Langfristig auch Schaden für Ölexporteure
IEA prognostiziert bald fallenden Ölpreis

Nach den zuletzt stark gestiegenen Ölpreisen erwartet die Internationale Energieagentur schon bald einen deutlichen Preisverfall.

HB PARIS. Das derzeit hohe Niveau werde auf Dauer den Öl-Exporteuren schaden. „Die Preise werden stark sinken, wahrscheinlich schon bald“, sagte IEA-Direktor Claude Mandil in einer Video-Pressekonferenz im Vorfeld der offiziellen Vorstellung des neuen Weltenergieberichts in Paris. „Die Preise werden aber weiter sehr stark schwankend sein“, betonte er. Auf genaues Ausmaß und Zeitpunkt des Preis-Rückgangs wollte er sich nicht festlegen. Die derzeitigen Preise seien aber fundamental nicht gerechtfertigt.

Von hohen Ölpreisen würden langfristig die Ölexporteure nicht profitieren, da dann der Verbrauch auch stark zurückgehe, sagte Mandil. Eine Absage erteilte er Überlegungen, die Öl-Vorräte reichten nicht aus, um die rasant wachsende Industrie in China oder Indien zu füttern. „Die Ölversorgung ist bis 2030 und darüber hinaus gesichert“, betonte der Direktor der IEA, die bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angelehnt ist.

Derzeit gehe die IEA bis 2030 von einem durchschnittlichen Ölpreis von 25 Dollar je Barrel aus. Ein um 10 Dollar höherer Durchnittspreis werde im Folgejahr das weltweite Wachstum um 0,5 Prozentpunkt schmälern, sagte Mandil. Mandil verwies auf ein von der IEA alternativ in ihrem Ausblick errechnetes Hochpreisszenario, dem im Schnitt von heute bis 2030 ein Ölpreis von 35 Dollar je Barrel zu Grunde liegt.

Laut diesem Szenario wird die weltweite Ölnachfrage bis 2030 um 15 % oder 19 Millionen Barrel pro Tag (bpd) zurückgehen und die Ölförderung aus konventionellen und nicht konventionellen Lagerstätten in Nicht-OPEC-Ländern deutlich steigen, womit sich der Marktanteil der OPEC erheblich verringert. Mandil erklärte, die zentrale Botschaft des Weltenergieausblicks bleibe weiterhin optimistisch, allerdings würden die kurzfristigen Risiken für die Versorgungssicherheit zunehmen. Die weltweiten Energieressourcen seien mehr als ausreichend, um die Nachfrage bis 2030 und weit darüber hinaus zu decken. „Der Welt geht das Öl bislang nicht aus“, sagte Mandil.

Nachfrageflexibilität wird abnehmen

Darüber hinaus gebe es weltweit mehr als genug Finanzmittel, um den erforderlichen Ausbau und die Modernisierung der Energieinfrastruktur zu finanzieren. Länder wie Saudi-Arabien, Kuwait und Mexiko forderte Mandil in diesem Kontext aber dazu auf, angesichts eines absehbaren Mehrbedarfs an Investitionen in ihre Sozialnetze und damit potenziell fehlender staatlicher Öl-Investitionen ihren Ölbereich für private internationale Mittel zu öffnen. Mit Blick auf die Energiezukunft Russlands sah die IEA in dem Bericht zudem „enorme Unsicherheiten“.

Generell sagte die IEA voraus, dass die Flexibilität von Ölnachfrage und -angebot abnehmen werde. Durch den lebhaften Handel werde sich die gegenseitige Abhängigkeit der Ein- und Ausfuhrländer verstärken. Dadurch steige aber auch die Gefahr, dass in Folge von Piraterie, Terroranschlägen oder Unfällen Ölquellen oder Pipelines geschlossen und Öltanker an der Weiterfahrt gehindert würden. Die IEA forderte alle Beteiligten dazu auf, ein universell anerkanntes standardisiertes Verfahren zur Schätzung der Öl- und Erdgasreserven zu entwickeln und einzuführen.

Der Weltenergieausblick geht davon aus, dass bei unveränderten Politiken der weltweite Energiebedarf von heute bis 2030 um 59 % zunimmt. Kohlestoffintensive fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas würden rund 85 % dieser Zunahme ausmachen. Zwei Drittel der Zunahme der Weltenergienachfrage würden von Entwicklungsländern und insbesondere von China und Indien ausgehen. Die weltweite Nachfrage nach Öl wird den Projektionen zu Folge um jährlich 1,6 % steigen, von heute 82 Millionen bpd auf 121 Millionen bpd im Jahr 2030. Der weltweite Erdgasverbrauch wird sich demnach bis 2030 verdoppeln.

Die IEA forderte aber, mit technologischen Durchbrüchen in verschiedenen Bereichen ein nachhaltigeres Energiesystem einzuführen, damit die Emissionen 2030 niedriger und nicht höher seien als derzeit. Die Regierungen müssten hierzu „endlich die Entscheidungen treffen“, verlangte Mandil.

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