen seriöse Schätzungen ca. 900 Mio. Hungertote voraus. Nicht unwahrscheinlich, dass derartige Artikel später einmal als Beihilfe zum massenweisen Totschlag interpretiert werden könnten.

  • Die Formulierung ist sicherlich hart und ich bin nicht davon überzeugt, dass hier alle wissen wovon und über was sie eigentlich schreiben.

    Bevor man sich hier auslässt, sollte man die Funktionsweise der Terminmärkte kennen und verstehen. Dann kann man mitreden.

    Wenn es hier eine wirklich verwerflich Angelegenheit zu monieren gilt, dann ist es die, landwirtschaftliche Nutzfläche für die Produktion von E10 umzuwidmen. Dadurch wird Fläche, die zur Lebensmittelproduktion genutzt wurde, verknappt und wir fragen diese nicht mehr produzierten Lebensmittel auf dem Weltmarkt nach.

    Schauen sie nach Mexiko, deren Hauptnebensmittel Mais ist. Dieser Mais wird dort aufgekauft, um "Sprit" zu produzieren. Daran ist kein Spekulant beteiligt, alles nur von den Politikern zum Schaden der Armen Bevölkerung inszeniert.

    Diese Handlungsweise ist ethisch und moralisch unentschuldbar und wir sollten uns einmal kritische Gedanken zu mancher "grünen" Sichtweise machen. Das, was die GRÜNEN heute "verkaufen" hat nichts mehr mit dem eigentlichen "grünen" Gedankengut gemein.

    Wenn wir über das Thema diskutieren wollen, dann müssen wir es in der richtigen Reihenfolge vornehmen.

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